Bad Rodach
Wahl

Bei der Wahlparty in Bad Rodach flossen Tränen

Der sensationelle Erfolg von Tobias Ehrlicher wurde in der Bad Rodacher Stadthalle frenetisch gefeiert. Der 25-Jährige konnte sein Glück kaum fassen.
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Fotos: Albert Höchstädter
Fotos: Albert Höchstädter
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Noch-Bürgermeister Gerold Strobel sichert ihm Unterstützung zu. Es ist 19.20 Uhr, als lauter Jubel, rhythmisches Klatschen und "Tobi, Tobi" Rufe die Stadthalle in Bad Rodach beben lassen. Gerade sind die Ergebnisse des letzten Stimmbezirks und der Briefwahl verkündet worden, und es steht fest: Tobias Ehrlicher wird der neue Bürgermeister von Bad Rodach. Der 25-jährige SPD-Politiker ist dann das jüngste Stadtoberhaupt Deutschlands.

Es waren sicher nicht die Stimmen der SPD-Getreuen allein, die es ermöglichten, dass er sich bereits im ersten Wahlgang gegen Lars Otto (Zukunftsforum Bad Rodach) und Susanne Reinhardt (FW) durchsetzte. Der Erfolg, bei einer Wahlbeteiligung von über 76 Prozent auf Anhieb fast 69 Prozent der Stimmen zu holen, steht auf einer sehr breiten Basis.

Eine Anerkennung, die den jungen Kommunalpolitiker mit den Tränen ringen lässt, wie er jungenhaft freimütig gesteht: "Da musste ich schon ganz schön was wegdrücken", sagt er, als er mit Freundin Antje Brückner auf die Bühne tritt. Es sind nicht seine ersten Worte. Als er das Mikrofon von Amtsinhaber Gerold Strobel (FW) übernimmt, sammelt er sich kurz, ehe er sagt: "Welch ein schöner Abend!"

Nach über vier Jahren im Stadtrat ist Tobias Ehrlicher aber schon Profi genug, um sofort seinen Gegenkandidaten für den fairen Wahlkampf zu danken: "Es war ein gutes Miteinander." Er dankt auch allen Unterstützern seiner Partei sowie seinen Eltern. Vater Bernd klebte eifrig Plakate für den Sohn. Und Mutter Beate? "Vor eineinhalb Stunden hat sie mir noch schnell die Hose aufgebügelt..."

Sie hat wohl geahnt, dass er an diesem Abend gut aussehen muss, wenn sich die Kameras der Medien auf ihn richten. Denn: "Ich gratuliere Bad Rodach zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands - das ist etwas, das man gut vermarkten kann", ist Landrat Michael Busch (SPD) überzeugt. Er weiß, dass dieses Wahlergebnis weit über die Grenzen der Stadt und des Landkreises hinaus für Aufsehen und Schlagzeilen sorgen wird, und sieht die Chance, damit auf Bad Rodach als Kurstadt bundesweit aufmerksam zu machen. Auch er betont die Art des Wahlkampfs der drei Bewerber als "beispielgebend für die Nachbargemeinden und darüber hinaus".

Glückwunsch der Gegner

Bereits bevor die letzten Ergebnisse in den Computer getippt waren, gratulierte denn auch Lars Otto dem jungen Wahlsieger. "Ich hätte es so nicht erwartet", räumt er später ein. Nach allen Gesprächen in den letzten Tagen hätte ich mit einer Stichwahl gerechnet. Das ist ein sehr deutliches Ergebnis. Glückwunsch an Tobias!" Auch Susanne Reinhardt empfand die Stimmungslage in der Stadt im Kontakt mit den Bürgern eher so, dass sie im ersten Wahlgang noch nicht mit einer Entscheidung gerechnet hätte. Von Enttäuschung mag sie nicht reden: "Es ist eine Wahl.Man muss das sportlich sehen." Die Frage, ob sie sich ein weiteres politisches Engagement vorstellen kann, kommentiert sie: "Das ist im Bereich des Möglichen."

Unterdessen bekommt Tobias Ehrlicher die erste Konsequenz seines Erfolgs zu spüren. Das Händeschütteln nimmt kein Ende. Nicht nur viele der Bad Rodacher Bürger wollen ihrem künftigen Bürgermeister persönlich gratulieren. Viele SPD-Politiker aus der Region sind da. Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld, SPD-Unterbezirksvorsitzender Carl-Christian Dressel und auch Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner mit etlichen Vertretern aus dem Stadtrat der Vestestadt, mit der Gerold Strobel zusammenarbeiten will, wenn es um die Zukunft der Therme in Bad Rodach geht. Ein Projekt, das er gemeinsam mit Landrat Michael Busch noch auf den Weg bringen will, ehe er den Chefsessel im Rathaus für seinen Nachfolger frei macht.

Dem sicherte Strobel in aller Herzlichkeit zu: "Ich werde mich garantiert nicht aufdrängen, aber wenn du einen Rat von mir brauchst, dann bin ich da". Ein Angebot, das Tobias Ehrlicher gern annahm: "Ich werde bestimmt darauf zurückkommen". Denn bei aller Sicherheit auf dem kommunalpolitischen Parkett ist ihm wohl bewusst, dass es gewiss keine kleine Aufgabe ist, die er sich als neuer Bürgermeister von Bad Rodach vorgenommen hat.
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