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Herreth
Ehrenamt

Bei den Oehrls in Herreth hat Wetter Geschichte

Gerald Oehrl ist seit 25 Jahren ehrenamtlicher Wetterbeobachter beim Deutschen Wetterdienst - eine Aufgabe, für die man sehr zuverlässig sein muss.
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Da steckt ja jede Menge Technik drin: Frank Sievers, Werner Thomas, Gerald Oehrl und Thomas Schuhmacher diskutieren über die hochsensible Technik, die heutzutage in einer modernen Mess-Station wie der in Herreth steckt. Foto: Berthold Köhler
Da steckt ja jede Menge Technik drin: Frank Sievers, Werner Thomas, Gerald Oehrl und Thomas Schuhmacher diskutieren über die hochsensible Technik, die heutzutage in einer modernen Mess-Station wie der in Herreth steckt. Foto: Berthold Köhler
Gerald Oehrl, das weiß Bürgermeister Werner Thomas (SPD), "ist ein bodenständiger Mensch". Und zuverlässig. Seit 25 Jahren ist der Landwirt aus dem Aussiedlerhof ehrenamtlich für eine Mess-Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verantwortlich. Für so eine Leistung gibt es sogar eine Ehrung: die Wetterdienstplakette samt Urkunde, unterschrieben vom Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU).
Die Herrether Mess-Station gibt es sogar schon deutlich länger als 25 Jahre. "Mein Vater hat 1969 mit den Messungen angefangen", berichtet Gerald Oehrl, Jahrgang 1967. Er ist also mit der Messeinrichtung des DWD aufgewachsen und kann sich an eine goldene Regel aus seiner Kindheit erinnern: "Wenn es geregnet hat, durften wir nicht an die Station."
Ein bisschen trauert Oehrl, den viele als Gemeinderat kennen, der guten, alten Wettermelder-Zeit trotzdem nach.
Damals, als er den Metall-Messbehälter noch täglich ausleeren und die Werte teilweise noch mit drei Durchschlägen per Hand in ein Büchlein eintragen musste. Da war Gerald Oehrl noch näher dran am Wetter. Inzwischen ist moderne Technik droben über Herreth auf knapp über 300 Meter Meereshöhe eingezogen. Die Wetterstation hat Strom- und Internetanschluss und damit einen wichtigen Vorteil, erklärt Thomas Schuhmacher (Leiter der Regionalen Messnetzgruppe München): "So können wir die Messwerte praktisch minütlich abrufen." Dennoch gibt es noch Momente, an denen ein Wetterbeobachter besonders wichtig wird. Wenn Schnee liegt, muss Gerald Oehrl an einem festen Zeitpunkt am Morgen die Schneehöhe und Schneebeschaffenheit dem Deutschen Wetterdienst durchgeben.


Rekordwert im August 1995

Thomas Schuhmacher ist zum Jubiläum von Gerald Oehrl extra aus München gekommen. Er will das auch als Signal verstanden wissen, sagt der Messgruppenleiter: "Die Leistungen eines Wetterbeobachters sind für die Gesellschaft wichtig." Schließlich werden die Messwerte der Ehrenamtlichen nicht nur zur klassischen Wettervorhersage im Offenbacher Großrechner herangezogen. Die Abflussberechnungen für den Neubau von Abwasserleitungen sind ein weiteres Beispiel, das Schuhmacher auf die Schnelle so einfällt. Weil dafür aber ein flächendeckendes Netz an Stationen benötigt wird, kommt der DWD ohne Ehrenamtliche nicht aus, erklärt Schuhmacher: "Ohne sie könnten wir unser Netz nicht betreiben."
Die Bedeutung von Wetteraufzeichnungen hat man in Deutschland schon früh erkannt. Bereits 1937 stand im Itzgrund die erste Mess-Station. Dementsprechend fast 80 Jahre zurück reicht die lange Ergebnisliste, die Thomas Schuhmacher als Geschenk-Dreingabe für die Oehrls mitgebracht hat. Den herausragenden Wert braucht er nicht lange zu suchen: "8. August 1995: 65 Millimeter Niederschlag in 24 Stunden." Bürgermeister Werner Thomas ist daraufhin derart fasziniert, dass er sich den Datenbogen sofort schnappt und fürs gemeindliche Archiv kopieren lässt.


Die Zukunft scheint gesichert

Beim Deutschen Wetterdienst sind sie um Familien wie die Oehrls froh, erklärt Schuhmachers Kollege Frank Sievers. 30 Jahre Messwerte brauchen die Klimatologen nämlich schon, um mit einer Station langfristig planen und rechnen zu können. Deshalb ist Sievers glücklich darüber, dass Gerald Oehrl felsenfest davon überzeugt ist, auf jeden Fall noch das "40-Jährige" als Wetterbeobachter voll zu machen. Und für die Zeit danach will er seinen Sohn überreden. Die Mess-Station gehört schließlich ja irgendwie schon zur Familie.


Was sind denn Wetterbeobachter?

Der Deutsche Wetterdienst betreibt in ganz Deutschland ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz mit knapp 2000 Messstellen. Dazu gehören rund 180 hauptamtliche Wetterwarten und Wetterstationen, die zum Teil rund um die Uhr mit DWD-Personal besetzt sind. Etwa 1800 weitere Messstellen des DWD werden ehrenamtlich von engagierten Bürgerinnen und Bürger - häufig seit Jahrzehnten - betreut. Im Winter melden sie Informationen zu Schneeverhältnissen vor Ort nach Offenbach in die Zentrale des DWD. Die vor Ort gemessenen Daten und die Beobachtungen werden vom nationalen Wetterdienst dann zum Beispiel für die Wettervorhersage oder Gutachten bei Wetterschäden genutzt. Sie helfen aber auch, den Klimawandel in Deutschland genau zu erfassen und deren Folgen besser einschätzen zu können.
Zu den Voraussetzungen für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Tätigkeit gehören nicht nur Einsatzbereitschaft und die erforderliche Zeit, sondern auch ein geeignetes Grundstück, auf dem die Messgeräte des DWD gemäß internationalen Vereinbarungen und in ausreichendem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden können. Kosten entstehen ehrenamtlichen Beobachtern weder durch den Aufbau noch durch den Betrieb der Station.


Wetterbeobachter gesucht!

Kontakt: Der Deutsche Wetterdienst sucht nach einem Betreuer für die Wetterstation im Lautertal. Wer Interesse an diesem Ehrenamt hat, kann sich bei Frank Sievers, Telefonnummer 069/80629254, melden.
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