Neustadt bei Coburg
Winter

Bauhof Neustadt: Das Wetter macht den Dienstplan

Wenn der erste Schnee fällt, beginnt für die Mannschaft von Gerhard Reh im städtischen Bauhof die stressigste Zeit des Jahres. Sie tun alles, damit auf den 120 Kilometern Neustadter Straßen der Verkehr nicht zum Stillstand kommt.
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Das Salzlager ist voll, das Räumfahrzeug einsatzbereit: Gerhard Reh (rechts) und sein Kollege Günter Franke sehen den ersten Schneefällen des Winters 2015/2016 gelassen entgegen. Foto: Berthold Köhler
Das Salzlager ist voll, das Räumfahrzeug einsatzbereit: Gerhard Reh (rechts) und sein Kollege Günter Franke sehen den ersten Schneefällen des Winters 2015/2016 gelassen entgegen. Foto: Berthold Köhler
Nein, die Wettervorhersage fürs Wochenende macht einen alten Hasen wie Gerhard Reh nicht nervös. "Wir sind vorbereitet", sagt der Bauhofleiter mit Blick auf die angekündigten ersten Schneefälle. Dass es ihm und seinen Kollegen zuletzt langweilig war, weil der Winter auf sich warten ließ - bei dieser Vermutung kann Reh aber nur lachen: "Wir hatten genug andere Arbeiten zu erledigen." Aber klar: Der Winter ist zweifelsohne die stressigste Jahreszeit im Bauhof.


Nominell ist im städtischen Bauhof bereits der 1. November der Stichtag. Von da an gilt bei Reh und seinen rund 40 Kollegen die "Winter-Zeit", in der das Wetter den Dienstplan bestimmt. Noch ein bisschen früher werden sogar die Salz-Vorräte eingebunkert. Schon im April/Mai hat Gerhard Reh seine Bestellungen abgegeben, Ende Oktober waren dann die Hallen und das rund 120 Tonnen fassende Silo voll. 800 Tonnen sind das insgesamt. "Das reicht für einen durchschnittlichen Winter", erklärt der Bauhofleiter.


Wenn die Temperaturen in den Minusbereich gehen, heißt es für Gerhard Reh (oder einen anderen der insgesamt drei Einsatzleiter in Wechselschicht): Früh aufstehen! Spätestens um 3 Uhr, eher schon um 2.30 Uhr, müssen die Kontrollfahrten losgehen, um zu erkennen, wie viele das Bauhof-Teams ausrücken müssen. Natürlich kennt Gerhard Reh die Ecken des Stadtgebietes, die im Winter besonders schnell gefährlich werden können: Der Effelder Berg steht da an erster Stelle, aber auch die Steigungen rund um das Krankenhaus muss der Winterdienst stets im Blick haben.


Winterdienst ist harte Arbeit

Bei 80 Kilometern Orts- und 40 Kilometer Ortsverbindungsstraßen ist eine ganze Armada an speziell ausgerüsteten Fahrzeugen von Nöten, um die Straßen schnee- und eisfrei zu halten. Fünf große und vier kleine Fahrzeuge stehen aus dem Bauhof-Fuhrpark zur Verfügung. Dazu kommen vier Landwirte, die als Vertragspartner der Stadt eigene Reviere betreuen.

Dass die Landwirte die mit dem Räumdienst verbundene Bezahlung zu schätzen wissen - "davon gehe ich aus", sagt Reh. Er verweist aber auch auf den hohen Arbeitsaufwand durch die Rufbereitschaft, die auch für die Landwirte gilt. Und nicht zu vergessen: "Das Streusalz ist für alle Fahrzeuge, also auch für Traktoren, problematisch." Zum Winterdienstbereich des städtischen Bauhofes gehören zudem zwei Handreviere sowie die Hauptwege auf den Friedhöfen.


Natürlich weiß Gerhard Reh, dass die Winterzeit immer ein bisschen mehr Konfliktpotenzial bietet als der Rest vom Jahr. Ein bisschen schmunzeln muss er schon, wenn ihm mit Sommerreifen liegengebliebene Autofahrer gestehen, sie seien vom plötzlichen Wintereinbruch überrascht worden. Heutzutage, wo es im Internet nur so von guten Wetter-Homepages wimmele, sei Schneefall schließlich selten eine Sache, die aus heiterem Himmel komme. Und wenn es dann schneit, dann hat der Bauhofleiter einen grundsätzlichen Tipps für die Neustadter Autofahrer: "Früh lieber mal eine Viertelstunde früher aufstehen und angepasst fahren."


Gut geparkt, gut geräumt

Mindestens genau so wichtig wie eine überlegte Fahrweise der Verkehrsteilnehmer ist für die Winterdienstfahrzeuge auch die Parkmoral. Wer sein Fahrzeug immer schön nah am Straßenrand parkt, der macht es den Schneepflügen mit ihren breiten Räumschildern leichter - gerade in schmalen Straßen.

Die Wallstraße, die Äußere Wallstraße oder das Neubaugebiet an den "Reußenteichen" fallen Gerhard Reh als Gebiete ein, wo die Straßenverhältnisse ohnehin schon so begrenzt sind, dass parkende Autos schnell zum unüberwindbaren Hindernis werden. Deshalb bittet Reh die Anwohner dort, während der Wintermonate so oft als möglich in den Hofeinfahrten zu parken.


Obwohl die Stadt inzwischen - dem Internet sei Dank - keinen kostenpflichtigen Wetterinformationsdienst mehr braucht, geht die Einsatzplanung von Gerhard Reh immer nur ein paar Tage voraus.


Von langfristig angelegten Wetterprognosen hält er jedenfalls wenig: "Es kommt, wie es kommt." Dass zum Beispiel derzeit immer wieder ein südbayerischer "Wetterfachmann" durch die Medien geistert, der mittels der Blütenstände einer Königskerze (das ist eine Pflanze) einen "Jahrhundertwinter" prophezeit, entlockt Reh ein wirklich nur sehr müdes Lächeln.
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