Luxemburg
Musik

Barockmeister trifft Klassiker der Moderne

Das hat Jean-Philippe Rameau mit György Ligeti zu tun? Die junge luxemburgische Pianistin Cathy Krier wagt auf ihrer neuen CD-Veröffentlichung eine außergewöhnliche Komponisten-Kombination. Das Resultat? Eine Begegnung mit verblüffenden Klang-Perspektiven.
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Werke von Jean-Philippe Rameau und György Ligeti hat die Pianistin Cathy Krier eingespielt. Foto: Delphine Jouandeau
Werke von Jean-Philippe Rameau und György Ligeti hat die Pianistin Cathy Krier eingespielt. Foto: Delphine Jouandeau
Puristen werden die Nase rümpfen. Darf man Cembalo-Musik des französischen Barock-Meisters Jean-Philippe Rameau auf dem modernen Konzertflügel spielen? Man darf - wenn man es so überzeugend kann wie die junge luxemburgische Pianistin Cathy Krier.

Denn mit verblüffender Selbstverständlichkeit dringt sie in ihrer Aufnahme zum Kern dieser fast drei Jahrhunderte alten Musik vor. Sie befreit die Werke aus Klang-Kleidern, die ihr scheinbar doch so perfekt passen und lässt hörbar werden, wie sich die Verbindung von Klangfarbe und Struktur, die Rameau einst mit den Registriermöglichkeiten des Cembalos erzielte, auf dem Klavier völlig zeitlos entfalten.

Mehr noch: Die Wahl des Klaviers ermöglicht Cathy Krier die Kombination von Cembalo-Werke Jean-Philipp Rameaus mit Klaviermusik eines Klassikers der Moderne: György Ligeti. Diese Koppelung klingt zunächst nach provokantem Kontrast und wird doch zum spannenden Dialog, bei dem sich die Werke Rameaus und Ligetis wechselseitig erhellen.


Farbenreich und klar
Denn Ligeti war in den 1950er Jahren, als er beispielsweise seine "Musica Ricercata" schriebe, keineswegs eines rücksichtsloser Neuerer, sondern ein Komponist, der innerhalb selbst gewählter strenger Regeln eine große Vielfalt an Klängen entdeckt. Ligetis Formenstrenge und Rameaus Ehrgeiz, die Musik als Wissenschaft zu verstehen, verbindet die beiden Komponisten, wie Cathy Krier in ihrem lesenswerten Booklet-Text ausführt.

Cathy Krier ist eine Pianistin mit ungewöhnlichen Repertoire-Vorlieben. Nach ihrer viel beachteten Doppel-CD mit sämtlichen Klavierwerken von Leos Janácek präsentiert sie sich auch in dieser Aufnahme als Künstlerin, der es nicht um die Zurschaustellung virtuoser Brillanz geht. Ihre technische Souveränität stellt Cathy Krier jederzeit in den Dienst der Gestaltung. So gelingt es ihr, Rameaus Musik ebenso farbenreich wie klar in den Konturen zu interpretieren.



Und bei Ligeti beeindruckt, wie sie die strenge Konstruktion der Kompositionen ganz selbstverständlich mit musikantischem Schwung zu verbinden weiß. Bemerkenswert.


Aus dem Werdegang einer jungen Pianistin
CD-Tipp Rameau - Ligeti: Jean-Philippe Rameau, Suite en Sol aus "Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin (1726/28); Gyorgy Ligeti, "Musica Ricercata" (1951 bis 1953); Jean-Philip pe Rameau, aus "Pièces de Clavecin en Concerts" (1741), La Dauphine (1747) - Cathy Krier, Klavier (CD CAvi 8553309)

Cathy Krier, 1985 in Luxemburg geboren, begann mit fünf Jahren ihr Klavierstudium am Luxemburger Konservatorium. Ab 1999 gehörte sie der Meisterklasse von Pavel Gililov an der Hochschule für Musik und Tanz Köln an. 2003 verliehen ihr die Jeunesses Musicales du Luxembourg den Prix Norbert Stelmes.

Karriere Ihre internationale Konzerttätigkeit führte Cathy Krier sowohl in die Vereinigten Staaten (Millennium Stage des Kennedy Center Washington) als auch in die Niederlande. Weitere Konzerte führten sie nach Österreich, Deutschland, Lettland, Spanien, Andorra, Italien, Frankreich und Belgien.

2008 erschien ihre erste CD mit Solowerken von Scarlatti, Haydn, Chopin, Dutilleux und Müllenbach. Ihre Einspielung der Klavierwerke von Leoš Janácek, im Jahr 2013 erschienen, wurde von der internationalen Presse für ihren Klangreichtum und ihre Originalität gelobt und mit mehreren Preisen bedacht. Cathy Krier wurde als "Rising Star" von der European Concert Hall Organisation (ECHO) für die Saison 2015/16 ausgewählt.


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