Coburg

Bargeld abschaffen? Was die Banken in Coburg davon halten

Ohne Bargeld gäbe es keine Überfälle auf Geldautomaten mehr, Banken und Händler könnten sich viel Sicherheitsaufwand sparen. Volkswirte kennen noch mehr Gründe, die für die Abschaffung des Bargelds sprechen. Was halten Coburger Banker davon?
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Laut einer Studie der Bundesbank wurden im Jahr 2014 rund 53 Prozent der Umsätze mit Waren und Dienstleistungen mit Bargeld beglichen. Doch immer wieder gibt es Forderungen, Bargeld ganz abzuschaffen. Foto: Jochen Berger
Laut einer Studie der Bundesbank wurden im Jahr 2014 rund 53 Prozent der Umsätze mit Waren und Dienstleistungen mit Bargeld beglichen. Doch immer wieder gibt es Forderungen, Bargeld ganz abzuschaffen. Foto: Jochen Berger
Miete oder Kreditrate werden abgebucht, das Zeitungsabo läuft per Dauerauftrag, im Supermarkt und an der Tankstelle zücken wir die EC-Karte, und in manchen Nahverkehrszügen kaufen die Kunden die Karten per App und zahlen auch gleich mit dem Handy.

Wer braucht da noch Bargeld? Diese Frage wird immer wieder in den Raum gestellt - im Sommer 2015 tat dies der Würzburger Wirtschaftsweise Peter Bofinger in einem Spiegel-Interview: Münzen und Scheine seien ein "Anachronismus", Bargeld begünstige Schwarzmarkt- und Drogengeschäfte. Außerdem lasse sich ohne Bargeld die Geldpolitik leichter durchsetzen. Denn wenn die Leute ihr Bargeld zuhause horten, dann laufen Strafzinsen ins Leere.

Doch so einfach dürfte das nicht werden, zumindest nicht in Deutschland. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutschen sich das Bargeld nehmen lassen", sagt zum Beispiel Karlheinz Kipke, Vorstand der VR-Bank Coburg. Seine Kollegen in den Sparkassen sehen die Situation ähnlich. "Der Deutsche ist vom Bargeld überzeugt, auch wenn die Statistiken zeigen, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr zunimmt", sagt Jana Lindner-Okrusch, Sprecherin der Sparkasse Coburg-Lichtenfels.

Dabei gäbe es aus Sicht der örtlichen Banken durchaus einen Grund, das Bargeld abzuschaffen - es ist nämlich sehr teuer, es vorzuhalten. Am Donnerstag meldete das Bundeskrimininalamt, dass 2015 insgesamt 132 Geldautomaten gesprengt wurden. "Bargeld vorhalten ist ein hochdefizitäres Geschäft, und das machen hauptsächlich die Sparkassen und Genossenschaftsbanken", sagt Lindner-Okrusch. Das Geld muss transportiert und gesichert werden, Sicherheitsvorkehrungen sind ständig zu überprüfen und zu verbessern. Was genau das die lokalen Institute kostet, können auf die Schnelle weder Bankvorstand Kipke noch Lindner-Okrusch sagen. "Wir bieten es weiterhin an, weil es die Kunden so wollen", betont die Sparkassen-Sprecherin.

Aber warum wollen es die Kunden? Jana Lindner-Okrusch vermutet, dass die Deutschen das Gefühl der Anonymität beim Geldausgeben schätzen. Oder, wie es Rüdiger von Berg sagt: "Bargeld ist ein Stück erarbeitete bürgerliche Freiheit, und keinen Dritten geht es etwas an, was man damit tut." Der ehemalige Vorstand der VR-Bank Coburg hat sich ebenfalls mit der Frage "Bargeld abschaffen" befasst und ist besorgt, dass es dazu kommt.

Schließlich gebe es schon Einschränkungen für die Verwendung von Bargeld. Etliche EU-Länder haben gesetzliche Höchstgrenzen für Bargeldzahlungen eingeführt (Griechenland 1500 Euro, Portugal 1000 Euro, Frankreich und Belgien 3000 Euro). Hinzu kommt, beispielsweise in skandinavischen Ländern, die Praxis: "In Schweden kann öffentliche Toiletten nur mit einem schwedischen Mobiltelefon bezahlen", sagt von Berg.

"In Skandinavien ist das aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte ganz anders organisiert", meint hingegen Karlheinz Kipke. Wo der Weg zur nächsten Bank weit sei, werde lieber auf Bargeld verzichtet. In Deutschland sei das anders. "Ich bin ein Fan von Bargeld."

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