Bad Rodach
Bahn

Bad Rodach: Es fehlt Geld für den Lückenschluss

Ministerien in Erfurt und München sehen kaum Chancen, dass eine Bahnlinie zwischen Bad Rodach (Landkreis Coburg) und Hildburghausen finanziert wird.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nix geht mehr: Ob die Bahnstrecke von Bad Rodach aus jemals in Richtung Thüringen ausgebaut wird, ist fraglich. Foto: Berthold Köhler
Nix geht mehr: Ob die Bahnstrecke von Bad Rodach aus jemals in Richtung Thüringen ausgebaut wird, ist fraglich. Foto: Berthold Köhler
Gute zehn Jahre nach dem Aufflammen der Diskussion über einen Bahn-Lückenschluss (damals noch zwischen Lautertal und Eisfeld) und gerade einmal sechs Monate vor Beginn des regelmäßigen Betriebs auf der ICE-Neubaustrecke steht schon mal so viel fest: Die Fahrgäste aus Südthüringen werden es auch mit dem Beginn des neuen Bahn-Zeitalters nicht leicht haben, den ICE-Halt in Coburg zu erreichen. Und so schnell wird sich das nicht ändern - davon jedenfalls gehen die Verkehrsministerien in Bayern und Thüringen aus.
Sowohl in Erfurt als auch in München wird auf Tageblatt-Nachfrage auf den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) für das Jahr 2030 verwiesen. Für diesen hatten beide Länder einen Lückenschluss vorgeschlagen, doch das Bundesverkehrsministerium sieht dafür wörtlich "keinen Bedarf". Deshalb geht das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft in Erfurt davon aus, dass "eine Finanzierung aus Bundesmitteln nicht erfolgen wird". Da hilft es auch nicht, dass Hans Michelbach (CSU) vor wenigen Wochen bei der Vorstellung der Zugfahrpläne für die Zeit nach dem 10. Dezember den Lückenschluss noch einmal auf die Tagesordnung schob. "Wir hätten den Bau dieser Strecke im Bundesverkehrswegeplan unterbringen können", sagte der Bundestagsabgeordnete damals. Pressesprecherin Kathrin Fändrich geht aus Sicht des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr von anderen Voraussetzungen aus. Sie teilt mit: "Für dieses Projekt, bei dem mit Investitionskosten von mehr als 100 Millionen Euro zu rechnen wäre, gibt es derzeit keine Finanzierungsperspektive."
Mehr als 100 Millionen Euro? Gerd Weibelzahl vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) befasst sich seit Jahren mit den Lückenschluss-Varianten. Er weiß, dass ein Abzweig bei Schweighof und eine Nordumfahrung von Bad Rodach (samt neuem Bahnhof) einmal mit 174 Millionen Baukosten angesetzt wurden. Da allerdings nicht mit eingerechnet seien die nicht unerheblichen Kosten, um die bestehende Bahnstrecke Coburg-Bad Rodach den modernen Anforderungen entsprechend auszubauen. Billiger, aber noch nicht einmal in Ansätzen geprüft, sei ein Abzweig an der Elsaer Mühle mit Bad Rodacher Nordumfahrung. Allerdings sieht der VCD-Sprecher bei dieser Variante das Problem, dass erhebliche Eingriffe in das Landschaftsbild der "Heldritter Schweiz" kaum zu vermeiden sein werden. Nichtsdestotrotz will der VCD am Thema "Lückenschluss" dranbleiben. Denn Weibelzahl und seine Mitstreiter sind überzeugt davon, dass ein Zubringer Richtung Coburg zum neuen Regionalexpress (RE) nach Nürnberg und den vereinzelt in Coburg haltenden ICE-Zügen große Bedeutung hätte: "Wenn der RE in Coburg gut genutzt wird und die sechs ICE-Züge auch mit rund 50 Einsteigern je Zug genutzt werden, dann verbessert sich die Situation." Vielleicht sogar so weit, dass Coburg den Bedarf an mehr Halten anmelden kann.
Hans Michelbach hat ohnehin das Gefühl, dass Thüringen dem Lückenschluss positiver gegenübersteht als Bayern. Dieser Eindruck verfestigt sich, wenn man die Stellungnahmen auf die Frage nach Problemen bei der Verwirklichung einer neuen Bahnstrecke sieht. Die Sprecherin des Erfurter Ministeriums krempelt zumindest symbolisch die Ärmel hoch: "Es liegt nun an den betroffenen Freistaaten Bayern und Thüringen, entsprechende Wege für eine Umsetzung und Finanzierung des Lückenschlusses zu finden."
Kathrin Fändrich (München) sieht Probleme beim Passagierpotenzial einer neuen Verbindung. Dieses liege nach einem Gutachten der Coburger IHK bei rund 700 Fahrgästen und damit weit unter der Mindestnachfrage von 1000, die der Bund - "zwingend", betont die Ministeriumssprecherin - als Kriterium für die Bereitstellung finanzieller Mittel festgelegt hat. Wohl genau deshalb gibt es seitens des Freistaates aktuell keine Pläne für weitere Termine oder Gespräche um den Neubau einer Strecke. "Auf fachlicher und politischer Ebene", wie es aus Erfurt heißt, stehe man zwischen München und Erfurt aber weiterhin in Kontakt.


Noch mal genau untersuchen

Die Ministerien und den VCD eint, dass sie als wichtigsten Schritt eine detaillierte Voruntersuchung sehen. Dort müssten Linienführung, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Wobei sich Gerd Weibelzahl dafür ausspricht, die Sache "ergebnisoffen" in Angriff zu nehmen und die eigentlich politisch aus der Diskussion genommene Trasse durch das Lautertal nicht zu vergessen. Auch dort sieht der Verkehrsclub nämlich eine Chance, für 140 Millionen Euro (inklusive zweier Tunnelbauwerke bei Oberlauter) den Lückenschluss ohne Eingriff in den Gebäudebestand zu verwirklichen.


Interview mit Bürgermeister Tobias Ehrlicher (Bad Rodach)

Als eine Stadt, die mit ihrer Therme touristisch ausgerichtet ist, könnte Bad Rodach von einem Bahn-Lückenschluss Richtung Südthüringen durchaus profitieren. Das meint auch Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD), für den die Verwirklichung des Projektes dennoch "keine einfache Sache" darstellt.

Wie steht die Stadt Bad Rodach zum Lückenschluss?
Tobias Ehrlicher: Es gibt einen Stadtratsbeschluss, in dem wir uns positiv zum Personenverkehr positionieren. Eine Sache will ich aber deutlich sagen: Mir wäre es lieber, wenn in diesem Punkt nicht ständig nur über Bad Rodach, sondern auch einmal mit Bad Rodach geredet würde. Es wird viel erzählt, aber nicht miteinander geredet. Das ging ja den Lautertalern bei ihrer Bahnlinie auch nicht anders.

Weil die Stadt in einigen Punkten auch Probleme sieht?
Die Suche nach der richtigen Strecke wird sicher nicht einfach. Klar ist: Solange der Bahnhof bleibt, wo er ist, kann die Sache nicht funktionieren. Das muss allen klar sein.

Wo liegen die Probleme, wenn die Trasse über den bestehenden Bahnhof hinaus verlängert würde?
Wir haben dort Wohnbebauung und Flächen zur Naherholung, die als FFH-Gebiet und für das "Grüne Band" unter Schutz stehen. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass wir mit einer Bahnlinie durch unser Naherholungsgebiet gehen.

Wo sehen Sie die größten Chancen für einen Lückenschluss?
Wir müssen schauen, dass wir um Bad Rodach herumkommen. Es gibt einen Korridor, der früher einmal für eine Umgehung im Raum stand. An diesem könnte man sich orientieren. Aber unproblematisch ist dieser Bereich auch nicht. Man müsste auch nahe an der "Heldritter Schweiz" vorbei.

Warum ist er es nicht?
Weil der Landverbrauch einer Bahntrasse enorm hoch ist. Im Bereich, der infrage kommen könnte, befinden sich wertvolle Flächen für unsere heimischen Landwirte. Außerdem wird dort mit der Ausweisung des Neubaugebietes am Heldritter Steig weitere Wohnbebauung stattfinden.

Wo sehen Sie die Chancen beim Lückenschluss?
Der Personenverkehr auf der Schiene ist für unseren Tourismus definitiv eine Chance. Mit dem Güterverkehr tue ich mir da schwer.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren