Coburg
Revision

BGH hebt Beiersdorf-Urteil auf: War es doch Mord?

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil im Beiersdorf-Mord auf. Eine Begründung dafür gibt es noch nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Tatort Beiersdorf: Was geschah wirklich in der Nacht als Wolfgang R. brutal erschlagen wurde? Foto: CT-Archiv
Tatort Beiersdorf: Was geschah wirklich in der Nacht als Wolfgang R. brutal erschlagen wurde? Foto: CT-Archiv
War der gewaltsame Tod von Wolfgang R. am 12. Dezember 2013 doch Mord? Die Staatsanwaltschaft Coburg jedenfalls ist dieser Meinung und legte deshalb Revision ein. Am Mittwoch hob der Bundesgerichtshof im Namen des Volkes das Urteil des Landgerichts Coburg vom 13. Februar diesen Jahres auf. Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts zurückverwiesen.

"Wir sind mit der rechtlichen Würdigung der Tat nicht zufrieden", begründete der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis die Entscheidung in Revision zu gehen.


Das Urteil

Die Erste Große Strafkammer hatte folgendes Urteil gefällt: Maria S., die Lebensgefährtin des 66-jährigen Opfers, und deren Noch-Ehemann Helmut S. erhielten Freiheitsstrafen von jeweils sieben Jahren. Die beiden Haupttäter, Paul K. und Peter G., die Wolfgang R. in seinem Haus in Beiersdorf zu Tode getreten und geschlagen hatten, müssen für jeweils dreizehneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die Anklage gegen die beiden Haupttäter und Maria S. hatte ursprünglich auf Mord beziehungsweise Anstiftung zum Mord gelautet. Nach zahlreichen Verhandlungstagen mit über 100 Zeugen war die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Mordmerkmale Habgier und Heimtücke nicht bestätigt hätten. Im Urteil ging sie deshalb "nur" noch von Totschlag und Körperverletzung aus.


Streitbare Entscheidung

Genau mit diesem Punkt hatte die Staatsanwaltschaft ein Problem. Richter Amend hatte die Entscheidung der Kammer sinngemäß damit begründet, dass Wolfgang R. nach dem ersten Schlag der beiden Täter noch gelebt hatte und deshalb vor dem tödlichen Schlag nicht mehr arglos gewesen sei - von Heimtücke könne man deshalb nicht ausgehen.

Dass man über diese Auslegung streiten könne, räumte Amend in seinem Urteilsspruch zwar ein, aber: "Wir sehen das eben so." Bei der Coburger Staatsanwaltschaft sah man das jedoch anders, denn laut Lohneis könnte man die Tat durchaus auch als "Verdeckungsmord" interpretieren. Geht man nämlich davon aus, dass Wolfgang R. die beiden Angreifer beim ersten Schlag erkannt hatte, hätten Peter G. und Paul K. ein plausibles Motiv, den 66-Jährigen zu töten und damit ihre Tat zu vertuschen.

Eine Begründung für das BGH-Urteil liegt noch nicht vor. Und laut Auskunft der Pressesprecherin Angela Haasters kann das auch bis zu fünf Monate dauern.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren