Rödental
Gesundheit

Awo-Heim in Rödental: Reinheitsgebot nicht nur für Bier

Wenn Krankheiten an der Ausbreitung gehindert werden sollen, muss jeder mithelfen. Das gilt vor allem in Krankenhäusern und Seniorenheimen.
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Johannes Weinfurter und Anke Fehlau erklären, wie das "Reinheitsgebot" im Seniorenheim umgesetzt werden muss. Foto: Rainer Lutz
Johannes Weinfurter und Anke Fehlau erklären, wie das "Reinheitsgebot" im Seniorenheim umgesetzt werden muss. Foto: Rainer Lutz
Es sind unsere Hände, mit denen wir Krankheitserreger weiter tragen. Von Hand zu Hand, über Türklinken oder Telefonhörer nehmen wir Bakterien auf und geben sie weiter, immer wieder. Das ist im Alltag meist kein großes Problem. In Krankenhäusern oder Seniorenheimen ist aber erhöhte Aufmerksamkeit geboten. "Handhygiene ist das A und O", betont Anke Fehlau, die im Seniorenheim der Awo in Rödental auch für die Hygiene zuständig ist.
Immer wieder steht bei der Diskussion der Methicilin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) im Mittelpunkt. Doch Anke Fehlau betont: "Die Bandbreite von Erregern ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden." Hatten Seniorenheime noch vor zehn Jahren kaum mit Plagen wie Kopfläusen oder Scabies (Krätze) zu tun, treten diese neuerdings immer wieder auf. Zu bekannten multiresistenten Erregern kommen immer neue hinzu. "Am meisten fürchten wir den Norovirus", sagt Anke Fehlau.
Der Magen-Darm-Virus zieht immer wieder in regelrechten Wellen über das Land. In Pflegeeinrichtungen ist dann erhöhte Alarmbereitschaft angesagt.
Dass immer mehr Erreger resistent werden gegen Antibiotika, hat auch mit dem Verhalten von Patienten zu tun, weiß Margit Welscher als Leiterin des Seniorenheims der Awo in Neustadt. "Viele bestehen beim Arzt schon bei geringfügigen Erkrankungen darauf, dass sie mit einem Antibiotikum behandelt werden", sagt sie. Der häufige Einsatz dieser Medikamente führe aber gerade dazu, dass Krankheitskeime "lernen" ihnen zu widerstehen. Wird ein Antibiotikum dann wirklich gebraucht, kann es unter Umständen nicht mehr wirken.
Für das Personal in den Senioreneinrichtungen gelten strenge Vorschriften zur Hygiene. Doch ganz so wie in einem Krankenhaus kann nicht verfahren werden. "Wir sind keine Klinik sondern ein Zuhause", bringt es Anke Fehlau auf den Punkt. Es könne den über 150 Bewohnern kaum zugemutet werden, dass sie ständig einen Mundschutz tragen, oder gar auf ihrem Zimmer bleiben, wenn sie etwa eine Erkältung haben.


Es gibt viel zu beachten

Es sind also zuerst die über 100 Mitarbeiter, die dafür Sorge tragen, dass es Krankheiten schwer haben, sich auszubreiten. So werden beispielsweise Putzlappen immer nur für ein Zimmer genutzt und dann mit dafür zertifizierten Mitteln gewaschen. Räume von erkrankten Bewohnern werden als letzte gereinigt, um keine Erreger weiter zu tragen. Und vor allem gilt es, immer wieder die Hände zu waschen und zu desinfizieren.
"Es gehört auch zur Selbstverantwortung der Mitarbeiter, sich zu beobachten und rechtzeitig zu handeln, wenn sie krank werden", betont Margit Welscher. Das bedeute auch, im Krankheitsfall nicht zur Arbeit zu kommen, damit Kollegen und Bewohner nicht angesteckt werden. Mit Fieber und triefender Nase zu arbeiten, sei falsch verstandenes Pflichtbewusstsein.
Der Aufwand in Sachen Hygiene lohnt sich, wie der Leiter des sozialen Dienstes im Rödentaler Awo-Seniorenheim, Johannes Weinfurter, feststellt. Infektionen könnten nie ganz ausgeschlossen werden. Doch es gelinge bisher in den allermeisten Fällen, sie auf wenige Betroffene zu begrenzen. Die Beachtung der Hygienevorkehrungen unterbreche recht zuverlässig die Infektionskette.


Verantwortung der Besucher

In der Pflicht sehen die Mitarbeiter aber auch die Angehörigen der Bewohner. Dringend appellieren sie, auf Besuche zu verzichten, wenn eine Erkrankung vorliegt, auch wenn der Betroffene die Symptome für eher gering hält. Denn was der Organismus eines gesunden Menschen noch gut wegstecken kann, ist möglicherweise für einen alten Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine gravierende Bedrohung. Wie jeder dazu beitragen kann, dass sich Krankheiten nicht ausbreiten, das wollen die Mitarbeiter möglichst vielen Gästen beim "Tag der offenen Tür" am 25. Juni zeigen.

Reinheitsgebot Für den "Tag der offenen Tür" hat das Seniorenheim der Awo in der Bürgermeister-Ferdinand-Fischer-Straße in Rödental diesmal das Motto "Reinheitsgebot - nicht nur beim Bier" ausgesucht. Am Samstag, 25. Juni, ab 11 Uhr, können sich Besucher ein Bild davon machen, wie Sauberkeit und Hygiene die Lebensqualität in der Einrichtung verbessern sollen. Hilfsmittel für die Hygienevorsorge werden vorgestellt, es gibt aber auch weniger ernste Programmpunkte wie den extra angelegten "Awo-Strand" mit einer Cocktail-Bar, kunstvolle Bauchtanzvorführungen oder den Besuch der "Resi", die mit richtigem Namen Viktoria Heil heißt und als Markenbotschafterin der Mitwitzer Franken Bräu das Awo-Seniorenheim besuchen wird.
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