Beiersdorf bei Coburg
Mord

Auftragsmord in Beiersdorf: Prozess beginnt am Mittwoch

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Maria S. hat Bekannte angestiftet, ihren Lebensgefährten umzubringen. Am Mittwoch beginnt der Prozess. Den vier Angeklagten droht "lebenslänglich".
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Das Haus von Wolfgang R. im Beiersdorfer Eichenweg: Hier wurde der 66-Jährige in der Nacht zum 12. Dezember 2013 vermutlich im Auftrag seiner Lebensgefährtin umgebracht. Foto: CT-Archiv
Das Haus von Wolfgang R. im Beiersdorfer Eichenweg: Hier wurde der 66-Jährige in der Nacht zum 12. Dezember 2013 vermutlich im Auftrag seiner Lebensgefährtin umgebracht. Foto: CT-Archiv
Wolfgang R. galt bei den Menschen, die ihn kannten, als höflicher, ruhiger Mensch. Viele Jahre gehörte er zum Orchester des Coburger Landestheaters, blies dort die Tuba. Dass der 66-Jährige nach seinem Ruhestand ausgerechnet ins Rotlichtmilieu eingestiegen war und im Kanonenweg Wohnungen an Prostituierte vermietete, erfuhren selbst viele enge Bekannte erst nach seinem gewaltsamen Tod in der Nacht zum 12. Dezember 2013.


Schneller Fahndungserfolg

Was genau in jener Nacht in Wolfgang R.s Wohnhaus im Beiersdorfer Eichenweg geschehen ist, wird der Prozess zeigen, der am kommenden Mittwoch am Coburger Landgericht beginnt. Fakt ist, die 42-jährige Lebensgefährtin des Opfers, Maria S., hat in den frühen Morgenstunden des 12. Dezember die Polizei alarmiert, nachdem sie Wolfgang R. tot in seinem Haus gefunden hatte. Relativ schnell gerät sie selbst in den Fokus der Ermittler. Keine zehn Tage nach der Tat verdichten sich die Anzeichen, dass die Schuldigen am Tod von Wolfgang R. gefunden sind: Maria S. und zwei Männer, die sie zum Mord angestiftet haben soll, werden festgenommen. Auch gegen den Ehemann der 42-Jährigen wird ermittelt.

Der 57-Jährige muss sich jetzt wegen Totschlags verantworten. Peter G. (45) und Paul K.(23) wird dagegen Mord vorgeworfen. Sie sollen Wolfgang R. im Auftrag seiner Lebensgefährtin derart brutal geschlagen und getreten haben, dass R. binnen kurzer Zeit an seinen Verletzungen starb.

Als Tatmotiv wirft die Staatsanwaltschaft Maria S. und ihren mutmaßlichen Helfern Habgier vor. Einige Zeit vor der Tat hatte Wolfgang R. der 42-Jährigen offenbar die finanzielle Unterstützung gestrichen. In Gesprächen mit den beiden Tätern soll es ihr immer wieder darum gegangen sein, dass man ihren Lebensgefährten aus dem Verkehr ziehen solle, damit sie sein "Geschäft" übernehmen könne. Eine Rolle spielten wohl auch 20 000 Euro aus dem Erbe des Opfers. Nicht zuletzt deshalb geht die Anklage sogar davon aus, dass der Tod des 66-Jährigen wenige Stunden vor der Tat bereits beschlossene Sache war.

109 Zeugen sind für die zunächst angesetzten vier Verhandlungstage geladen. Bei einer Verurteilung drohen allen vier Angeklagten lebenslange Haftstrafen. Der Prozess beginnt am Mittwoch, 26. November, um 9 Uhr am Coburger Landgericht.


Die Chronologie eines Verbrechens

12. Dezember 2013 Polizeibeamte sichern seit den frühen Morgenstunden das Gelände rund um das Haus im Beiersdorfer Eichenweg. Staatsanwaltschaft, Kriminaldauerdienst und Spurensicherung sind vor Ort. Die Sonderkommission "Eiche" (angelehnt an die Adresse) wird ins Leben gerufen. Die Obduktion des Toten in der Rechtsmedizin Erlangen wird abgebrochen und am nächsten Tag fortgesetzt.

13. Dezember 2013 Das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Coburg teilen mit, dass Wolfgang R. einem Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen ist. Der 66-Jährige sei durch "stumpfe Gewalteinwirkung" gestorben. Es gibt Hinweise auf Kontakte zum Rotlichmilieu. R. soll einen bordellähnlichen Betrieb in Coburg geführt haben. Die Polizei verhört zahlreiche Personen aus dem Umfeld des Toten und sucht weiter nach Spuren.

23. Dezember 2013 Einen Tag vor Heiligabend melden Polizei und Staatsanwaltschaft einen Fahndungserfolg: drei Tatverdächtige wurden festgenommen: die Lebensgefährtin des Opfers und zwei Angehörige der Coburger Rockerszene.

23. September 2014 Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Maria S. ihre beiden mutmaßlichen Helfer und ihren (getrennten) Ehemann. Der Prozess wird auf Ende November terminiert. Vier Verhandlungstage sind zunächst angesetzt, 109 Zeugen sollen Licht in den gewaltsamen Tod von Wolfgang R. bringen. uso

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