Bad Rodach
Landwirtschaft

Auf dem Knauf-Hof in Elsa ist alles bio

Die "Sache mit dem Öko-Landbau" stellte der Bioland-Verband auf dem Hof von Armin Knauf in Elsa vor. Er war einer der ersten in der Region, der einen Hof auf "Bio" umstellte und hat es bis heute nicht bereut.
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Armin Knauf beim Fachsimpeln am Feldesrand mit seinen Bioland-Kollegen. Fotos: Gabi Bertram
Armin Knauf beim Fachsimpeln am Feldesrand mit seinen Bioland-Kollegen. Fotos: Gabi Bertram
Der Bioland-Verband Oberfranken hatte am Samstag zum Bioland-Tag auf den Hof von Armin Knauf in Elsa eingeladen: Biolandwirte und Interessenten, die von konventioneller auf Biolandwirtschaft umstellen wollen, trafen sich zum Fachgespräch.
Die Pflanzen stehen trotz der sengenden Hitze gut im Feld. Mit einer durchdachten Fruchtfolge und ökologischer Bodenwirtschaft, sagt Armin Knauf, können solche Hitzeperioden überstanden werden. Aber, auch das räumt er ein, Hitze und Trockenheit treffen alle, und für manche Pflanzen sei das dramatisch, auch wenn der Standort rund um Elsa in einer Senke die Feuchtigkeit noch ganz gut hält. Drei Ökobetriebe gibt es in dem kleinen Ort, dazu acht konventionell wirtschaftende Landwirte.
Armin Knauf, studierter Agrarwissenschaftler, gehört zu den Pionieren im ökologischen Landbau in Oberfranken.
Schon 1979 hat er sich mit seiner Frau Karin für "Bio" entschieden und setzt auf eine weit gestellte Fruchtfolge, auf schonende Bodenbearbeitung, gezielte Beikrautregulierung, Mischfruchtanbau und Untersaaten.
Die Vielfalt an Beikräutern, wie Phacelia, Buchweizen, Senf oder verschiedene Kleearten, erklärt Knauf, würde nach der Ernte eingemulcht und bildet den natürlichen Gründünger fürs Land. Rund 90 Hektar bewirtschaften die Knaufs, haben sich den alten Getreidearten und Getreidespezialitäten, wie Emmer, Einkorn, Grünkern, Nackthafer und -gerste oder Dinkel verschrieben.
Ein Familienbetrieb ist es, in den Sohn Hannes längst eingestiegen ist, der die Philosophie seiner Eltern fortsetzt. Knauf selbst nennt sich einen "Überzeugungstäter" im Dienste der Natur, weil "die Natur die besseren Mechanismen hat". Und so probiert er Neues aus und ist immer wieder zutiefst beeindruckt, "wie einfach es die Natur einem macht, Landwirtschaft zu betreiben".

Hanfanbau - noch ein Versuch

Vor zwei Jahren schon einmal hatten die Knaufs einen Versuch unternommen, Hanf anzubauen, nicht fürs "Tütchen", sondern als vielfältig verwertbare Ackerpflanze ohne den berauschenden Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). Fast, erzählt Knauf, hätte er mit der hartfasrigen Pflanze seinen Mähdrescher geschreddert. Aber so leicht lässt sich der Bioland-Bauer nicht entmutigen. Heuer stehen auf neun Hektar wieder meterhohe Hanfpflanzen, übrigens eine Idee seiner Frau Karin, die nicht locker ließ.

Pflanze als Dämmstoff

Der Hanf wird zu Dämmstoffen verarbeitet. Dazu werden die Fasern getrocknet und gepresst. Die Rinde wird zerschreddert und als Einstreu benutzt. Die Körner werden über den Knauf'schen Online-Shop vertrieben. Vielleicht, sagt Karin Knauf, finden sich Mühlen, die Hanföl herstellen. Für die Ernte lässt Knauf eine Spezialmaschine aus Baden-Württemberg kommen, die in zwei Stufen abschneidet.
Auch Heiko Opitz vom Ökohof Opitz aus Elsa, ist Biolandwirt. Er bewirtschaftet 120 Hektar, hat auch Dinkel, Einkorn, Ackerbohnen und Erbsen auf dem Feld. Uwe Scheler aus Elsa arbeitet im Nebenerwerb und hat zwölf Hektar. Sein Vater Horst Scheler war einst konventioneller Landwirt, hat aber 1989 umgestellt und sagt heute: "Das war eine gute Entscheidung." Und der "Urauftrag" des Bauern, so sehen es nicht nur Armin und Karin Knauf, sondern auch die rund 20 Biolandwirte aus Oberfranken, die am Samstag nach Elsa gekommen waren. Darunter Volker Ritz aus Kleinwalbur, Udo Heldt von der Bioland-Gruppe Coburg, Kronach, Lichtenfels, oder Andreas Schwab, Bioland-Berater - und auch Tobias Reblitz, der junge Landwirtschaftsmeister aus Herreth, der noch konventionell wirtschaftet, aber sich durchaus mit Überlegungen zum Biolandbau trägt.

Knapp 300 Ökobetriebe

In den drei Landkreisen Coburg, Kronach und Lichtenfels, sagt Andreas Schwab, gibt es 68 Bioland-Betriebe, in ganz Oberfranken wohl knapp 300. Ökobetriebe, so Schwab, würden mindestens ebenso rentabel wirtschaften, wie ihre konventionellen Pendants. Aber Ökolandbau, das betont Knauf immer wieder, sei keine Frage des Gewinns, sondern eine Überzeugungsfrage. Es gehe um nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur.
Winterroggen und Wintererbsen stehen draußen auf einem der Felder, eine Mischfruchtfolge, die - sagt Knauf - sich gegenseitig ergänzt: "Roggen ist ein idealer Begleiter für die Wintererbse, und die kann ihrerseits die Winterfeuchte besser ausnutzen. Der Dinkel steht gut und der Hanf ohnehin. Zu den Weizenversuchsfeldern führt Knauf seine Bioland-Kollegen, wo Sorten wie Achat, Capo oder Landknecht im Feld stehen. Viel wird an diesem Nachmittag gefachsimpelt, und Knauf verabschiedet sich auch zwischendurch mal kurz.

In der Sorge vereint

Das Heu muss rein, bevor vielleicht ein Gewitterguss kommt. Jeder der Biolandwirte hofft,- und das vereint sie wieder mit ihren konventionell wirtschaftenden Nachbarn, dass trotz Trockenheit die Ertragseinbußen in Grenzen bleiben, und "dass wir bei der Ernte dann auch trockenes Wetter haben und nicht auf den Feldern absaufen."



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