Coburg
Bauvorhaben

Anwohner des Brockardt-Areals sind skeptisch

Die Edeka- Unternehmensgruppe stellte ihr Vorhaben auf der Industriebrache am Kanonenweg vor. Das stieß bei den Anwohnern nicht nur auf Begeisterung.
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Dieses Archivbild zeigt den Zustand des sogenannten Brockardt-Geländes im Jahr 2007  Foto: Volkmar Franke / www.hochbild-design.de
Dieses Archivbild zeigt den Zustand des sogenannten Brockardt-Geländes im Jahr 2007 Foto: Volkmar Franke / www.hochbild-design.de
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Die gute Nachricht: Das seit dem Jahr 2000 brachliegende Gelände des früheren Betonwerkes Brockardt und des ehemaligen Milchhofs am Kanonenweg wird bebaut. Die Edeka-Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen will dort einen Einkaufsmarkt sowie ein Studenten- und ein Seniorenwohnheim errichten. Im Kernbereich ist Wohnbebauung geplant - es entsteht dort ein kleiner neuer Stadtteil.


Verkehrschaos befürchtet

Das wird Auswirkungen auf die Anwohner, vor allem im Kalenderweg und in der Scharnhorststraße, haben. Dort lösen die Baupläne Skepsis und zum Teil auch Ablehnung aus. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend im Kongresshaus Rosengarten deutlich. Die Eigentümer der Nachbargrundstücke befürchten ein Verkehrschaos im Kalenderweg. Von dort wird eine Erschließungsstraße ins Wohngebiet führen. Außerdem haben sie Bedenken, dass der Rottenbach, der verlegt werden soll, zu nah an ihre Häuser herankommt.
Zunächst erläuterte Edeka-Regionalleiter Stephan Köhler aber, was konkret geplant ist auf dem 3,8 Hektar großen Areal. Eine Voruntersuchung habe ergeben, dass sich im Boden noch Altlasten befinden, die beseitigt werden müssen. "Wir werden einige Tausend Kubikmeter Boden herausschaffen müssen", sagte er. Zudem soll der Rottenbach, der über das Gelände fließt und derzeit noch einbetoniert ist, renaturiert und an die östliche Begrenzung des Grundstücks verlegt werden. Und hier setzte die erste Kritik der unmittelbar betroffenen Anwohner ein. Sie befürchten, dass vor allem bei starken Niederschlägen das Wasser auf ihre Grundstücke drückt. Matthias Köhler, verantwortlich für das hydraulische Gutachten, stellte dem entgegen, das Wasserwirtschaftsamt habe den Plan für gut befunden und keine Bedenken geäußert. Außerdem werde die Renaturierung zusammen mit dem bereits vorhandenen Rückhaltebecken den Wasserdurchfluss drosseln und die Situation entschärfen.
Ein anderer Diskussionspunkt war die Bebauung und ihre Konsequenzen für den Verkehr. Da ist zum einen der Edeka-Markt mit rund 2600 Quadratmetern Verkaufsfläche, einem Backshop mit Freisitzfläche und den dazugehörigen Stellplätzen. Zusätzlich ist ein Parkhaus auf dem Gelände des ehemaligen Milchhofs mit 300 Parkplätzen vorgesehen. Die Erschließung erfolgt über den Kanonenweg. Auf dem gesamten Gelände wird es Fuß- und Radwege geben.


130 Wohneinheiten

Die Zufahrt zum nördlichen Teil des Wohngebietes mit etwa 130 angestrebten Wohneinheiten sowie zum Senioren- und Studentenwohnheim ist vom Kalenderweg aus geplant. Dagegen gab es den größten Widerstand. Zumal eine Verkehrsprognose für das Jahr 2020, vorgestellt von Peter Knieling, in Spitzenzeiten am Vormittag und Nachmittag etwa eine Verdoppelung des Verkehrsaufkommens sowohl im Kanonenweg als auch im Kalenderweg voraussagt. "Wir kommen jetzt schon kaum noch aus unseren Grundstücken heraus, wenn sich die Autos am Bahnübergang stauen", stellte eine Anwohnerin fest. Und eine andere verwies darauf, dass der Kalenderweg bereits heute halbseitig zugeparkt sei und es mitunter schwierig ist voranzukommen. "Wir haben jetzt manchmal schon Chaos. Wie soll das dann erst werden?"


Pläne liegen öffentlich aus

Joachim Träger vom Stadtplanungsamt wies darauf hin, dass die Pläne seit vier Wochen und noch bis zum 9. September im Ämtergebäude öffentlich ausliegen. "Dort kann man seine Bedenken äußern und seine Stellungnahme abgeben." Auch auf der Homepage der Stadt unter Bürgerservice/Veröffentlichungen oder im Baublog sind die Pläne einsehbar. "Alles wird dann im Bau- und Umweltsenat besprochen und nichts unter den Tisch gekehrt."

Welche Lärmbelastung auf die Bewohner der Nachbargrundstücke und der neuen Wohngebäude zukommen, erläuterte Georg Witt vom zuständigen Ingenieurbüro. Dabei seien sowohl die Belastungen durch das Gewerbe, das Parkhaus, den Erschließungsverkehr als auch die Bahnlinie im nördlichen Bereich unter die Lupe genommen worden. Das Ergebnis: Sowohl das Senioren- als auch das Studentenwohnheim werden, da sie entlang der Bahnlinie entstehen, relativ hohen Lämbelästigungen ausgesetzt sein. Hier müsse baulicherseits für Schallschutz gesorgt werden. Weil beide Gebäude vier- bis fünfstöckig geplant seien, taugten sie ihrerseits als Lärmbarriere für die restliche Wohnbebauung und die Anwohner der bereits bestehenden Grundstücke. Die Fassade des ansonsten offen geplanten Parkhauses wird aus Gründen des Schallschutzes zu den Wohnungen hin geschlossen. Insgesamt habe die Untersuchung zur Lämbelastung ergeben, dass sogar in Spitzenzeiten die Vorgaben der Bundesimmissionsschutzverordnung nicht überschritten werden, stellte Georg Witt fest.
In der anschließenden Diskussion ging es noch um die Zukunft des alten Edeka-Gebäudes am Floßanger, das nach dem Umzug an den Kanonenweg leerstehen wird. "Darüber kann ich nichts sagen. Wir sind dort nur Mieter", erläuterte Stephan Köhler. Dem Vorschlag, den Rottenbach doch ins Gebiet nördlich der Bahnlinie zu verlegen, musste Joachim Träger eine Absage erteilen. "Dort liegen zu viele Leitungen. Das würde ein Millionenprojekt." Schließlich kündigte der Edeka-Regionalleiter auf eine entsprechende Frage an, dass voraussichtlich 2017 mit dem Abriss der alten Gebäude auf dem Brockardt-Areal und mit der Erschließung begonnen werde.


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