Seßlach
Beschluss

Alte Pappeln sollen in Seßlach gefällt werden

Zur Verkehrssicherung müssen neun Pappeln gefällt werden. Damit verschwindet eine der letzten Pappelalleen im Landkreis.
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Das Schicksal dieser Pappeln im Zentweg wurde bei einer routinemäßigen Kontrolle besiegelt: Sie sind aus Gründen der Verkehrssicherheit zu fällen. Foto: Bettina Knauth
Das Schicksal dieser Pappeln im Zentweg wurde bei einer routinemäßigen Kontrolle besiegelt: Sie sind aus Gründen der Verkehrssicherheit zu fällen. Foto: Bettina Knauth
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"Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Bäume zu fällen!": Schlechte Nachrichten hatte Bürgermeister Martin Mittag (CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung für Liebhaber alter Bäume. Bei einer Routinekontrolle wurde festgestellt, dass sowohl vier Pappeln der Baumallee vom Rothenberger Tor Richtung Bauhof (hinter der alten Rodachbrücke) als auch fünf Pappeln im Zentweg (unterhalb des Geiersbergs) sofort gefällt werden müssen, weil ihr maroder Zustand die Verkehrssicherheit gefährdet.

Die gravierenden Schäden seien von außen nicht zu erkennen gewesen, bestätigte Geschäftsleiter Bernd Vogt: "Ihr Stamm ist komplett hohl, die Bäume müssen definitiv weg!" Da auch die verbleibenden Bäume an der Rothenberger Allee "allesamt schadhaft sind und enorm viel Totholz aufweisen", empfahl Vogt, im Oktober die restlichen Pappeln ebenfalls zu fällen, statt dort Pflegeschnitte vorzunehmen, die "teilweise nur noch die Stämme übrig lassen würden". Eine frühere Fällung sei aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt.


Kreis und Stadt teilen sich die Kosten

Weil der Straßenabschnitt über die beiden Rodachbrücken noch Kreisstraße ist, teilen sich Landkreis und die Stadt Seßlach die Kosten. Auch am Zentweg besteht Handlungsbedarf, weil es sich um eine Hauptverkehrsstraße handelt und eine Scheune gefährdet ist. Die Untere Naturschutzbehörde habe bereits grünes Licht zum Fällen der fünf Bäume gegeben. Der Stadtrat stimmte beiden Beschlüssen einstimmig zu. Im Herbst sollen an beiden Stellen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden.

Für zwei neue Freiflächen-Photovoltaikanlagen hat der Stadtrat am Dienstagabend den Weg geebnet. Sie sollen auf "Ackerflächen im benachteiligten Gebiet" in Lechenroth und Seßlach entstehen. Die IBC Solar AG (Bad Staffelstein) möchte die Anlagen realisieren und sich bei der Bundesnetzagentur um Förderung bewerben. Das dazu notwendige Bauleitverfahren leitete das Gremium nun ein. Wie Oliver Partheymüller von IBC Solar erläuterte, ermöglicht das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) 2017 den Ländern seit Anfang des Jahres, Solaranlagen auch auf Acker- und Grünlandflächen zu genehmigen. In Bayern sind 13 Standorte vorgesehen. Zwei davon könnten in Seßlach umgesetzt werden.


"An den Tourismus denken"

Während der auf Flurstück Nummer 112 geplante "Solarpark Lechenroth" mit 2,2 Hektar und einer Nennleistung von maximal 1,5 Megawatt bei zwei Gegenstimmen rasch die Zustimmung fand, diskutierten die Stadträte den "Solarpark Seßlach" (Flurstück Nummer 2015, Flur 479) mit 6,63 Hektar und einer Nennleistung von bis zu fünf Megawatt kontrovers. "Sind wir uns der Tragweite der Seßlacher Anlage bewusst?", fragte Uwe Siegel (FW). Er sei nicht gegen Photovoltaik, betonte der Hattersdorfer, doch bevorzuge er aus "Angst vor einem kompletten Flächenteppich über Seßlach" die Ausweisung von Vorrangflächen. Ähnlich sah es Manfred Eichler (CSU), der auch mit Blick auf das "Standbein Tourismus" vor einer Konzentration der Flächen warnte. Sein Fraktionskollege Wolfgang Pfister widersprach: "Die Photovoltaik-Anlagen sind mir als Beitrag zur Energiewende hundertmal lieber als die vier hässlichen Windräder dort oben auf dem Berg." Schließlich votierte der Stadtrat mit der knappen Mehrheit von neun zu sieben Stimmen auch für den zweiten Solarpark.

Für beide Projekte hat IBC Solar die Gestattungsverträge mit den Eigentümern bereits geschlossen. Neuland betritt das Unternehmen beim "Solarpark Lechenroth": Hier soll der Strom in der nahegelegenen Biogasanlage zwischengespeichert werden. "Das haben wir so noch nicht gebaut", sagte Partheymüller. Als Baubeginn ist der Januar 2018 geplant; im März 2018 könnten die Anlagen ans Netz gehen. Die Stadt kann pro Anlage mit einer Gewerbesteuer von 1500 Euro pro Jahr rechnen.


Moderate Beiträge

Mit Schreiben vom 9. März 2017 verpflichtete das Coburger Landratsamt alle Landkreiskommunen dazu, die Straßenausbaubeitragssatzung (SABS) einzuführen. Wie kann diese Verpflichtung in Seßlach umgesetzt werden? Die Verwaltung wird dazu eine Diskussionsgrundlage erstellen, mit der sich zunächst der Hauptverwaltungsausschuss befassen und einen Beschlussvorschlag für den Stadtrat erarbeiten soll. Dieses Prozedere wurde vom Gremium einstimmig gebilligt. Angestrebt werde eine "möglichst bürgerfreundliche Lösung", sagte Mittag. Bis das "Arbeitspapier" vorliegt und ein Beschluss gefällt werden kann, seien sicherlich viele Sitzungen vonnöten. Der 1. Januar 2018 als geplanter Einführungstermin sei schon wegen der notwendigen juristischen Beratung "flächendeckend kaum einhaltbar", meinte der Rathauschef. Noch stehe nicht einmal fest, ob und wie weit gegebenenfalls die Einführung der SABS rückwirkend vorgenommen werden solle. Mittag betonte: "Wenn wir nicht müssen, werden wir keinen Tag rückwirkend einführen."
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