Coburg
Zeitgeschichte

Alles andere als "alte Schinken"

Die Maler-, Tüncher- und Lackiererinnung Coburg überlässt dem Staatsarchiv eine Reihe historischer Dokumente.
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Johannes Haslauer (Mitte) gibt Hans-Karl Bauer, Kreishandwerksmeister Jens Beland, Hugo Thauer und Innungsobermeister Hugo Schamberger (von links) Erläuterungen zu den historischen Büchern. Foto: Ulrike Nauer
Johannes Haslauer (Mitte) gibt Hans-Karl Bauer, Kreishandwerksmeister Jens Beland, Hugo Thauer und Innungsobermeister Hugo Schamberger (von links) Erläuterungen zu den historischen Büchern. Foto: Ulrike Nauer
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Es klingt schon ein wenig geheimnisvoll, denn wie genau die drei historischen Bücher samt Siegel vor einigen Jahren bei der Innungsversammlung der Coburger Maler, Tüncher und Lackierer landeten, kann Hugo Thauer gar nicht sagen. "Sie kamen von unbekannter Seite, mit der Bitte um Aufbewahrung bei der Innung", erinnert sich der einstige Innungsobermeister, heute Ehrenpräsident der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken. "Wir haben zwar nachgeforscht, konnten aber die Herkunft nicht ermitteln."

Dass die Dokumente - das Meister- und das Gesellenbuch sowie die von den Herzögen Christian Ernst und Franz Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld am 12. Juli 1745 erlassene Innungsordnung mit großem Wachssiegel - einen gewissen Wert darstellten, sei schnell klar gewesen, sagt Hugo Thauer. Einige Jahre bewahrte die Innung die Dokumente auch selbst auf, doch nun, so fanden die Verantwortlichen, sei es an der Zeit, die wertvollen Schriften dorthin zu bringen, wo sie altersgerecht und fachmännisch konserviert werden können: ins Coburger Staatsarchiv.

Der Inhalt der Bücher liefert einen interessanten Überblick, wie das Handwerk im 18. Jahrhundert organisiert war: "Man erkennt, dass damals schon extremer Regelungsbedarf bestanden hat", berichtete der Leiter des Staatsarchivs, Johannes Haslauer, bei der Übergabe am Montag. "Da geht es zum Beispiel darum, wann die Innung zusammentritt oder wie Aufträge von Bauherren vergeben werden." Aber es finden sich auch Vorschriften, die heute eher zum Schmunzeln verleiten: "Gesellen sollen Bauherren nicht durch zu viele Wirtshausbesuche schädigen."

Die Bücher setzten im Jahr 1715 ein, erläuterte der Archivleiter. "Bis dahin waren die Tüncher und die Ziegeldecker gemeinsam in einer Innung organisiert, dann beschlossen sie, getrennte Wege zu gehen."


Appell an alle Innungen

Haslauer freute sich über die Neuzugänge, denn es sei immer ein ganz besonderer Moment, wenn das Staatsarchiv solche Archivalien erhalte. Schließlich sei es nicht alltäglich, so alte historische Dokumente zu bekommen. Das Staatsarchiv Coburg ist gemäß dem Bayerischen Archivgesetz für die dauerhafte Aufbewahrung von archivwürdigen Unterlagen der Körperschaften des öffentlichen Rechts zuständig. Dazu gehören auch die im Sprengel ansässigen Handwerkerinnungen.

"Diese Dokumente reihen sich in einen stattlichen Bestand an ganz ähnlichen Papieren ein", sagte Haslauer. "Im Fundbuch kann man das ganze Spektrum sehen - alles, was sich handwerklich in einer mittelalterlichen Stadt abgespielt hat." Aufgeführt sind dort etwa die Büttner, Drechsler, Müller, Wagner und Kupferschmiede. "Von den Tünchern hatten wir bisher noch nichts."

Diesen Umstand nutzten Haslauer und Hans-Karl Bauer, der die HWK Oberfranken in Coburg leitet, für einen Aufruf: Sie bitten alle Innungen, einen Blick in ihre eigenen Archive zu werfen. "Da werden vielleicht manche Sachen von einer Ecke in die andere geschoben, ohne zu wissen, dass das keine alten Schinken sind, sondern wahre Schätze", appellierte Bauer. Dabei seien bei weitem nicht nur weit zurückliegende Jahrhunderte interessant, wie Haslauer betonte. "Auch das 20. Jahrhundert ist schon Geschichte und ehe jemand ein Blatt Papier wegwirft, soll er sich lieber erst einmal an uns wenden."
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