Heilgersdorf

Alle wollen das Schloss in Heilgersdorf behalten

Beim Sommerfest der Seßlacher Freien Wähler plädierten Vereinsvertreter für einen Erhalt des Wahrzeichens - und gegen einen Verkauf.
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Beim Sommerfest der Freien Wählergruppe "Bürgerblock" Seßlach ging es am vergangenen Freitag um die Zukunft des Heilgersdorfer Schlosses. In der von Jürgen Schramm (rechts) und Pfarrer Tobias Knötig (links) geführten Diskussion sprachen sich viele Vereinsvertreter wie Erwin Steinert (Bildmitte) vehement dafür aus, das Schloss für die Dorfgemeinschaft zu erhalten. Foto: Bettina Knauth
Beim Sommerfest der Freien Wählergruppe "Bürgerblock" Seßlach ging es am vergangenen Freitag um die Zukunft des Heilgersdorfer Schlosses. In der von Jürgen Schramm (rechts) und Pfarrer Tobias Knötig (links) geführten Diskussion sprachen sich viele Vereinsvertreter wie Erwin Steinert (Bildmitte) vehement dafür aus, das Schloss für die Dorfgemeinschaft zu erhalten. Foto: Bettina Knauth
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Ihr Schloss liegt den Heilgersdorfern sehr am Herzen. Das wurde beim Sommerfest der Freien Wählergruppe "Bürgerblock" Seßlach am vergangenen Freitag im Schlosshof deutlich. Die Freien Wähler hatten alle Interessierten eingeladen, um gemeinsam über die Zukunft des Barockbaus zu reden. Die Immobilie im Besitz der Stadt Seßlach muss dringend saniert werden, doch fehlt es bisher ebenso an einem Finanzierungs- wie an einem Nutzungskonzept.

"Das Schloss prägt unser Dorfbild", betonte Moderator Jürgen Schramm zu Beginn, "deshalb gehören das Schloss und Heilgersdorf einfach zusammen." Adam Heinrich Gottlob Posthumus von Lichtenstein ließ das Schloss nach Versailler Vorbild ab 1716 in Heilgersdorf vom Seßlacher Baumeister Hans Georg Salb errichten.
Pfarrer Tobias Knötig sagte: "Man kommt an diesem Schloss nicht vorbei!" Auch Kirche und Schloss gehören für ihn "aufs Engste zusammen", fanden doch
während des Baus der Kirche die Gottesdienste im Schloss statt.
Mit Blick auf die Vereine, die das Schloss derzeit nutzen, erteilte Knötig einem möglichen Verkauf des Schlosses eine klare Absage: "Es ist mir wichtig, dass es nicht nur saniert, sondern dass es fürs Dorf und die Dorfgemeinschaft erhalten bleibt." Die Stadt Seßlach zieht wegen der hohen Renovierungskosten einen Verkauf in Betracht.
Für Experten vom Landesamt für Denkmalpflege stelle sich die geschützte Immobilie "alles andere als hoffnungslos" dar, berichtete Schramm: "Es handelt sich keineswegs um eine Ruine."

Nun müssten die Heilgersdorfer auch zeigen, wie sehr sie hinter dem Schloss stehen, eröffnete der frühere FW-Vorsitzende die Diskussion. "Wir Schützen wünschen uns, das Schloss zu erhalten", meldete sich der Ehrenvorsitzende Erwin Steinert zu Wort. Gerade der Schützenverein sei mit dem Bau sehr eng verwurzelt und nutze den dortigen Schießstand regelmäßig. "Was irgend möglich war, haben wir erhalten", fügte seine Frau Hella hinzu. Nun seien grundlegende Sanierungsarbeiten nötig.

Die Wohnungen könnten mit Zuschüssen auf Vordermann gebracht, die nötigen Kosten über Mieten wieder reingeholt werden, schlug Stadtrat Ralf Würstlein (FW) vor. Wegen des aktuellen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum sieht auch der frühere Bürgermeister Hendrik Dressel in der Schaffung von Mietwohnungen "die besten Möglichkeiten, Fördertöpfe abzugreifen". Schramm hat sich über mögliche Geldgeber bereits informiert und hält eine Förderung von 80 oder 90 Prozent für denkbar. Hier eventuell auch Flüchtlinge unterzubringen, darin sieht der Heilgersdorfer kein Problem. Er erinnerte: "Schon nach dem Zweiten Weltkrieg haben hier Flüchtlinge gewohnt." Weitere museale Einrichtungen, das zeige die soeben beschlossene Kooperation zwischen Ahorn und Neustadt, könne der Landkreis nicht mehr tragen, stellte Dressel auf Nachfrage klar.

Ein intaktes, bewohntes und von den Vereinen genutztes Schloss wünscht sich Stadträtin Gudrun Jöchner. Sie schloss aber auch andere Möglichkeiten, etwa ein (Fach-)Ärztezentrum, eine Außenstelle der Diakonie oder betreutes Wohnen nicht aus.

Für den Tourismus spielt das Schloss ebenfalls eine wichtige Rolle. "Eine Woche kann man in Seßlach allein nicht rumbringen", drückte es der Pfarrer aus, mit den Sehenswürdigkeiten in den Stadtteilen jedoch schon. Dressel erinnerte an das "unglaublich interessante Dachgeschoss" und stellte sich dort, ebenso im Schlosshof, kulturelle Events vor. Auch die Kirchweih sei in diesem Ambiente wieder aufgelebt, meinte Schramm.
Wolfgang Schott führte anschließend in den Barockbau und erläuterte die Besonderheiten des kunsthistorischen Juwels. Solche dreiflügeligen Anlagen, noch dazu mit einem so eigenwilligen Mansarddach, fänden sich nur wenige in Franken.

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