Coburg
Schimmelpilz

Ärger wegen Schimmels in der Wohnung

In der Wohnung ist Schimmel, den Mietern wird gekündigt. Die Vermieter bleiben wohl auf ihren Kosten sitzen. Wie ist dieses Dilemma zu lösen?
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Feuchtigkeit in der Wohnung hat zu massivem Schimmelbefall geführt. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wurde Wäsche in der Wohnung gewaschen und getrocknet, aber nicht gelüftet. Jetzt hat der Vermieter einer vierköpfigen Familie aus Syrien gekündigt. Foto: Christoph Winter
Feuchtigkeit in der Wohnung hat zu massivem Schimmelbefall geführt. Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wurde Wäsche in der Wohnung gewaschen und getrocknet, aber nicht gelüftet. Jetzt hat der Vermieter einer vierköpfigen Familie aus Syrien gekündigt. Foto: Christoph Winter
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Die Luft ist muffig und feucht. Es ist ein Gefühl, wie gegen eine Wand zu laufen beim Betreten des Zimmers. In den Ecken unter der Decke ist die Wand von schwarzen Schimmelflecken überzogen. Die Tapete, völlig durchfeuchtet, hält nicht mehr an der Wand. Auch auf der Rückseite von Schränken ist der mikrobielle Befall zu sehen. Das Holz des massiven Schranks hat sich verzogen und ist aufgequollen - die Schubfächer lassen sich nur noch mit Mühe herausziehen.

Im September ist eine vierköpfige Familie nach der Flucht aus Syrien, nach dem Leben in der Notunterkunft und im Obdachlosenasyl der Stadt Coburg in eine Wohnung im Landkreis eingezogen. Zusammen mit den beiden Kleinkindern - eines ist noch kein Jahr alt - leben Vater und Mutter in der Vierzimmer-Wohnung.


Wäsche nicht in großen Töpfen in der Wohnung waschen

Zwei Monate später, im November des vergangenen Jahres, hat das Vermieterehepaar zum ersten Mal mit der Familie aus dem Nahen Osten über deren Wohnverhalten gesprochen. Die Wäsche solle doch nicht in der Wohnung in großen Töpfen gewaschen werden. Das müsse und dürfe nicht in der Wohnung passieren. Für jede der vier Wohnungen gibt es im Keller des Vier-Parteienhauses eine Waschmaschine und auch Leinen sind gespannt.
Die Sprachbarriere ist aktuell nur mit einem Dolmetscher zu überwinden. Zum Monatsende hat der Vermieter der Familie die Wohnung gekündigt. Es habe sich gar nichts geändert, erklärt er dem Tageblatt. Allein für die fachgerechte Sanierung der durchfeuchteten Wände veranschlage eine Firma fast 6000 Euro. "Auf den Kosten werde ich wohl sitzenbleiben", stellt der Vermieter verbittert fest. Die Fachfirma hat fast 40 Quadratmeter Wandfläche ausgemessen, die vom Schimmel befallen ist. "Die Vermutung liegt nahe, dass während der kalten und nassen Wintermonate unter anderem Wäsche in der Wohnung getrocknet wurde", heißt es in dem Gutachten. Nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes "liegt ein großer nutzungsbedingter Schaden vor. Die Freisetzung von Pilzbestandteilen sollte unmittelbar (...) und die Ursache kurzfristig unterbunden werden".


Von staatlichen Stellen im Stich gelassen

Was den Mann ärgerlich stimmt und frustriert: Er soll eine Mitschuld an dem Schimmelbefall haben. Und er fühlt sich von den staatlichen Stellen im Stich gelassen, denn an den Sanierungskosten werde sich das Jobcenter, das die Wohnungsmiete bezahlt, nicht beteiligen. "In den mehr als 20 Jahren zuvor hat es nie ein Schimmel- oder Nässeproblem in der Wohnung gegeben." Der Vermieter und seine Frau sind alles andere als fremdenfeindlich. Als im vergangenen Jahr die damalige Betreuerin der Flüchtlingsfamilie das Wohnungsinserat gesehen hatte, war gerade die zweite Tochter des syrischen Ehepaars auf die Welt gekommen. "Wir haben da nicht lange überlegt", erzählt die Ehefrau des Vermieters. Der Eigentümer des Wohnblocks besorgte Möbel und Betten, "sonst hätten sie auf dem Boden schlafen müssen". Auch Hausrat und Wäsche wurden im Familien- und Bekanntenkreis gesammelt.

Die Situation ist vertrackt. "Einerseits habe ich auch eine Verantwortung den anderen Mietern gegenüber, dass sich der Schimmel nicht auf deren Wohnung ausbreitet, zum anderen können die beiden Mädchen wegen der gesundheitlichen Gefahren nicht mehr in dem Zimmer schlafen", überlegt der Immobilienbesitzer. Die junge syrische Familie ist sich der Gesundheitsgefahren bewusst, möchte auch die Wohnung wechseln, aber der ausgesuchte Wohnungsmarkt steht dem zunächst entgegen.


Das Thema taucht immer wieder auf

Schimmelbefall durch falsches Lüften und Heizen ist nach Angaben von Ullrich Pfuhlmann "ein Riesenproblem". Bei der Wohnbau der Stadt Coburg tauche dieses Thema immer wieder mal auf, übrigens quer durch alle Nationalitäten. Um Schimmel zu vermeiden, gibt es bei der Wohnbau Merkblätter über richtiges Lüften und Heizen. Der technische Geschäftsleiter der Coburger Wohnbau: "Wenn der Schimmel richtig blüht, können sich die Sporen im ganzen Gebäude verteilen." Stellungnahmen des Gesundheitsamtes in solchen Fällen hätten in der Regel stets den selben Tenor: Der Schimmel sei gesundheitsschädlich und müsse entfernt werden. "Dafür steht der Vermieter in der Haftung, denn er muss eine Gesundheitsgefährdung ausschließen", so Ullrich Pfuhlmann.
Holger Diez vom Sozialamt der Stadt, der Wohnungen für Asylbewerber in Coburg sucht, sieht ein weiteres Problem: Würde eine Familie - bei allem Verständnis für den Vermieter - nun obdachlos, sei wieder die öffentliche Hand gefordert, eine Unterkunft bereitzustellen. Daher sollte alles versucht werden, das Problem für alle Seiten befriedigend zu lösen. Aber so richtig überzeugend klingt er dabei nicht.


Der Deutsche Mieterbund rät zum richtigen Heizen und Lüften

 Auch im Herbst und Frühjahr sollten (bei Anwesenheit) folgende Temperaturen eingehalten werden: Im Wohnzimmer, Kinderzimmer und in der Küche 20°C, im Bad 21°C, nachts im Schlafzimmer 14°C. Als Faustregel gilt: Je kühler die Zimmertemperatur, desto öfter muss gelüftet werden.

 Innentüren zwischen unterschiedlich beheizten Räumen geschlossen halten.

 Richtig lüften bedeutet: Die Fenster kurzzeitig (fünf Minuten reichen oft schon aus) ganz öffnen (Stoßlüften). Kippstellung ist wirkungslos und verschwendet Heizenergie.

 Morgens in der Wohnung einen kompletten Luftwechsel durchführen. Einmal täglich lüften genügt nicht. Vormittags und nachmittags nochmals die Zimmer lüften, in denen sich Personen aufgehalten haben. Abends einen kompletten Luftwechsel inklusive Schlafzimmer vornehmen.

 Nicht von einem Zimmer in ein anderes, sondern nach draußen lüften. Bei innen liegendem Bad ohne Fenster auf dem kürzesten Weg (durch ein anderes Zimmer) lüften. Die anderen Türen geschlossen halten. Große Mengen Wasserdampf möglichst sofort nach draußen ablüften.

 Wenn Wäsche in der Wohnung getrocknet werden muss, dieses Zimmer öfter lüften. Zimmertüre geschlossen halten. Nach dem Bügeln lüften.

 Auch bei Regenwetter lüften. Wenn es nicht gerade zum Fenster hereinregnet, ist die kalte Außenluft trotzdem trockener als die warme Zimmerluft.

 Große Schränke nicht zu dicht an kritische Wände stellen, sondern in zwei bis vier Zentimeter Abstand.
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