Coburg
Sachstand

Abrissbirne und Altlasten

Mitte November sollen weitere Gebäude des ehemaligen Schlachthofs abgebrochen werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im September wurden die Rinderhallen am ehemaligen Schlachthof abgerissen. Der Schlachthof ist nun auch buchungstechnisch Geschichte: Das verbliebene Vermögen des Regiebetriebs, Grundstücke und Gebäude, wird zum Jahreswechsel wieder von der Stadt übernommen. Foto: Simone Bastian
Im September wurden die Rinderhallen am ehemaligen Schlachthof abgerissen. Der Schlachthof ist nun auch buchungstechnisch Geschichte: Das verbliebene Vermögen des Regiebetriebs, Grundstücke und Gebäude, wird zum Jahreswechsel wieder von der Stadt übernommen. Foto: Simone Bastian
+1 Bild
Auf dem Gelände des ehemaligen Coburger Güterbahnhofs soll ein neues Quartier entstehen. Erst einmal muss dafür aber Platz geschaffen werden. Einige Gebäude zwischen dem Schlachthof im Norden und der Firma Ros (früher Max Carl) im Süden wurden bereits abgerissen. Bei denjenigen, die noch stehen, werde individuell entschieden, teilte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg (Wifög), Stephan Horn, am Donnerstag in der Stadtratssitzung in seinem Sachstandsbericht mit. Für das eine oder andere marode Gebäude gebe es durchaus noch interessierte "Liebhaber", so Horn.


Historisches Boardinghouse

Das Haus Am Güterbahnhof 24 zum Beispiel, in dem die Bahn einst ihre Mitarbeiter unterbrachte, würde Horn selbst gern erhalten. Im Rahmenplan ist ohnehin ein Boardinghouse auf dem Areal vorgesehen, das unter anderem für die angrenzenden Betriebe ein Beherbergungsangebot schaffen soll. Warum nicht das Gebäude 24 dafür hernehmen? Es sei historisch nicht unbedeutend, allerdings nicht gerade im besten Zustand.
Keine Rettung mehr gibt es dagegen für einige Gebäude des ehemaligen Schlachthofs. Einen Teil hat die federführende Wohnbau Stadt Coburg bereits abreißen lassen. So habe es beispielsweise für die ehemaligen Rinderhallen einen Interessenten gegeben, berichtete Horn. Doch der Abriss war nicht mehr zu umgehen. "Das ging schon allein geruchsmäßig gar nicht mehr."
Mitte November soll mit dem Abbruch der ehemaligen Kuttelei begonnen werden. "Das Gebäude ist so kaputt, da muss schnell etwas getan werden."
Für den Abriss der alten Gebäude sind insgesamt 416 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt. Bisher sei davon erst ein Zehntel abgerufen, erläuterte Horn. Zwar sei ein Antrag auf Förderung aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gestellt worden, "wir sind aber nicht zum Zug gekommen". Immerhin bestehe noch die Aussicht auf Geld aus der Städtebauförderung, so der Wifög-Geschäftsführer.


Bauschutt und alte Kampfmittel

Eine Mammutaufgabe kommt noch mit der Beseitigung der Altlasten zu, die praktisch über das gesamte Gelände verteilt sind. Zwei bis fünf Meter tief sind Bauschutt, Müll und andere Überbleibsel aufgeschüttet. Von Deponiegiften wie Schwermetallen ist hier die Rede, aber auch von alten Kampfmitteln, die sich noch im Boden befinden könnten. "Bis etwa 1960 wurde hier mit den unterschiedlichsten Materialien aufgefüllt", erklärte Stephan Horn. Das Problem: "Man kann an einer Stelle die Belastung messen, doch einen Meter weiter sieht es vielleicht schon wieder ganz anders aus."
Seit August wurden bereits im Bereich der alten Pakethalle Probebohrungen vorgenommen. Hier soll später im fertigen Quartier einmal der zentrale Platz angelegt werden. Zunächst wird aber die Freifläche an der Pakethalle für einen weniger attraktiven Zweck gebraucht: als Zwischenlager für den belasteten Aushub. "Das ist nicht schön", gab Stephan Horn zu, "geht aber nicht anders". Zwei bis drei Monate werde der Aushub jeweils dort gelagert und "beprobt". Erst wenn feststeht, welche Stoffe sich genau darin befinden, werde entschieden, was damit passieren soll. Bei der Größe des Geländes könne so einiges an Aushub zusammenkommen, warnte Horn schon jetzt vor. "Also bitte nicht erschrecken!"
Aktuell sei der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb mit den Altlasten im südlichen Bereich beschäftigt, wo die Ernst-Faber-Brücke für Pkw- und Schwerlastverkehr als Verlängerung der gleichnamigen Straße gebaut werden soll. Die Firma, die den Zuschlag für den Bau der Brücke erhalten hat, habe auch schon an verschiedenen ICE-Brücken in der Region mitgebaut, berichtete Stephan Horn. Mitte übernächster Woche sei es so weit, dann werde die Baustelle für die Brücke eingerichtet.


Alles noch im Fluss

Was die späteren Ansiedlungen angehe, werde bereits mit Coburger Firmen verhandelt - vom Großunternehmen bis zum Mittelständler, sagte Horn. Auch die Hochschule sei interessiert, Ausgründungen und Institute am ehemaligen Güterbahnhof unterzubringen. "Es ist aber noch nichts fixiert", betonte Stephan Horn. "Im Moment reden wir nur."


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren