Coburg
Open Air-Sommer

7000 im Hoch auf dieses Leben

Andreas Bourani verabreichte auf dem Coburger Schlossplatz mit seinem geschickten und mitreißenden Programm Seelenmassage für die Tausenden.
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Andreas Bourani auf dem Coburger Schlossplatz.  Fotos: Barbara Herbst
Andreas Bourani auf dem Coburger Schlossplatz. Fotos: Barbara Herbst
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Die Menschheit hat ein bisschen Aufmunterung nötig. Andreas Bourani muntert auf. Und wie. 7000 Besucher aus der weiten Region ließen sich auf dem Schlossplatz beim HUK Coburg Open Air-Sommer 2017 gut zureden, aufbauen, mitreißen. Die wunderbare Stimmung zwischen Ehrenburg und Landestheater, unter zarter Mondsichel und in von Unwetter (wie tags zuvor bei den Söhnen Mannheims) ungestörter warmer Sommerluft hatte fast, na sagen wir therapeutische Wirkung. Um halb elf Uhr zogen die Tausenden mit durchaus nachdenklichen, aber sichtlich befriedigten, beruhigten Gesichtern davon in die Nacht.
"Wir kommen wieder, versprochen", tröstete Bourani die Menge, die hingebungsvoll an seinen Lippen hing, mitgefühlt, mitgejubelt und sich zum kraftvollen Chor vereint hatte. "Hey, ihr wart echt laut", rief Bourani. Wenn das kein Kompliment ist bei solchem Event, zu dem die Menschen kommen, um sich ein bisschen glücklich machen zu lassen. Da gibt es aber wahrlich schlechteren Zeitvertreib.
Und schlechtere Methoden, sein Geld zu verdienen. Andreas Bourani kam über die mittlerweile übliche Castingshow-Schiene und Bewerbungen für den European Songcontest nach oben. Mit seinem Anfangserfolg "Nur in meinem Kopf" von 2011 riss er auch in Coburg von null auf hundert. "Augen zu und durch Wände gehen", heißt es darin, und so führte er die Zuhörer durch sein geschicktes Ermutigungsprogramm.
Denn so fröhlich und scheinbar unbeschwert er zum Springen und Tanzen animiert, seine Wirkung erzielt Bourani, weil er sanft und ganz selbstverständlich auch auf die trübseligeren Stimmungsseiten führt. "Ich gehöre von ganzem Herzen dorthin, wo ich nicht bin...Alles haben, ohne etwas zu behalten", heißt es in seinem Song "Alles beim Alten!" Was manchmal nach billigem Schlagertext klingt, ist schnell bei der nicht funktionierenden Liebe gelandet. Aber ohne Larmoyanz, sondern eher mit dem Bemühen um Einverständnis, auch wenn Bourani und mit ihm die Menge sich öfters berauschen am melodiösen "Ohooohoooho". In den höchsten Tönen selbstverständlich, was Bourani mit seinem gekonnten Sturz nach oben in die Kopfstimme gut beherrscht, dabei aber keineswegs so hemmungslos heulend wie gewisse andere Zeitgenossen.


Eine Stimme der Vernunft

Und nach der melancholischen Besinnung, dass wir morgen schon vergessen, wer wir gestern waren und die Stimme der Vernunft ohnehin längst nicht mehr hören, da springt Bourani wieder himmelhoch: "Ich bin wieder am Leben."
Seinen geradlinigen Texten, mit denen er keine literarischen Preise gewinnen mag, aber eine große Menge von Musikhörern unmittelbar erreicht, entspricht der grundsolide Sound seiner versierten Band. Oft schlicht und unverbrämt die alte Kraft des Rock'n'Roll entfachend, gitarrenbetont, selbstverständlich schön melodisch, rhythmisch geschickt, wie es Bouranis Texten dient, wird solch ein Abend zum "Hoch auf dieses Leben", womit man keinesfalls nur Fußball-Weltmeisterschaften wie 2014 bejubeln kann.
Und dazu sollen sich die, die nicht dabei waren, noch ein hinreißendes, oftmals verblüffendes Bühnendesign vorstellen, eine perfekt abgestimmte Lichtshow mit raffiniertem Formen- und Farbenspiel, einem Rausch aus fantastischen LED-Bildern, neonblitzenden Signalen und filmischen Stimmungsmalereien. - Erinnern wir uns noch an die Vorband, Klima, mit der die gelöste Stimmung bereits vorbereitet worden war.
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