Coburg
HUK-Open-Air-Sommer

6000 Fans feiern James Blunt in Coburg

Der Brite begeisterte am Samstag nicht nur mit vielen bekannten Songs, sondern auch mit seinem ganz speziellen Humor.
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Umjubeltes Konzert: James Blunt begeisterte 6000 Besucher auf dem Coburger Schlossplatz.  Foto: Matthias Hoch
Umjubeltes Konzert: James Blunt begeisterte 6000 Besucher auf dem Coburger Schlossplatz. Foto: Matthias Hoch
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Damit hat Twitter-Userin Casy ganz bestimmt nicht gerechnet: Voll Vorfreude postet sie von ihrem Sitzplatz aus ein Foto von der noch menschenleeren Bühne, dazu schreibt sie auf Englisch, dass sie auf den Beginn des Schlossplatzkonzerts von James Blunt warte. Etwa 20 Minuten später bekommt sie prompt eine Antwort des britischen Singer-Songwriters: "Running late. Sorry. I've got the shits."

Wer James Blunt in den sozialen Medien folgt, der weiß, dass dieser Tweet mit Humor zu nehmen ist - und er sicher nicht gerade an Durchfall leidet. In den meisten seiner Beiträge steckt eine große Portion Selbstironie - so wie auch in dem Tweet, der sein neues Album ankündigte: "Ihr dachtet, 2016 wäre schrecklich gewesen - 2017 bringe ich ein neues Album heraus." Seit April 2017 ist "The Afterlove" nun auf dem Markt, und in diesem Jahr ist James Blunt damit auf großer Welttournee. Samstagabend macht der 44-jährige Brite Halt in Coburg und spielt im Rahmen des HUK-Open-Air-Sommers vor 6000 Fans auf dem Schlossplatz.

Zunächst gehört die Bühne allerdings dem Newcomer Malik Harris, der trotz Nervosität seinen ersten Auftritt auf der großen Bühne souverän meistert.

Mit viel Energie kommt James Blunt dann auf die Bühne und bedeutet den Konzertbesuchern auf den Sitzplätzen durch eine Geste, dass sie ruhig aufstehen und tanzen dürften. Die Stühle seien nicht zum Sitzen gedacht, sondern lediglich eine Ablagefläche für die mitgebrachten Handtaschen. Ausnahmen seien aber erlaubt: "Wenn ihr euch genauso alt fühlt wie mein Vater, dann dürft ihr euch für ein, zwei Lieder gerne hinsetzen."

Begrüßt wird das Coburger Publikum auf Deutsch, obwohl Blunts Sprachkenntnisse nach eigenen Angaben "nicht so gut" seien. In fast akzentfreiem Deutsch erklärt er dann, dass er eigentlich nur drei Worte beherrsche: "Danke, Dankeschön und Vielen Dank." In den letzten Monaten habe er auf der ganzen Welt Konzerte gegeben. Die seien aber nur Übung gewesen für die "wirklich wichtigen" Leute in Coburg auf dem Schlossplatz.

Dann doch "You're beautiful"

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Eineinhalb Stunden lang spielt James Blunt einen Mix aus den Liedern vom neuen Album und seinen altbekannten Songs. Zur Setlist gehört auch "You're beautiful", auch wenn der Brite eigentlich angekündigt hatte, das Lied nicht zu spielen. Begleitet wird sein Gesang von farbenfrohen Einblendungen auf der Leinwand hinter ihm. Mal erscheint ein buntes Kaleidoskop, dann wieder Videos von weiten Landschaften oder Sonnenuntergängen, bei "Time of our lives" sehen die Zuschauer romantischen Zeichentrick. Die Aufnahmen bringen bei "Someone singing along" sogar erst die Botschaft des Songtexts zum Vorschein: Das Lied klingt zwar recht locker und beschwingt, durch die Videos aus Kriegsgebieten wird aber deutlich, dass es eigentlich ein Protestsong ist. Und der richte sich an Donald Trump, erzählt James Blunt. Bei seinen Auftritten in Amerika habe er das aber verschwiegen. "Wir wollen da ja noch mal auftreten dürfen", erklärt er. Seinen "Freunden" auf dem Schlossplatz könne er das aber ruhig erzählen, vorausgesetzt, sie verraten ihn nicht.

Und ein Geheimnis vertraut er den Zuschauern an: Bei seiner Tour durch Amerika sei er nur Opener für Ed Sheeran gewesen. Er habe ihm das Skifahren beigebracht und Sheeran habe ihm im Gegenzug gezeigt, wie man richtig gute Songs schreibt.

Bei "Goodbye my lover" habe das Publikum "etwas schüchtern" mitgesungen, findet James Blunt. Bei einem seiner ältesten Lieder, "High" solle sich das aber ändern, auch wenn es dabei vielleicht ein Problem gebe: "Ich singe sehr hoch, aber ich würde gern hören, wie die Männer im Publikum versuchen, da mitzuhalten." Denn er habe sich sagen lassen, dass Männer das Lied eigentlich überhaupt nicht hören können: "Die hohen Töne hören nur Frauen. Und Hunde." Im Laufe des Abends wird der Zuschauerchor immer stärker, schließlich singt das Publikum ihn nach "OK" sogar zurück auf die Bühne. Bei "Same Mistake", Blunts Lieblingslied, verwandelt sich der Schlossplatz in ein Lichtermeer aus Handytaschenlampen.

Twitter-Userin Casy scheint der Abend gut gefallen zu haben. Sie postet ein weiteres Bild, diesmal steht James Blunt auf der Bühne. Dazu schreibt sie, gefolgt von einem zwinkernden Smiley: "Froh, dass du dich wieder erholt hast."



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