"Hogg diich a weng haa!" So lautet der Titel eines von vielen Vorträgen, die Anneliese Hübner hält. Wenn die Einbergerin mit Leib und Seele darüber erzählt, wie sie zur Mundartdichterin wurde, die Heimat und Brauchtum pflegt, "hoggt mer sich am besten a weng hii". Nach 40 Jahren, die seit ihren ersten Vorträgen vergangen sind, hat sie nämlich einiges zu erzählen.

Es sprudelt nur so aus ihr heraus, wie sie schon als junge Frau begeistert war von Bibliotheken und Archiven, von der Heimat und ihrer Sprache, den Bräuchen hier im Coburger Land. Es ist die Region, in die sie hinein geboren wurde, wo sie aufgewachsen ist, Kindheit, Schulzeit, Jugend verbrachte. "Wenn ich aus dem Küchenfenster schaue und sehe meinen Horeb, den Weinberg und die Einberger Schweiz, dann geht es mir gleich gut", sagt sie und sie weiß: "Dou bin iich dehemm!"

Als Verwaltungsangestellte im Coburger Gymnasium Casimirianum mit dem Schwerpunkt Bibliothek war Anneliese Hübner in ihrem Element. Vormittag. In Teilzeit. "Ich habe in der Landesbibliothek volontiert, das war toll", sagt sie . Am Nachmittag war sie - wieder in Teilzeit - als Verwaltungsangestellte im Landratsamt beschäftigt.

Aber die Freizeit reichte irgendwie trotzdem für ihre Leidenschaft, das Schreiben und die intensive Beschäftigung mit dem Dialekt, den zu sprechen für sie so etwas wie die sprachliche Form von Heimat ist. "Dou bin iich dehemm" ist eben etwas anderes als "hier bin ich zu Hause" - auch wenn sie das Hochdeutsche ebenso gut beherrscht, wie ihre Einberger Mundart. Schaut sie heute auf 40 Jahre Schaffenszeit zurück, steht für Anneliese Hübner fest: "Mein Lebenssinn und mein Beruf sind eins gewesen." Das klingt zu unrecht, als wäre alles Vergangenheit. Noch immer ist sie viel unterwegs, ist mit Vorträgen und Lesungen gut gebucht. Hier ein Frauenfrühstück, da eine Adventsveranstaltung und dort ein Mundartabend - wer gerade im Winter einen Termin will, muss sich beeilen.

Schon ab 1980 war Anneliese Hübner an zahlreichen Sendungen im Bayerischen Rundfunk in den Programmen BI und BII als freie Mitarbeiterin beteiligt. "Die Hullewaatsch im Dorf", "Die Walpurgisnacht" oder "Umsingen" (nach Heinrich Schaumberger) sind nur einige Titel.

Gesammelte Zeit

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Unzählige Bilder aus Einberg sammelte Anneliese Hübner in drei dicken Ordnern. So entstand eine Dokumentation über "Ein Dorf im Wandel der Zeit". Gemeinsam mit Gustav Fischer, dem Bruder des langjährigen Rödentaler Bürgermeisters Ferdinand Fischer, widmete sie sich der Feldforschung zu Bräuchen im Coburger Land.

Immer wieder beschäftigt sie der Dialekt, dieses "Hennebergisch-Itzgründische", wie es wissenschaftlich bezeichnet wird. So intensiv untersuchte sie diesen Sprachraum, dass sie heute bei ihren Vorträgen eine Karte davon mitbringt, in der verschiedene Sprachnuancen verzeichnet sind, über die sich ihre Zuhörer recht genau einer bestimmten Gegend zuordnen lassen - wenn sie denn noch Dialekt sprechen. Sagten sie Stää, Stee oder Steei, wenn sie einen Stein meinen? Allein dieses Wort verrät Anneliese Hübner auf wenige Dörfer genau, wo einem der Schnabel gewachsen ist.

Dass die Zahl der Dialektfesten auch im Coburger Land schrumpft bedauert Anneliese Hübner. Um so wichtiger ist da ihre Arbeit, die mal wissenschaftlich, mal unterhaltsam das Wissen um die sprachliche Eigenheit der Coburger Heimat bewahrt. Galt es einmal als Makel oder Zeichen geringer Bildung, einen Dialekt zu sprechen, kokettieren heute ganze Bundesländer damit, dass sie alles können - außer Hochdeutsch. Es besteht also noch Hoffnung, dass auch Junge wieder die heimische Mundart für sich entdecken. Anneliese Hübner könnte ihnen mit ihren Vorträgen Lust darauf machen.