Coburg
Bildung

26.200 Euro für Flüchtlingsklassen in Coburg

Die Zahl der Ganztagsklassen nimmt in Coburg zu. Davon profitieren auch die Asylsuchenden. Vor allem an kleinen Schulen wird die Mittagsbetreuung immer beliebter.
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Wachsender Beliebtheit erfreut sich die Mittagsbetreuung - vor allem an kleineren Schulen wie hier an der Grundschule in Neuses. Foto: Helke Renner
Wachsender Beliebtheit erfreut sich die Mittagsbetreuung - vor allem an kleineren Schulen wie hier an der Grundschule in Neuses. Foto: Helke Renner
Aus aktuellem Anlass hatte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) die Tagesordnung des Kultur- und Schulsenats um einen Tagesordnungspunkt erweitert. Es ging um die geflüchteten Jugendlichen, die minderjährigen, unbegleiteten. Was passiert mit ihnen, wenn sie einen Schulabschluss in der Tasche haben? Roland Schmitt von der Ausländerbehörde erläuterte den Mitgliedern des Kultur- und Schulsenats, was das Gesetz dazu sagt. "Zunächst muss geklärt werden, wie der Stand des Asylverfahrens ist." Laufe es noch, sei das kein Problem.

Wird der Antrag auf Asyl oder die Anerkennung als Flüchtling positiv entschieden, dann ist der Zugang zum Ausbildungs- und später zum Arbeitsmarkt frei. Wird der Antrag abgelehnt, dann dürfen unbegleitete minderjährige Jugendliche dennoch bleiben und eine Ausbildung machen. Sie bekommen eine sogenannte Duldung.


Identität manchmal ungeklärt

Förderlich für den Prozess der Eingliederung sei die besondere Integrationsleistung, erläuterte Roland Schmitt. Was verbirgt sich dahinter? "Das sind zum einen überdurchschnittliche Leistungen in der Schule und in den Deutschkursen." Darüber hinaus dürfe der Asylsuchende keine Vorstrafen und keinen Bezug zum Extremismus haben. "Auch die Identität sollte geklärt sein, was bei den Jugendlichen oft nicht so einfach ist, weil sie zum Teil ohne Papiere hier ankommen." Schließe ein Jugendlicher seine Berufsausbildung ab, dann bekomme er eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis.

Vor dem Start in eine Berufsausbildung stehen aber der Schulbesuch und -abschluss. In Coburg werden Flüchtlingskinder und minderjährige unbegleitete Jugendliche an der Rückert schule unterrichtet. Zwei sogenannte Übergangsklassen gibt es dort momentan.


"Ich muss mich durchsetzen"

Eine unterrichtet die Stadträtin und Lehrerin Martina Benzel-Weyh (Grüne). "Ich habe Schüler im Alter von elf bis 17 Jahren. Zum Teil leben sie schon seit drei Monaten hier. Die Sprachkenntnisse sind sehr unterschiedlich. Einige können gar kein Wort Deutsch sprechen, andere sind schon ganz gut", berichtete sie im Kultur- und Schulsenat, dem sie selbst angehört. Die Arbeit sei sehr anstrengend, denn es prallten in der Klasse Kulturen aufeinander. "Auch als Frau muss ich mich durchsetzen, denn es gibt Jungs, die der Meinung sind, dass ich in den Haushalt gehöre."


Eine dritte Klasse kommt

Richtig heftig aber sei es in der anderen Klasse, wo der Lehrer Gregor Malinowski zusammen mit einem Sozialpädagogen immerhin 28 Schüler zu betreuen und zu unterrichten hat. "Das sind fast nur junge Männer um die 16, die meist gar kein Deutsch sprechen." Schulamtsdirektor Werner Löffler kündigte an, dass zum 1. November eine dritte Klasse eingerichtet werde, damit sich die Lage etwas entspanne. Weil die Flüchtlingskinder in gebundenen Ganztagsklassen unterrichtet und betreut werden, bekommt die Rückert-Mittelschule 26 200 Euro zusätzliche Fördermittel.

Wie es um die offenen und gebundenen Ganztagsklassen an den anderen Coburger Schulen steht, darüber berichtete Kerstin Lindenlaub vom Schulamt den Senatsmitgliedern. Gebundene Ganztagsklassen gibt es an der Melchior-Franck-Schule (vier Klassen), an der Heimatringschule (vier) an der Rückert-Mittelschule (sechs), am Gymnasium Ernestinum (drei, 5. bis 7. Klasse) und an der Realschule CO I (eine 5. Klasse). Die Stadt zahlt Zuschüsse in Höhe von 90 000 Euro. Offene Ganztagsklassen haben die Heiligkreuz-Mittelschule (vier Gruppen), die CO I (drei), das Gymnasium Albertinum (drei), das Alexandrinum (zwei), das Casimirianum (drei) und das Ernestinum (zwei). Hier investiert die Stadt insgesamt 80 000 Euro. Dazu kommen 413 000 Euro staatliche Förderung. "Wir haben jetzt 17 Gruppen und da wird sich in den nächsten Jahren auch nicht viel bewegen", stellte Kerstin Lindenlaub fest.


Viele junge Esser

Großer Beliebtheit erfreut sich ihren Worten zufolge die Mittagsbetreuung. "Wir haben in der Stadt inzwischen 36 Gruppen. Besonders an den kleinen Einrichtungen nimmt das Interesse an der Mittagsbetreuung zu." 103 000 Euro lässt die Stadt sich das kosten. "Einige Schulen kommen aber schon an ihre Kapazitätsgrenzen", sagte Kerstin Lindenlaub.

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