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Abseits

Charkow, Charkiw, die Ukraine und ich

Heute abend wird es richtig spannend: Deutschland gegen Holland, das ewige Duell. 20.45 Uhr. In Charkow. Charkow?
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Hier wird die Fußball-Schlacht gegen die Niederlande geschlagen: Das Metalist-Stadion in Charkiw/Charkow. Foto: Daniel Kopatsch, dapd
Hier wird die Fußball-Schlacht gegen die Niederlande geschlagen: Das Metalist-Stadion in Charkiw/Charkow. Foto: Daniel Kopatsch, dapd
Keine Ahnung, wo das genau liegt. Irgendwo mitten in der Ukraine, vermute ich - obwohl ich in Erdkunde immer ganz gut war und jedes mal entnervt bin, wenn einer bei Jauch den geografischen Offenbarungseid leistet. Nicht Charkow, sondern Charkiw nennen die Ukrainer ihre Stadt. Schließlich haben sie ja eine eigene Sprache, was mir vorher auch nicht so richtig bewusst war. Ich war immer der Meinung, sie sprächen dort Russisch. Und seien wir doch mal ehrlich: Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren das doch für uns alle Russen, die unter Hammer und Sichel lebten. Wer kannte denn wirklich den Unterschied zwischen Georgiern, Aserbeidschanern, Osseten, Kasachen, Weißrussen, Letten, Litauern und natürlich Ukrainern? Da hätte man schon Slawist sein müssen oder so was Ähnliches. Die Politik hatte da wieder mal einen Schleier über den ethnischen Flickenteppich gelegt.

Die Ukraine war mir allenfalls als Kornkammer des Sowjetreiches bekannt, als eine im Zweiten Weltkrieg umkämpfte Gegend, in der furchtbare Schlachten zwischen der deutschen Wehrmacht und der Roten Armee stattfanden - vor allem auch in der Gegend um Charkow oder besser: Charkiw. Bis dorthin hatte es mein Onkel Josef gar nicht geschafft. Er war schon vorher mit 21 Jahren bei Kiew gefallen und hat sein Grab immer noch auf dem Gebiet des heutigen Hauptstadt-Flughafens, wie das Rote Kreuz vor Jahren auf Anfrage der Familie mitteilte. Womit ich gewissermaßen eine persönliche Beziehung zur Ukraine hätte. Verdammter Krieg!

Heute also gibt es wieder eine Schlacht. Eine Hitze-Schlacht. Zwischen Deutschland und Holland. Glücklicherweise nur auf dem Fußballfeld - mit hoffentlich fairem und friedlichem Ende.

Die Fußball-Europameisterschaft zieht drei Wochen lang alles in ihren Bann - auch unsere Redakteure Tobias Köpplinger und Leopold Teuscher. Was die beiden rund um die Spiele und am Rande des Wettbewerbs so erleben, bloggen sie als "Einwurf" und "Abseits" auf em.infranken.de.
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