Bayreuth
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Traum vom Anders sein leben

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der FDP im Bayerischen Landtag, Thomas Hacker, will nun in den Deutschen Bundestag.
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Thomas Hacker (49) will für die FDP in den Deutschen Bundestag.  Foto: Josef Hofbauer
Thomas Hacker (49) will für die FDP in den Deutschen Bundestag. Foto: Josef Hofbauer
Thomas Hacker, der Bundestags-Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Bayreuth/Forchheim trat 1995 in die Partei ein; ein Zeitpunkt, als viele den Liberalen den Rücken gekehrt hatten. Schließlich waren sie ein Jahr zuvor mit nur 2,8 Prozent der Stimmen aus dem Landtag geflogen.

2008, als die FDP ins Maximilianeum zurückkehrte, wurde Thomas Hacker Fraktionsvorsitzender. Deshalb ist der Name bei der FDP ein Begriff. Der 49-Jährige war von 1997 bis 2009 Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Bayreuth, bis 2006 Schatzmeister für Oberfranken, später Vorsitzender des Bezirksverbands und von 2011 bis 2013 war er stellvertretender Landesvorsitzender der Bayerischen Liberalen. Seit 2008 sitzt er im Bayreuther Stadtrat.

Im Bundestagswahlkampf setze die Partei auf das bekannteste Gesicht, lächelt Hacker. Anfangs habe er es für unmöglich gehalten, den Sprung nach Berlin zu schaffen. Aber jetzt, nach den guten Ergebnissen der FDP in anderen Bundesländern mit Ergebnissen um die zehn Prozent, rücke dieses Ziel in greifbare Nähe. 9,6 Prozent für Lindner & Co wurden Thomas Hacker reichen.


Mondfahrprojekt Bildung

Als Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung plädiert der Steuerberater aus Bayreuth dafür, die Chancen der Digitalisierung besser zu nutzen. Immer mehr Daten zu speichern und die Rechter der Bürger einzuschränken, hält Hacker für falsch. So werde kein einziges Attentat verhindert. Es gelte, ein ausgewogenes Maß zwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger und der Freiheit jedes Einzelnen zu finden. Soll heißen: "Wir müssen die Gesetze anwenden. Dafür brauchen wir mehr Polizei, die besser ausgestattet werden muss", fordert Hacker.

Als "Mondfahrtprojekt" bezeichnet der ledige Diplomkaufmann die Anstrengungen der FDP in Sachen Bildungspolitik. "So wie John F. Kennedy sein Land auf den Mond führte, wollen wir Deutschland zurück an die Spitze der Bildungsnationen in der ganzen Welt führen", unterstreicht Hacker. Dabei müsse das Förderangebot bereits im Kindergarten beginnen. Die Kleinkinderbetreuung sei genauso wichtig wie ein flächendeckendes Angebot an offenen und gebundenen Ganztagsschulen und das Festhalten am mehrgliedrigen Bildungssystem. Auch universitäre Forschungseinrichtungen wie das Innovationszentrum auf dem Fraunhofer-Campus in Bayreuth oder das "Medical Valley" in Forchheim müssten vorangebracht werden. "Wir brauchen passgenaue Schulen für die Regionen", so Hacker. So ließen sich durch verstärkte Kooperationen zwischen Real- und Mittelschulen die Schul-Standorte nachhaltig stärken.

Nach wie vor behindere zu viel Bürokratie den Mittelstand, klagt Hacker. "Es kann nicht sein, dass ein Wirt die Hochzeitsgäste um 1 Uhr morgens nach Hause schicken muss, weil dann für das Service-Personal eine neue Schicht beginnt. Das hat nichts mehr mit Arbeitsschutz zu tun, das ist Gängelung", kritisiert der Bundestagskandidat. Verbraucherschutz sei richtig und wichtig, aber durch solch unsinnige Relegungen würden alle Arbeitgeber unter Generalverdacht gestellt.

Plakativ fordert Hacker, der Mensch müsse in den Mittelpunkt des politischen Handelns gestellt werden. "Bei Großkonzernen habe ich schon manchmal den Verdacht, dass die Monopoly spielen und nach Belieben Unternehmen kaufen und verkaufen", gibt Hacker zu bedenken. Dabei gelte es, den internationalen Patentschutz durchzusetzen, findet der Bayreuther Politiker, zu dessen Vorbildern Größen wie Walter Scheel und Friedrich Genscher zählen. Das sei wichtig, denn die Welt sei unberechenbarer geworden , meint der Bundestagskandidat mit Hinweis auf Trump, Erdogan, Orban oder Putin.


Zu viel Politik aus dem Bauch

Es werde zu viel Politik aus dem Bauch heraus gemacht. Verboten werde, was nicht ins Weltbild von Alleinregierenden passt. Im Gegensatz dazu gehe es der FDP darum, die Menschen in die Lage zu versetzen, selbstständige Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und den Freiraum zu schaffen, dass die Menschen ihre Ideen und Wünsche umsetzen können.

In diesem Zusammenhang verweist Hacker auf Thomas Dehler, der gesagt hat: "Recht ist, was der Freiheit dient." Staatliche Eingriffe müssten stets daraufhin überprüft werden, ob die Rechte des Einzelnen tangiert würden. "Gute Ideen brauchen Freiraum", fordert Hacker. Deshalb gelte es, offen zu sein für Veränderungen. Neues dürfe nicht als Bedrohung, sondern als Chance empfunden werden. "Wir müssen die Veränderung gestalten", so Hacker.

Als gläubiger Christ engagiert sich der Junggeselle auch für Menschen "am Rande der Gesellschaft". Als Schatzmeister des "Treff e.V.", ein Projekt das von den Pfarrern der Kirche St. Hedwig und der Erlöserkirche sowie vom Rektor der Altstadtschule und engagierten Bürgern ins Leben gerufen wurde, organisiert der begeisterte Hobby-Koch für Kinder und Jugendliche aus einem "schwierigen sozialen Umfeld unter anderem Jugendfreizeiten, bei denen er auch für die Verpflegung sorgt. Die Räume am Menzelplatz 8 seien zu einem allgemeinen Treffpunkt geworden.

Und Hacker hat einen Traum. Er hofft auf eine Welt, in der jeder das Anders sein des anderen rückhaltlos akzeptiert, in der die Menschen aufeinander zugehen und nicht nur ihren eigenen Profit im Fokus haben.
"Wir müssen der jungen Generation die Chance geben, ihre Ideen selbstbewusst zu gestalten", findet Hacker. Er beklagt, dass die Bereitschaft, sich mit Themen intensiv auseinanderzusetzen zurückgegangen sei. Dies wieder zu ändern, auch dazu wolle die FDP ihren Teil beitragen.


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