Erlangen
Porträt

Helmut Wening soll es für die Grünen schaukeln

Mit dem 58-Jährigen kandidiert für die Grünen im Wahlkreis ein Umweltschützer. Als Polizist hat er aber auch zur inneren Sicherheit etwas zu sagen.
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Helmut Wening will für die Grünen in den Bundestag. Er ist seit 1976 bei der Polizei und war der erste bayerische Polizist, der Erziehungsurlaub genommen hat. Foto: Christian Bauriedel
Helmut Wening will für die Grünen in den Bundestag. Er ist seit 1976 bei der Polizei und war der erste bayerische Polizist, der Erziehungsurlaub genommen hat. Foto: Christian Bauriedel
Platz 26 auf der grünen Landesliste, Direktkandidat im Wahlkreis Erlangen, wo die Grünen zuletzt 8,9 Prozent der Erststimmen holten: Ja, er wisse, wie es um seine Chancen steht.
Helmut Wening ist da ganz offen. Der 58-Jährige gibt auch zu, er habe sich einen Jüngeren als Kandidaten gewünscht. Aber es habe sich leider keiner gefunden. Verständlich, so Wening. Denn er sei zur Zeit zehn bis 20 Stunden wöchentlich mit Wahlkampf beschäftigt. Da braucht man schon einen hartgesottenen Idealismus. Und den hat Wening.
Seine Vita ist für das Grünen-Milieu geradezu mustergültig: aktiv im Bund Naturschutz, ökologische Hausrenovierung zusammen mit zwei anderen Familien, Mitgründer des ersten Erlanger Waldkindergartens, des Arche-Bauernhofs bei Atzelsberg, der seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergt, des Arbeitskreises "Jugend, Umwelt, Zukunft" mit dem einzigen Umsonstladen Erlangens und des Werkstattwagens, bei dem man Werkzeug gemeinsam nutzen kann. Von 2000 bis 2016 war Wening Stadtrat in Erlangen, trat mehrmals als Landtagskandidat an.
Doch einen Widerhaken gibt es in diesem "Bilderbuchleben" eines Grünenpolitikers. Wening ist Polizist und hat damit einen Arbeitgeber, der - zumindest von Erzgrünen - lange misstrauisch beäugt wurde.


Ein Grüner in Uniform

1976 ging Wening zur Polizei, 1983 zur Partei. Damals galt für viele, der "Bullenstaat" müsse bekämpft werden. Andererseits war es die Zeit der Berufsverbote. Als Linker war man sofort verdächtig. Die Fronten schienen klar. Verbindungen der "Opposition in Grün" zur "Staatsmacht in Grün" waren fast ein Sakrileg.
Wening war da anders. Er ist aus Überzeugung Polizist geworden. Allerdings galt er anfangs als unbequemer Kollege. Wening gründete 1987 die "Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten" mit. Der Berufsverband, der mittlerweile nicht mehr aktiv ist, engagierte sich für Menschen- und Bürgerrechte. Ziel: Eine Demokratisierung des Polizeiapparats. "Es war damals mutig, zu den kritischen Polizisten zu gehen. Wir waren sofort die Nestbeschmutzer", sagt Wening. Die Polizei heute sei eine andere: "Mittlerweile kann man als Polizist seine Meinung sagen."
Auch der Umgang mit emanzipierten Familienvätern hat sich wohl geändert. Wening, 30 Jahre verheiratet, Vater dreier Söhne, war der erste Polizist Bayerns, der Erziehungsurlaub genommen hat. Damals ungewöhnlich. Ein Kollege habe gefragt: "Trägst du dann auch Kleider?"
Wening sieht trotzdem noch immer Missstände bei der Polizei. Politisch müsse bei der inneren Sicherheit das Sparen aufhören. Es brauche schlicht mehr Beamte. Bei Internetkriminalität genauso wie beim Streifendienst, sagt Wening, der Landgendarm bei der Inspektion Erlangen-Land ist. Den bayerischen Innenminister und Erlanger Landtagsabgeordneten Joachim Herrmann (CSU) kenne er lange und gut. Und er schätze ihn auch. "Er ist kein Hardliner", sagt Wening. Aber Herrmann habe den Kontakt zur Polizeibasis verloren, wo man unter der Arbeitsbelastung ächze. "Er hat anscheinend Einflüsterer, die ihm alles schön reden."
So überzeugt wie Wening Polizist ist, vertritt er grüne Inhalte. Ein bundesweites Verbot des eingeschossigen Bauens vor allem bei Verbrauchermärkten soll die Flächenversiegelung stoppen. Dass der Landkreis etwa in Spardorf zwei eingeschossige Supermärkte statt mehrerer Stockwerke Wohnungen darauf genehmigt hat, könne er nicht verstehen.


Shopping als Feindbild

Was ihm auch auf den Keks gehe, das sei die Ex-und-Hopp-Mentalität in der Konsumgesellschaft. "Shopping ist für mich ein Reizwort", sagt Wening, der sich aufgeklärtere Konsumenten wünscht.
Wening ist überzeugt: Politik, das sei auch Alltagssache. Jeden Tag könne man mit kleinen Entscheidungen die Welt beeinflussen. Das fange beim Einkauf an und gehe beim Weg zur Arbeitsstelle weiter.


Alternativen zu "den Stinkern"

Wening fordert einen massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie Schnellradwege. Aber er sei nicht blauäugig. Das Auto biete einfach den Individualismus, den die Menschen wollen. Deshalb müsse man hier ansetzen. Ja, er sei für Innenstadt-Fahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotor. Aber: Das könne nicht Knall auf Fall kommen. Die Industrie müsse endlich im Bereich Elektroautos in die Gänge kommen. Es brauche Alternativen zu "den Stinkern", so Wening.
Dafür wolle er kämpfen, wenn er in den Bundestag kommt. Und wenn es nicht klappt? Genug idealistische Projekte in und um Erlangen hat er ja am Laufen.


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