Bamberg

Welche Rolle spielt Facebook im Bundestagswahlkampf?

Bayerische Politiker setzen im Wahlkampf vor allem auf Facebook, so der Bamberger Kommunikationswissenschaftler André Haller.
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Symbolbild: Stephan Jansen/dpa
Symbolbild: Stephan Jansen/dpa
Mit dem an die Dating-App Tinder angelehnten "WahlSwiper" können Nutzer sich durch eine Reihe von Ja-Nein-Fragen Fragen zur Bundestagswahl wischen, und so einen Überblick über die Parteien bekommen. Wer bei Facebook vielen Politikern ein "Gefällt mir" gegeben hat, kann in Wahlkampfzeiten eine virtuelle Reise durch den Freistaat unternehmen. Flyer verteilen, Volksfeste besuchen, wichtige Gäste aus Berlin empfangen: Die meisten Wahlkämpfer nehmen ihre Follower quasi mit auf ihre Termine und dokumentieren fleißig ihr Engagement.

Die bayerischen Spitzenpolitiker nutzen die Möglichkeiten der meisten Sozialen Netzwerke eher zurückhaltend. Außerhalb von Facebook sind nur wenige von ihnen zu finden oder bestücken ihre Accounts nur selten mit neuen Beiträgen. Die Konzentration auf Facebook ergebe sich sich schon allein aus der Nutzerzahl, sagt André Haller, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Bamberg. Facebook wird in Deutschland nach jüngsten Zahlen von 30 Millionen Nutzern mindestens einmal im Monat genutzt - und von 23 Millionen davon täglich. "Inzwischen sind auch immer mehr ältere Nutzer dabei", sagt Haller. Er rechnet daher auch weiterhin mit einer starken Konzentration auf Facebook. Kleinere Plattformen wie Snapchat und Instagram haben aus seiner Sicht keine wahlentscheidende Wirkung.

Stattdessen glaubt Haller an einen Boom der sogenannten Gesponserten Beiträge bei Facebook. "Ich gehe davon aus, dass gezielte Werbeanzeigen bei Facebook das große Ding im Wahlkampf sein werden", sagt der Kommunikationswissenschaftler.
Mit solchen Anzeigen können Parteien und einzelne Kandidaten passgenau bestimmte Alters- und Interessensgruppen ansprechen. Die Werbeanzeigen erscheinen dann als "Gesponserte Beiträge" nur in der Timeline dieser Nutzergruppen. "Auch abseits des Internets ist das die Zukunft von Wahlkämpfen: Es werden nicht mehr ganze Milieus angesprochen, sondern einzelne Gruppen dieser Milieus", sagt Haller.

Die "Gesponserten Beiträge" gibt es bei Facebook seit Anfang 2011 und werden vor allem von Unternehmen genutzt. Im Bundestagswahlkampf 2013, so Haller, hätten sie noch keine große Rolle gespielt.

Die bayerischen Parteien nutzen die "Gesponserten Beiträge" bereits - allerdings sehr unterschiedlich. "Wir haben das hier und da mal bei einzelnen Beiträgen eingesetzt", sagt etwa der Sprecher der SPD in Bayern, Ino Kohlmann. "Wir werden unsere Strategie da aber wohl noch einmal ändern." Die AfD - bei Facebook nach der CSU (rund 185 000 Follower) zweitstärkste bayerische Partei mit rund 40 000 Followern - nutzt die Option nach eigenen Angaben nur in Ausnahmefällen, die FDP gibt über die Frequenz und ihre Zielgruppen keine Auskunft.

Offensiver geht die CSU mit den "Gesponserten Beiträgen" um und adressiert so nicht nur deutschsprachige Facebook-Nutzer. Im März schaltete die Partei eine Kampagne auf Russisch, die bei Facebook-Nutzern angezeigt wurde, die sich für den umstrittenen Nachrichtensender RT interessieren. "Uns interessiert nicht der Sender RT, sondern uns interessieren die Deutschen aus Russland", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer damals.
In den Hintergrund scheint dagegen der schnelle Kurznachrichtendienst Twitter zu treten. Die bayerischen Spitzenpolitiker nutzen Twitter kaum - und das meist bewusst. Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionschef im Bundestag, etwa möchte lieber längere Beiträge in die Welt schicken. Auch CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann hat sich bewusst gegen Twitter entschieden.

Die besonders aktive Ausnahme in den Sozialen Netzwerken stellt nach wie vor CSU-Finanzminister Markus Söder dar, auch wenn der nicht für den Bundestag kandidiert. Nach einer "Denkpause" von September 2016 bis März 2017 ist Söder wieder sehr aktiv bei Twitter. "Ich habe aber meinen Twitter-Stil geändert und setze vor allem auf Ereignisse und Fakten", sagt Söder. Meinungen würden meist mit Shitstorms von Fake-Accounts und Trollen beantwortet. "Twitter für harte Fakten, Facebook für Diskussionen und Meinungen, wie ein großer Gemischtwarenladen", sagt Söder. "Und Instagram erreicht das jüngere Publikum und ist meist unpolitischer."