Kronach
Interview

Informatikerin will in den Bundestag

Doris Aschenbrenner soll 2017 für die SPD in den Bundestag einziehen. Als Informatikerin will sie technisches Wissen verstärkt einbringen.
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Doris Aschenbrenner will 2017 für den Wahlkreis Coburg/Kronach in den Bundestag einziehen. Foto: Löffler
Doris Aschenbrenner will 2017 für den Wahlkreis Coburg/Kronach in den Bundestag einziehen. Foto: Löffler
Doris Aschenbrenner soll für den die SPD Coburg-Kronach 2017 in den Bundestag einziehen. Mit Themen wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Arbeitsplätze und Infrastruktur will sie auch junge Menschen für Politik begeistern.

FT:Sie wollen für den Wahlkreis Coburg/Kronach nach Berlin. Welche Schwerpunkte wollen Sie als SPD-Angeordnete im Bundestag setzen?
Doris Aschenbrenner: Neben Verkehr und Arbeitsplätze werden die Digitalisierung und Industrie 4.0 wesentliche Schwerpunkte meiner Arbeit sein.

Warum Digitalisierung und Industrie 4.0?
Industrie 4.0 wird die Arbeitswelt verändern. Unsere Wirtschaft ist von einem starken Dienstleistungssektor und einer industriellen Automatisierung geprägt. Beim Letztgenannten haben uns andere Länder überholt. Industrie 4.0 versucht einen Aufholprozess. Es wird mir Spaß machen, als Politikerin meine Erfahrungen als Informatikerin bei den Prozessen und Veränderungen der Digitalisierung mit einzubringen.

Was bringt Industrie 4.0?
Diese vierte industrielle Revolution ist mit vielen Chancen verbunden. Abgesehen von der Vernetzung, Wettbewerbsfähigkeit kann man beispielsweise von nahezu überall aus arbeiten und seine Arbeitszeit weitgehend selbst bestimmen.

Aber es bleiben doch auch Menschen auf der Strecke?
Dass der Computer Arbeitsplätze wegnimmt, ist nicht nachweisbar. Sicher wird es zu "Qualifizierungsverschiebungen" kommen. Es wird zwei Arten von Menschen geben. Die einen werden den Computer programmieren und die anderen werden das ausführen, was der Computer vorgibt. Wir müssen uns politisch um beide kümmern.

Als Informatikerin, die derzeit im Bereich Robotik promoviert, hätten Sie doch ausgezeichnete Karrierechancen in der Industrie. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Politikerin zu werden?
Ich wollte schon immer die Welt verändern. Außerdem, so denke ich, macht es gerade im digitalen Zeitalter schon Sinn, wenn ich mich als Informatikerin in die Politik einmische. Ich weiß, wovon ich spreche.

Welche Themen sind für Sie speziell für Kronach wichtig?
Die Infrastrukturfrage. Der Ausbau der B 173 und die Ortsumgehung Pressig sind Riesenthemen. Und in Küps müssen wir die Anliegen der Anwohner ernst nehmen. Wir brauchen hier eine gemeinsame Lösung. Das erfordert unter anderem auch Gespräche mit der CSU. Aber ich bin sicher, dass bekommen wir hin. Des Weiteren muss auch die Ortsumgehung Pressig in den aktuellen Bundesverkehrswegeplan mit aufgenommen werden.

Das dürfte schwierig werden...
...aber es ist machbar. Ich habe da auch mit dem Vorsitzenden des Bundestagsverkehrsausschusses, Martin Burkert, einen starken Verbündeten an meiner Seite. Im Bereich der Schiene muss der Landkreis angebunden werden, beispielsweise durch eine IC-Halt in Kronach in Richtung Jena und Erfurt.

Wie schaut es denn mit der Bildungspolitik aus?
Hier ist eine wohnortnahe Beschulung notwendig. Deshalb halte ich ebenso wie SPD-Landratskandidat Norbert Gräbner an einer Schule im Norden fest. Ein gutes Modell wäre eine Gemeinschaftsschule.

Das Kultusministerium erachtet eine Gemeinschaftsschule aber als nicht machbar...
Das Kultusministerium macht manchmal seltsame Dinge. Letztlich ist es auch egal, wie man diese Bildungseinrichtung nennen wird. Für mich steht aber fest, dass die Staatsregierung gerade was die Bildungsmöglichkeiten im ländlichen Raum betrifft, reagieren muss.

Der Landkreis Kronach ist von energieintensiven Unternehmen geprägt, die Tausende von Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen. Angesichts der Tatsache, dass die Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, wird teilweise die Versorgungssicherheit infrage gestellt. Wie bewerten Sie die Situation?
Wir werden nicht im Dunkeln leben. Deutschland ist im Bereich regenerativer Energien gut aufgestellt. Bayern dagegen nicht. Es muss also Strom transportiert werden. Nun stellt im Frühjahr 2017 die Bundesnetzagentur den neuen Planungsentwurf für die Stromtrassen vor. Erst dann möchte ich mich dazu äußern. Ich bin aber sicher, dass es zu keinen Versorgungsengpässen kommen wird.

Rechnen Sie sich gute Chancen aus, über den Listenplatz in den Bundestag zu kommen?
Was heißt Listenplatz? Auch das Direktmandat ist möglich. Ich gehe davon aus, dass mich mein Netzwerk innerhalb der Bayern-SPD unterstützt.

Wie wollen Sie sich im Wahlkampf gegen die CSU und dort gegen Ihren direkten Konkurrenten Hans Michelbach behaupten?
Als Hans Michelbach von der CSU zum ersten Mal für den Bundestagswahlkreis Coburg/Kronach gewählt wurde, war ich Schülerin. Das ist lange her. Ob man sich so einen 80-Stunden-Job mit 70 Jahren noch zumuten will, das muss man selbst entscheiden. Ich wünsche mir, dass die Wähler in die Zukunft blicken und sich fragen, wer ihnen mehr bringt: Michelbach mit knapp 70 oder ich mit meinen 31 Jahren.

Hans Michelbach hat aber ein gutes Netzwerk vorzuweisen...
Das habe ich mir durch meine langjährigen politischen Erfahrungen und Ämter auch schon aufgebaut.

Sollten Sie nach der Wahlkreis gemeinsam im Bundestag sitzen...
...dann werden wir, wenn es um die Zukunft unseres gemeinsames Wahlkreises geht, zusammenarbeiten.

Im Gegensatz zu Ihrer Heimat in Rödental und Coburg sind Sie in Kronach noch ziemlich unbekannt. Nutzen Sie denn den Landratswahlkampf, um Ihren Bekanntheitsgrad zu steigern?
Ich schätze den SPD-Landratskandidaten Norbert Gräbner sehr, manchmal bin ich auch mit unterwegs. Aber eine richtige Wahlkampftour wird es erst nach der offiziellen Nominierung geben.

Wann wird die sein?
Voraussichtlich am 7. Oktober in Coburg.

Ihre Nominierung sorgt nicht bei allen Genossen für Begeisterung. Franziska Bartl hatte sich ebenfalls Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht...
Ich kann ihre Enttäuschung verstehen, aber inzwischen ist alles gut. Sie unterstützt mich.

Warum sollten denn die Bürger Sie wählen?
Ich bin jung und im Gegensatz zu Hans Michelbach bin ich hier geboren, hier zur Schule gegangen. Meine Familie lebt in Rödental. Ich bin mit der Region verwurzelt und ich glaube, ich habe vieles zu geben.

Lebenslauf von Doris Aschenbrenner:

Doris Aschenbrenner ist 31 Jahre alt. Geboren wurde sie in Coburg. Sie ging in Rödental und Neustadt zur Schule. An der Universität Würzburg machte sie ihren Abschluss zur Diplom-Informatikerin. Aktuell ist sie Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Seit 2005 SPD-Mitglied; 2007/8 im Bundesvorstand Juso Hochschulgruppen; von 2008 bis 2012 Bezirksvorsitzende der Jusos Unterfranken; seit 2011 netzpolitische Sprecherin der Bayern-SPD im Landesvorstand; 2013 im Kompetenzteam von Christian Ude; seit 2014 Themenpatin für den Bereich "Digitale Bildung" im netzpolitischen Programmbeirat der Bundes-SPD



Warum kein Kronacher SPD-Kandidat?
Das sagt SPD-Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann zur bevorstehenden Nominierung von Doris Aschenbrenner: "Die Entscheidung für Doris Aschenbrenner kam für die Kronacher SPD überraschend." Die Genossen seien aber nach einer ersten Vorstellungsveranstaltung in Schneckenlohe recht begeistert gewesen, sagt Moosmann. Sicherlich habe man sich im SPD-Kreisverband Kronach auch Gedanken über einen Kronacher Kandidaten für die kommende Bundestagswahl gemacht, da ja dieser Posten bereits in der Vergangenheit immer von Coburg aus besetzt wurde. Sicherlich hätte es auf den ersten Blick auch in unseren Reihen geeignete Kandidaten gehabt. Nach der Vorstellung von Doris Aschenbrenner habe man aber schnell feststellen müssen, dass niemand auf Kronacher Seite über ein solches Netzwerk wie Aschenbrenner verfügt. Es sei gut, so Moosmann, wenn nun frisches Blut in die SPD komme: "Doris Aschenbrenner wird neue und gute Ideen in die Politik einbringen."