Die Vereinsmitglieder wollen dazu beitragen, dass sanierungsbedürftige und häufig leer stehende Bauernhäuser, die für Oberfranken regional typisch oder bedeutsam sind, erhalten bleiben, sachgemäß saniert und möglichst einer Nutzung zugeführt werden.

Viele der alten Häuser stehen mittlerweile leer und verwahrlosen zunehmend. Am Ende verfallen die Gebäude, und die Region verliert einen Teil ihrer ländlichen Baukultur. Besonders die außergewöhnlichen Fensterschürzen, steinerne Schmuckformen im Mauerfeld unterhalb der Fenster, haben es Brigitte Trausch angetan. Nirgendwo in Franken gibt es eine solche Fülle barocker Kulturgüter wie im Bayreuther Land. Die meisten Betrachter schätzen den Wert der kostbaren Steinmetzarbeiten nicht. Im Gespräch mit dem Bayreuther Sonntag berichtet Brigitte Trausch über die Vereinsarbeit.

Welche Geschichte steckt hinter den außergewöhnlichen Fensterschürzen?
Brigitte Trausch: Nach dem Tod der Markgräfin Wilhelmine und dem Markgraf Friedrich wurde der Regierungssitz nach Ansbach verlegt. Später wurde die Markgrafschaft Bayreuth von Markgraf Alexander an Preußen verkauft. Damit kam es zum Stillstand der Bautätigkeiten und die hochqualifizierten Handwerker waren ohne Arbeit und Verdienst, durften aber die Markgrafschaft nicht verlassen. Eine Verordnung des Markgrafen verbot weiterhin Fachwerkhäuser zu bauen, um einerseits den Holzbestand zu schonen und andererseits die Brandlast an den Gebäuden zu reduzieren. Um die Fassaden zu verschönern, kreierten die Handwerker stattdessen Fensterschürzen.

Warum gibt es in der Region so viele Sandsteinhäuser?

Früher waren Bauern auch Besitzer von Sandsteinbrüchen, haben das Material gebrochen und verbaut. Unser Sandstein ist qualitativ besonders gut, rein und feinkörnig. Der Benker- und Lessauer-Sandstein wurde zum Beispiel beim Bau der Würzburger Residenz und der Kirche St. Denis in Paris verwendet.

Ab wann wurden Fensterschürzen gestaltet?

Die Fensterschürzen wurden etwa zwischen 1760 und 1850 angebracht. Dabei gestaltete man die "Schmuckfassade" zur Straße hin. Beispiele finden sich an den Ortsdurchfahrten Mistelbach und Ramsenthal.

Was ist das Besondere an den Fensterschürzen?
Die Schürzen sind leider fast vergessene Kunsthandwerkerarbeiten. Sie sind ortsbildprägend und regional typisch. Sie zeigen florale, figurale, berufsbezogene und christliche Motive und machen jedes Haus zu einer Besonderheit.