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Warum die Eishockey-Saison kurz vor dem Abbruch steht

Der Coronavirus und seine Folgen wirken sich immer mehr auf Vereine, Ligen und Verbände aus. Nach dem Veranstaltungsverbot der Bayerischen Staatsregierung könnte die Eishockey-Spielzeit auf einen Schlag vorbei sein.
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Eng gedrängt stehen die Fans der Bayreuth Tigers in der Kurve, doch es droht bald Leere im Eisstadion. Mit einem Zuschauerschnitt von 1770 fallen die Partien der Tigers unter das neue Veranstaltungsverbot der Bayerischen Staatsregierung. Foto: Peter Mularczyk
Eng gedrängt stehen die Fans der Bayreuth Tigers in der Kurve, doch es droht bald Leere im Eisstadion. Mit einem Zuschauerschnitt von 1770 fallen die Partien der Tigers unter das neue Veranstaltungsverbot der Bayerischen Staatsregierung. Foto: Peter Mularczyk

Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern sind bis 19. April wegen der Verbreitungsgefahr des Coronavirus' untersagt - diese Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung betrifft auch den Sport.

Gerade im Eishockey steht deshalb ein massiver Einschnitt an: Die Play-offs - die "schönste Zeit des Jahres" für Fans und Spieler - können nicht wie gewohnt ausgetragen werden. Das weiß auch Matthias Wendel. Doch auf Nachfrage heißt es am Dienstagnachmittag vom Geschäftsführer des DEL2-Vereins Bayreuth Tigers: "Kein Kommentar." Die Liga wolle sich am Mittwoch zu Maßnahmen erklären, danach werde auch er sich äußern.

Vier Optionen für den weiteren Spielbetrieb in den Eishockey-Ligen stehen wohl im Raum:

Die Saison wird unterbrochen und ab dem 20. April fortgesetzt.

Im Eishockey sind Jahresverträge eine Seltenheit. Es ist üblich, dass Spielerverträge kurz nach dem letzten Saisonspiel enden. Eine längere Saison heißt damit auch, dass die Spieler länger bezahlt werden müssen - bei einer Kadergröße von etwa 25 Mann ist das ein großer finanzieller Faktor.

Und dann sind da noch die Sportstätten. Der Bayreuther Sportamtsleiter Christian Möckel beziffert die Kosten für die Bereitstellung der Eisfläche auf 500 bis 1000 Euro täglich - "und da sind Personalkosten noch nicht eingerechnet". Die Tigers haben das große Glück, dass die Stadt Bayreuth die Hauptkosten für die Eisfläche trägt. Andere Vereine müssen selbst dafür aufkommen.

Fazit: Diese Option ist nicht realistisch. Der Etat vieler Eishockey-Vereine ist auf Kante genäht. Die entstehenden Kosten durch eine Saison-Verlängerung können sie nicht oder nur mit großer Mühe stemmen.

Die Spiele werden ohne Zuschauer ausgetragen.

Die Zuschauer sind für viele Vereine die Haupteinnahmequelle. Fallen die Einnahmen weg, drohen Finanzprobleme. Denn: Auch in diesem Szenario bleiben die laufenden Kosten für Spieler und Sportstätten. Eine Verkürzung der Play-off-Serien von Best of 7 oder Best of 5 auf Best of 3 würde die Kassen der Vereine zwar weniger belasten, doch dafür müssten die Ligen aufwendig ihre Durchführungsbestimmung ändern. Zudem droht bei Spielen ohne Zuschauern eine Wettbewerbsverzerrung. Beispiel Tigers: Sie treffen in der ersten Play-Down-Runde auf die Eispiraten Crimmitschau. Ihre Heimspiele müssen die Bayreuther ohne Unterstützung ihrer Fans austragen. In Sachsen - dort gilt noch kein Veranstaltungsverbot - wären Zuschauer dagegen erlaubt. Ein klarer Nachteil für die Tigers.

Fazit: Diese Option birgt zu viele Gefahren, finanziell werden einige Vereine an ihre Grenzen kommen. Es dürfen 999 Zuschauer die Spiele besuchen . Die gastgebenden Vereine verpflichten sich auf eine Zuschauerbeschränkung. So berichtet das Fachmagazin Eishockey-News, dass gerade in der Oberliga einige Vereine bei 1000 Zuschauern einen Vorverkaufsstopp vollzogen haben und ihre Spiele austragen wollen. Dieser Kniff hat einen gewissen Charme, doch immer noch versammelt sich eine große Menschenmenge. Der Plan, die Verbreitung des Coronavirus durch die Absage von Großveranstaltungen einzudämmen, wäre ad absurdum geführt. Zudem hat die Bayerische Staatsregierung bereits betont, dass sie großen Wert darauf legt, dass es beim Versammlungsgebot "keine Tricksereien" gibt. Fazit: Die Ligen werden ihren Teil dazu beitragen wollen, die Coronagefahr einzudämmen. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die Ligen auf Konfrontationskurs mit der Politik gehen.

Die Saison wird mit sofortiger Wirkung beendet.

Folge wäre, dass die Platzierungen der Hauptrunde in die Statistik eingehen. Der Auf- und Abstieg ist ausgesetzt - und das in allen deutschen Ligen. Eine Entscheidung, die gerade ambitionierten Teams nicht gefallen wird, doch bislang steht auch in den meisten Spielklassen kein Auf- oder Absteiger fest. Die Play-offs beziehungsweise -downs sind noch nicht oder gerade erst gestartet.

Fazit: Die sauberste Lösung, die die Ligen und der Deutsche Eishockey-Bund treffen können. Der finanzielle Schaden für die Vereine hält sich in Grenzen.

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