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Basketball

Carl Steiner: "Die Belastung ist nicht zumutbar"

Der Alleingesellschafter von Medi Bayreuth sieht in der geplanten Bundesliga-Fortsetzung Chancen, aber auch große Risiken. Während für Bayreuth die Saison beendet ist, spielt Brose Bamberg weiter - der Bindlacher nennt Motive.
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Auf eine freundliche Umarmung mit Medi-Trainer Raoul Korner (links) nach einem Bayreuther Heimsieg muss Carl Steiner (rechts), Alleingesellschafter der Spielbetriebsgesellschaft von Medi Bayreuth, in den nächsten Monaten auf jeden Fall verzichten.  Foto: Archiv/Peter Kolb
Auf eine freundliche Umarmung mit Medi-Trainer Raoul Korner (links) nach einem Bayreuther Heimsieg muss Carl Steiner (rechts), Alleingesellschafter der Spielbetriebsgesellschaft von Medi Bayreuth, in den nächsten Monaten auf jeden Fall verzichten. Foto: Archiv/Peter Kolb

"Die ganze Welt wird auf uns schauen." Diese Meinung vertritt zumindest Gunnar Wöbke, Geschäftsführer der Fraport Skyliners, im Hinblick auf das im Juni geplante Turnier der Basketball-Bundesliga. Zehn Mannschaften sollen an einem Standort zusammenkommen und ohne Zuschauer in einem modifizierten Play-off-Modus den deutschen Titelträger ausspielen. Die sieben übrigen Bundesligisten haben entschieden, die Saison nicht zu beenden.

Die beiden oberfränkischen Vertreter, Brose Bamberg und Medi Bayreuth, sind dabei unterschiedliche Wege gegangen. Die Bayreuther sind ihrem anfänglichen Kurs treu geblieben und sich gegen eine Saisonfortsetzung entschieden, während die Bamberger sich öffentlich lange Zeit für einen Saisonabbruch aussprachen, nun aber doch weitermachen. Einen umfassenden Einblick in beide Vereine hat Carl Steiner. Der Bindlacher ist Alleingesellschafter der Spielbetriebsgesellschaft von Medi Bayreuth, sitzt aber auch im fünfköpfigen Aufsichtsrat von Brose Bamberg.

Herr Steiner, die Entscheidung von Medi Bayreuth, als eines von sieben Teams die Saison nicht fortzusetzen, kam im Gegensatz zu anderen Mannschaften nicht überraschend. Gab es nach der Bekanntgabe trotzdem auch kritische Stimmen zur Entscheidung des Vereins?

Carl Steiner: Ich habe keine wahrgenommen. Sowohl in meinem persönlichen Umfeld als auch in den Sozialen Medien habe ich nur Zustimmung vernommen.

Die Mehrheit in Form von zehn Mannschaften hat sich anders entschieden und möchte die Saison fortsetzen. Was sagt diese Spaltung über die Basketball-Bundesliga aus?

Das zeigt, wie unterschiedlich die Bedürfnisse sind und die Situation von den Vereinen bewertet wird. Wir in Bayreuth haben von Anfang an eine klare Position eingenommen, und der Verein vertritt diese Werte dann auch konsequent. An erster Stelle steht für uns die Gesundheit. Und da geht es nicht nur um Corona, sondern auch um drohende Verletzungen von Spielern. Die Belastung von zehn bis 15 Spielen in drei Wochen ist ohne eine richtige Saisonvorbereitung nicht zumutbar. Das ist ein Thema, das mir zu wenig diskutiert wird. Andere Vereine vertreten da andere Werte als Medi Bayreuth und stellen eher wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund. Dahingehend ist der Kompromiss, den die Liga gefunden hat, schon gut.

Während die Motive von den Topteams wie Bayern München und Alba Berlin, die Saison zu beenden, auf der Hand liegen, ist das bei Mannschaften wie Göttingen oder Crailsheim weniger ersichtlich. Was erhoffen sich Ihrer Meinung nach solche kleinen Standorte von einer Fortsetzung?

Eine Platzierung zu erreichen, die sie unter normalen Umständen nicht schaffen würden beziehungsweise nie mehr die Chance dazu bekommen werden. So hat es ja auch Martin Romig, Geschäftsführer der Crailsheim Merlins, begründet. Und das ist ja auch irgendwie verständlich.

Für Medi Bayreuth aber kein schlagendes Argument, auch in Hinblick auf die internationalen Plätze?

Nein, das war für uns kein entscheidendes Kriterium. Aber da hat jeder Verein seine eigenen Motive. Alba Berlin etwa muss die Saison beenden, um wieder an der Euroleague teilnehmen zu können und auch für Brose Bamberg war der internationale Wettbewerb letztlich eine der Grundlagen für die Entscheidung, die Saison fortzusetzen.

Inwiefern?

Wenn die Bamberger nicht weiterspielen, würden sie aus den Qualifikationsplätzen der Champions League fallen. Da wollte man sich auch eine bessere Ausgangsposition für die nächste Saison schaffen und hofft natürlich auch auf positive wirtschaftliche Auswirkungen. Wie groß diese ausfallen werden, ist natürlich noch nicht absehbar, da ja noch gar nicht sicher ist, ob das Turnier stattfinden darf. Da muss man jetzt die Entscheidungen der Politik Anfang Mai abwarten, ob in Bayern in Kürze wieder in einer Halle trainiert werden darf.

Haben Sie Ihre Argumente gegen eine Saisonfortsetzung, die Sie als Alleingesellschafter der Spielbetriebsgesellschaft von Medi Bayreuth vorgebracht haben, auch im Aufsichtsrat von Brose Bamberg dargelegt?

Ja, das sind ja Begründungen übergeordneter Art. Das Verletzungsrisiko beispielsweise ist in Bamberg auch nicht anders als in Bayreuth einzuschätzen. Aber letztlich wurde im Aufsichtsrat von Brose Bamberg ein Konsens zur Weiterführung der Saison gefunden.

Die Liga und einige Vereine bringen ja auch immer wieder das Argument "TV-Gelder" an. Medi Bayreuth wird nach dem Verzicht nun zumindest eine Teilsumme davon entgehen ....

Wenn man dünne Argumente hat, muss man eben solche anführen. Die TV-Gelder (Anm. d. Red.: Laut Infos des Fachmagazins "Big" 250 000 Euro pro Saison, aufgeteilt in drei Raten) spielen in der BBL eine untergeordnete Rolle, ganz anders als beim Fußball. In Bayreuth ging es von Anfang an nur darum, als Verein zu überleben. Und dafür mussten wir zügig die laufenden Kosten reduzieren, um die Liquidität sicherzustellen.

Mit einem offenen Brief haben Sie sich vor zwei Wochen an die Unterstützung der Partner und Fans in Bayreuth appelliert. Wie fällt das Feedback bisher aus?

Grandios. Es gab bisher nur ganz wenige Anfragen von Fans, die sich gemeldet haben und das Geld für gekaufte Tickets zurückverlangt haben. Ein Beispiel: Für das Heimspiel gegen Cluj im FIBA Europe Cup, das wir kurzfristig als Geisterspiel austragen mussten, haben wir 1700 Karten verkauft. Nur zehn Leute haben Geld zurückgefordert. Auch unsere Sponsoren stehen zu uns. Auch weil wir von Anfang an mit offenen Karten gespielt und klar gemacht haben, dass wir keine Geisterspiele bestreiten werden, nur um die rechtliche Form der Verträge zu erfüllen.

Als einer der wenigen Basketball-Funktionäre in Deutschland kamen Sie ja mit der angesprochenen Partie gegen Cluj bereits in den "Genuss" von Geisterspielen. Wie hat es sich von draußen angefühlt?

Sehr eigenartig. Auch wenn für mich solche "Closed Games", wie sie auch in der Saisonvorbereitung stattfinden, nichts Ungewohntes sind. Aber andere Personen in der Halle haben so etwas zum ersten Mal erlebt und fanden es richtig gruselig.

Eine Einschätzung, die die Vorfreude auf das geplante Zehner-Turnier der Basketball-Bundesliga nicht unbedingt verstärkt. Glauben Sie, dass dieses Turnier - wenn es denn stattfindet - dem Basketball in Deutschland einen nachhaltigen Schub geben kann?

Es ist legitim, einen Versuch zu starten, sich als Sportart Nummer 2 in Deutschland zu etablieren und sich vielleicht einen Vorteil gegenüber Eishockey und Handball zu verschaffen. Insbesondere wenn die öffentlich-rechtlichen Sender etwas von dem Turnier übertragen, kann der Basketball profitieren. Aber die Risiken sind genauso groß. Stellen Sie sich vor, ein beteiligter Spieler sollte sich mit Corona infizieren und das Turnier muss abgebrochen werden. Das wäre ein Fiasko und würde die Liga in der Öffentlichkeit lächerlich aussehen lassen.