Bayreuth
Sicherheit

Sind Unfälle mit E-Autos gefährlich?

Noch sind wenige unterwegs. Doch wenn die Zahl der Elektrofahrzeuge steigt, werden diese häufiger in Unfälle verwickelt. Die Bergung kann aufgrund der verbauten Hochvoltnetze lebensgefährlich sein. Hysterie ist nicht angebracht, Vorsicht schon.
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Kfz-Ausbildungsmeister Gerhard Schmökel zeigt im Ausbildungszentrum der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth, worauf man beim E-Auto achten muss. Foto: HWK
Kfz-Ausbildungsmeister Gerhard Schmökel zeigt im Ausbildungszentrum der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth, worauf man beim E-Auto achten muss. Foto: HWK

Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall auf ein Elektroauto zu treffen, steigt. Vor allem in Bayern. Hier fahren im Ländervergleich mit mehr als 20 000 Fahrzeugen beinahe ein Viertel der deutschen, elektrisch betriebenen Pkw.

Die Technik stellt vor allem die Einsatzkräfte und Retter vor neue Herausforderungen. Denn im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor lauert hier eine ganz andere Gefahr: eine Hochvoltanlage.

400 Volt

"Ohne die hohe Spannung würde man die elektrische Leistung für den Motor nicht erzeugen können", erklärt Gerhard Schmökel, Kfz-Ausbildungsmeister bei der Handwerkskammer für Oberfranken in Bayreuth. Man müsse die Leute erst für die Hochvolttechnik sensibilisieren. "In den vergangenen 100 Jahren musste die Batterie nicht den Motor antreiben", sagt Schmökel. Die Batterien hatten Spannungen von zwölf oder 24 Volt. Beim E-Auto gebe es dagegen je nach Modell eine Spannung von in der Regel rund 400 Volt. Wer damit in Berührung kommt, könnte tot umfallen.

Erste Hilfe ohne erhöhte Gefahr

Laut Berufsgenossenschaft können Spannungen von mehr als 30 Volt Wechselspannung (AC) beziehungsweise 60 Volt Gleichspannung (DC) auf den menschlichen Körper gefährliche Auswirkungen haben.

Angst haben müssen Autofahrer dennoch nicht. Alle E-Autos, die eine Zulassung bekommen, müssen gesetzliche Anforderungen erfüllen. Sie müssen "eigensicher" ausgelegt sein. Dies ist dann der Fall, wenn der Stromfluss der Batterie unterbunden wird, sobald im System ein Defekt auftritt. Dadurch sei Erste Hilfe auch bei einem Elektroauto ohne erhöhte Gefahr möglich, sagt Kfz-Ausbilder Schmökel. "Was aber immer ein Problem ist: Wenn die Hochvoltbatterie in Brand gerät. Lithium-Ionen-Batterien lassen sich schlecht löschen." Sie bestünden aus vielen einzelnen Batteriezellen, so dass es Kurzschlüsse und eine Kettenreaktion gebe.

"Noch keine Erfahrungen"

Wer auch noch aufpassen müsse, seien Feuerwehrleute. "Beim Einsatz der Rettungsschere kann es gefährlich werden", sagt der Kfz-Ausbildungsmeister.

"Wir hatten noch keinen solchen Fall, insofern haben wir damit auch noch keine praktischen Erfahrungen", berichtet Andreas Sehrig, Abteilungsleiter Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Bamberg. Auch bei der Berufsfeuerwehr in Würzburg ist der Ernstfall noch nicht eingetreten. "Da war noch nichts Relevantes", sagt Karl Vornberger von der Abteilung Gefahrenabwehr der Berufsfeuerwehr. Gleichwohl seien die Feuerwehrleute bestens darauf vorbereitet. Schon in der Grundausbildung stünden die Gefahren der Elektrotechnik auf dem Unterrichtsplan. Auch Wasserstoff werde da geschult.

"Das ist ein sehr hochgehaltenes Thema", sagt Stephan Brust von der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg, die in erster Linie die freiwilligen Feuerwehren in der Region aus- und fortbildet. "Wir spezialisieren uns aber nicht auf die E-Autos, sondern arbeiten mit allen Antriebsarten."

Was die E-Autos angeht, so werde es "aber verstärkt sein, dass wir Datenblätter brauchen", sagt Berufsfeuerwehrmann Vornberger.

Das sieht auch Kfz-Ausbildungsmeister Schmökel so. "Die Feuerwehr sollte Rettungskarten haben, die für jeden Typ existieren." Bei neueren Fahrzeugen sei im Tankdeckel ein QR-Code angebracht. Auf solchen Karten ist genau vermerkt, wie die jeweiligen Hochvoltnetze laufen und an welcher Stelle man das System abschalten kann. "Unser Vorschlag von der Handwerkskammer ist seit langem, dass die Hersteller eine Rettungskarte stets hinter der Sonnenblende anbringen", sagt der 47-Jährige.

Crash-Test: E-Autos sind zuverlässig

Und wo schaltet man ein Hochvoltsystem ab? "An der Batterie oder im Sicherungskasten", sagt Schmökel. Der "Notschalter" sei in der Regel ein großer Stecker, den auch der Servicetechniker in der Werkstatt nutze. "Bei einer Rettungsaktion kann man auch über die 12-Volt-Relais gehen, dadurch sollte das System ebenfalls abgeschaltet sein", sagt Schmökel.

Laut dem jüngsten Crash-Test der Dekra stehen Elektrofahrzeuge vergleichbaren konventionell angetriebenen Fahrzeugen bei der Sicherheit in nichts nach. Die Tester hatten einen Renault Zoe und drei Nissan Leaf gecrasht. Das Hochvoltsystem sei beim Crash zuverlässig abgeschaltet worden, und trotz massiver Deformation der Antriebsbatterie sei es in keinem Fall zu einem Brand gekommen. Auch Gerhard Schmökel sieht von E-Autos keine Probleme ausgehen: "Ich glaube nicht, dass die viel gefährlicher sind als andere."

Hände weg von allen orangefarbenen Leitungen

Elektro-Autos laufen - anders als bisherige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und 12-Volt-Batterie - unter Hochspannung. Das wirft Fragen auf: Muss ich Angst haben, wenn ich bei einem Unfall mit einem E-Auto helfen will? Nein. Laut ADAC wird der Stromfluss in der Regel sofort unterbrochen, wenn der Airbag ausgelöst wird, so dass Erste Hilfe auch hier ohne Eigengefährdung möglich ist. Wie ist das bei einer Panne? Arbeiten an Hochvoltkomponenten dürfen nur Personen ausführen, die dafür ausgebildet sind. Man sollte also auf den Fachmann oder die Expertin der Pannenhilfe warten. Grundsätzlich gilt: Hände weg von allen Leitungen, die mit orangefarbener Isolierung ummantelt sind - da beträgt die Spannung rund 400 Volt. Erkenne ich E-Autos immer am "E" am Ende des Nummernschildes? Nein, leider nicht. Das E-Kennzeichen wurde Mitte 2015 eingeführt, um Besitzern von Elektroautos zusätzliche Privilegien einzuräumen, ähnlich dem "H" bei Oldtimern. Eine Pflicht für so ein Kennzeichen gibt es nicht. Ebensowenig erkennt man E-Technik am fehlenden Auspuff. Jedes Hybrid-Auto hat einen, und bei vielen Verbrennern sieht man ihn nicht, weil er unter der Heckschürze verdeckt ist. Wie hoch ist das Risiko eines Brandes? Vergleichsweise gering, heißt es beim ADAC. Allerdings kann sich die Lithium-Ionen-Batterie, ähnlich dem Tankinhalt eines Benziners, leicht entzünden. Gefährlich ist es, wenn die Batterie verformt wird und es zu einem Kurzschluss kommt. Dann fließt die ganze Zeit Strom und Zelle für Zelle überhitzt. Die Hersteller haben deshalb die Batterie in der Fahrzeugmitte verbaut, wo eine Verformung bei Unfällen kaum vorkommt.

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