Bayreuth
Kriminalität

Räuber werden immer dreister: Die neuen Tricks der Diebe

Wohnungseinbruch am helllichten Tag oder Diebstahl von Autos mit Keyless-System - die Täter werden unverfrorener und technisch ausgefuchster.
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Foto: Frank Rumpenhorst, dpa
Foto: Frank Rumpenhorst, dpa
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Die Statistik verbreitet ein Gefühl der Sicherheit. Derzufolge sinkt nämlich seit einigen Jahren die Zahl der Straftaten bayern- wie bundesweit. Zum Beispiel bei Wohnungseinbrüchen. Im Vergleich zum Jahr 2016 sank die Zahl solcher Einbrüche im Freistaat 2017 um 19,2 Prozent. Das liest sich zunächst gut. Aber Vorsicht: Es gibt regionale Unterschiede. Und es gibt Straftäter, die bei Raub und Diebstahl immer dreister vorgehen. Jüngstes Beispiel: In Bamberg fuhren vier Männer mit einem gestohlenen Geländewagen rückwärts in ein Juweliergeschäft, um sich hier zu bedienen.

Was den Einbruch in Häuser und Wohnungen angeht, so entwickelte sich Oberfranken zuletzt gegen den bayernweiten Trend. Anders als in allen anderen Regierungsbezirken nahm hier die Zahl der Einbrüche im Jahr 2017 um 7,8 Prozent zu. Neuere Zahlen liegen derzeit noch nicht vor. Damit hat sich Oberfranken auch gegen den bundesweiten Trend entwickelt. "Wir gehen davon aus, dass es auch 2018 weiter zurückgegangen ist", sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Doch wenn sie zuschlagen, werden die Täter immer dreister, kommen mitunter bereits in den Nachmittagsstunden.

Keyless-System sehr anfällig

Noch brisanter entwickelten sich die Zahlen bei den Autodiebstählen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Autodiebstähle in Oberfranken gleich um 35,5 Prozent. Dabei wurden Fahrzeuge mit dem sogenannten Keyless-Komfortsystem (Entriegeln und Starten ohne Benutzen eines Schlüssels) immer häufiger das Ziel der zumeist professionellen Autodiebe. Dabei greifen die Langfinger die Signale der meist nahe der Haustür abgelegten Schlüssel ab und verlängern sie zum geparkten Fahrzeug. Sie müssen dann nur noch einsteigen und losfahren.

"Fahrzeughersteller in der Pflicht"

In Mittelfranken sank zwar die Zahl entwendeter Autos 2017 gegenüber dem Vorjahr um 16,9 Prozent, dafür wurden hier jedoch allein 50 Fahrzeuge gestohlen, die mit einem solchen Keyless-Komfortsystem ausgestattet waren. Als "besonders beliebt " bei den Dieben erwiesen sich dabei Fahrzeuge der Marken Audi, BMW und Daimler.

Ähnlich das Bild für Unterfranken: Verglichen mit dem Jahr 2016 stieg auch hier die Zahl entwendeter Autos von 214 (2016) auf 237 (2017). In 17 Fällen waren die Kraftwagen mit einem Keyless-Schließsystem ausgestattet.

"Die Fahrzeug-Hersteller sind in der Pflicht: Ein teureres Schließsystem darf nicht deutlich einfacher zu knacken sein als die Serien-Funk-Fernbedienung", fordert daher der ADAC. Alufolie um den Schlüssel zu wickeln, sei keine zuverlässige Abhilfe, denn die Folie schirme nicht immer zuverlässig ab und könne durch die Zacken anderer Schlüssel beschädigt werden. Blechdosen oder Etuis würden die Funkwellen ebenfalls nicht immer abschirmen.

Besser darauf verzichten

Wer ein Fahrzeug mit Keyless-Schließsystem besitzt, sollte - Komfort hin oder her - in der Betriebsanleitung nachsehen (oder in der Werkstatt nachfragen), ob es sich deaktivieren lässt, rät der ADAC. Dann sei es mit der beschriebenen Methode meist nicht zu knacken.

Mittlerweile gibt es aber Fortschritte. Einige Fahrzeugtypen, z.B. der neue Land Rover Discovery, verwenden Computer-Chips mit der Ultra-Wide-Band-Technik (UWB). Diese können laut ADAC aus der Laufzeit der Funksignale sehr präzise die Entfernung des Schlüssels zum Auto ermitteln. Bei Verwendung eines Funk-Verlängerers reagiert das Auto nicht mehr. Das betrifft jedoch nur die neuesten Modelle.



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