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Nazi-Aussteiger nehmen Nikitin-Skandal wahr

Der Skandal um den russischen Opernsänger Evgeny Nikitin im Vorfeld der Bayreuther Festspiele wird auch in der Nazi-Aussteigerszene wahrgenommen. Diese Einschätzung äußerte Martin Becher, Leiter der landeskirchlichen Projektstelle gegen Rechtsextremismus (Bad Alexandersbad), am Dienstag.
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Archivfoto: Claudia Levetzow dpa/lby
Archivfoto: Claudia Levetzow dpa/lby
Wegen umstrittener Tätowierungen hatte Nikitin am vorigen Wochenende sein Engagement in Bayreuth vorzeitig gekündigt, wo er die Titelrolle in der aktuellen Neuinszenierung der Oper "Der fliegende Holländer" singen sollte. Dem Russen, der früher Mitglied einer Black-Metal-Band war, wird vorgeworfen, neben germanischen Runen ein Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust getragen zu haben; diese Tätowierung ist heute von einem großflächigen anderen Bild überdeckt.

Nach den Worten Bechers gibt es zwischen der Metal-Szene und Neonazis zwar Überschneidungen, aber keinen zwangsläufigen Zusammenhang. In beiden "Subkulturen" seien Tätowierungen ein Zeichen für eine "Ununmstößlichkeit der eigenen Überzeugung". Die echte Gesinnung eines Menschen lasse sich jedoch nicht allein am Äußeren ablesen: "Das kann man nur im Gespräch, durch Äußerungen und durch Handeln erkennen", sagte Becher.

Wenn sich frühere Mitglieder der rechtsradikalen Szene später solche Tattoos wieder entfernen lassen wollten, "kann das einen Wandel bedeuten, muss es aber nicht". Wichtig sei, die Betroffenen auf ihrem Weg in die Gesellschaft zu begleiten. Man könne nicht sicher sein, ob nicht durch eine bestimmte Lebensphase oder bestimmte Ereignisse wieder ein Wandel zurück in die alten Einstellungen passiere.

Mittlerweile hat sich Evgeny Nikitin erstmals nach dem Eklat in Bayreuth öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. In einem Interview, das die "Deutsche Welle" am Dienstag auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat, bestreitet der Sänger nachdrücklich den Vorwurf, dass es sich bei der umstrittenen Tätowierung um ein Hakenkreuz gehandelt habe. "Das sollte ein achteckiger Stern werden, mit einem Wappen in der Mitte. Das Wappen habe ich mir selbst ausgedacht", wird Nikitin zitiert. Während der Entstehung des Tattoos, die sich über mehrere Etappen erstreckt habe, "hätte man mit viel Fantasie die künftigen Strahlen dieses Sterns als Teile eines Hakenkreuzes interpretieren können", heißt es in dem Interview. Nikitin bekräftigt darin erneut, "nie im Leben" Anhänger einer politischen Partei gewesen zu sein. "Auch der neue 'russische Faschismus' ist mir verhasst. Ich bin ein Künstler, ein Opernsänger, kein Neonazi."
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