Fichtelberg
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Mitarbeiterin sexuell belästigt - nun muss sie Arbeitsplatz verlassen

Eine 48-jährige Fichtelbergerin, die von einem Gemeinderatsmitglied belästigt wurde, erhält im Rathaus eine neue Aufgabe. Die Betroffene empfindet das als Degradierung, der Erste Bürgermeister versteht hingegen die Aufregung nicht.
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Symbolbild: Christopher Schulz
Symbolbild: Christopher Schulz
Tagelang war der idyllische Kurort Fichtelberg in diesem Sommer in den Schlagzeilen. Ende Juli drehte sich alles um die "Fummel-Affäre", auf den Straßen gab es kein anderes Thema mehr.

Dem ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister Rudolf E. wurde vorgeworfen, einer Rathaus-Mitarbeiterin mehrfach in den Pullover und in den Ausschnitt gegriffen und sogar die Hose vor ihr heruntergelassen zu haben. Bereits im Januar hatte Astrid S. Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin wegen exhibitionistischen Handlungen.

Ein Strafbefehl akzeptierte der 71-Jährige, der seit 1984 dem Fichtelberger Gemeinderat angehört, zunächst nicht. Kurz vor der Gerichtsverhandlung zog er den Einspruch jedoch zurück und akzeptierte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen. "Die Affäre soll nicht weiter ausgeschlachtet werden. Ich will mich und meine Familie schützen", begründete er damals gegenüber unserer Zeitung.

Frau fühlt sich "gemobbt"

Anschließend wurde es wieder ruhiger in Fichtelberg. Bis jetzt. Wie der Nordbayerische Kurier erfuhr, wird die 48-Jährige versetzt. Aus der Sekretärin des Bürgermeisters soll eine Mitarbeiterin im Tourismusbüro werden. Fichtelbergs Erster Bürgermeister Georg Ritter relativiert: "Frau S. wurde nicht versetzt. Sie wurde im Rahmen der innerbetrieblichen Umstrukturierung in ein anderes Sachgebiet, das Fremdenverkehrsamt, bei gleicher Eingruppierung umgesetzt."

Auch die im Kurier veröffentlichten Aussagen der Frau, wonach sie "die Welt nicht mehr versteht", weil Rudolf E. im Rathaus immer noch "ein und ausgeht", will Ritter so nicht stehen lassen. "Das Gemeinderatsmitglied kommt natürlich zu den Sitzungen des Gemeinderates. Ansonsten habe ich ihn seit dem 1. Mai nur einmal hier im Rathaus angetroffen. Ich denke nicht, dass man das als ein und aus gehen bezeichnen kann."
Den Ersten Bürgermeister irritiert darüber hinaus, dass sich Astrid S. "gemobbt" fühlt und den neuen Arbeitsbereich als Degradierung empfindet, wie es die 48-Jährige gegenüber dem Kurier formuliert hat. "Ich kann mir nicht vorstellen, warum sie sich hier gemobbt fühlt. Deshalb werde ich zu dieser Sache versuchen mit Frau S. zu sprechen, bevor ich öffentlich dazu Auskunft geben kann", sagt Georg Ritter.
Rudolf E. hatte die Vorfälle damals gegenüber unserer Zeitung bestritten. Unter anderem sagte er, dass er sich nicht entblößt hatte, sondern ihm beim Bücken das Hemd aus der Hose gerutscht sei.

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