Bayreuth

Medientipp Juni

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Margaret Atwood: MadAddam-Trilogie

Bd. 1 Oryx und Crake (2003)

Bd. 2 Das Jahr der Flut (2009)

Bd. 3 Die Geschichte von Zeb (2014)

Auch wenn diese Romane keine Neuheiten sind, lohnt sich die Lektüre unbedingt! Mit ihrer dystopischen Trilogie, die sie über einen Zeitraum von 11 Jahren veröffentlichte, bewies die 1939 geborene, kanadische Autorin Margaret Atwood einmal (bzw. dreimal) mehr, dass sie eine wahrhaft hellsichtige Autorin ist. Hellwach verfolgt sie neue Entwicklungen in den Naturwissenschaften, in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, spinnt sie weiter und zeigt eine mögliche Zukunft auf, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Ins Grübeln kommen die Leser*innen von ganz allein.

Erzählt wird die Geschichte des genialen, aus vernünftiger Sicht irren (Bio-)Wissenschaftlers Crake, der versucht, die Menschheit, die es seiner Ansicht nach nicht verdient hat, auf dieser Erde zu leben, mittels einer selbst entwickelten Seuche auszurotten und durch seine eigene Schöpfung zu ersetzen: völlig naive, gutmütige, menschenartige Lebewesen, im Labor erzeugt, die Craker (hier erlangt das Wort ?Genesis? eine völlig neue Bedeutung). Die Möglichkeit dazu erhielt er durch seine Arbeit in konzerneigenen Laboren. Diese Konzerne beherrschen mehr oder weniger die (reiche, lebenswerte) Welt, unterhalten eine eigene Polizei, mit der sie ihr vermeintliches Recht durchsetzen, und beherrschen die übrige Gesellschaft, die im sog. Plebsland außerhalb der Konzerngelände wohnt. Essen (Fleisch) wird in der Petrischale gezüchtet ? unlängst präsentierte übrigens auch in der Realität ein Wissenschaftler ein ähnliches Forschungsergebnis.

Erzählt wird aber auch die Geschichte der ?Gärtner?, die versuchen, die Zeit des Chaos, also der großen Umwälzungen zu überleben, indem sie eine Art biologisch-vegetarischer Sekte bilden. Dieser Erzählstrang setzt sich fort im letzten Band, der nach der großen Katastrophe, also der Seuche handelt, die beinahe alle Menschen ausgelöscht hat. Einige der ?Gärtner? haben überlebt, ebenso einige ehemalige Bioterroristen und natürlich die Craker. Die Zukunft der Menschheit bleibt ungewiss.

All das ist kein Science Fiction im üblichen Sinne, auch kein Horror, sondern große Literatur, sowohl die Personenzeichnungen betreffend, als auch den Aufbau der Geschichte und die sprachliche Kunst der Autorin. Erstaunlich z.B. wie M. Atwood im letzten Band die Technik der Leichten Sprache einsetzt, wenn die letzten Menschen den Crakern Geschichten erzählen (müssen).

Genreleser*innen sind hier nicht falsch, aber es wäre schade, wenn die Bücher darüber hinaus keine Verbreitung fänden.

Also vertrauen Sie mir und wagen Sie einen Blick in eine Zukunft, wie sie aussehen könnte, wenn alles so weiterläuft, wie bisher.

Standort in der Bibliothek: 2. Obergeschoss bei den Romanen unter Fantastisches ? Science Fiction A.

Diesen Tipp erhielten Sie von Bibliotheksleiter Jörg Weinreich.

Titelbild der Box "The Maddaddam Trilogy"


Dieser Inhalt wurde erstellt von Stadt Bayreuth
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