Bad Berneck im Fichtelgebirge
Diskriminierung?

Oberfranken: Gastwirt lehnt Behinderte während Festspielzeit ab

Eine Pension in Bad Berneck im Fichtelgebirge lehnte eine Gruppe von Menschen mit Behinderungen ab. Die Begründung: Sie seien "während der Festspielzeit nicht so recht". Die Wirtsleute weisen dagegen die Vorwürfe der Behindertenfeindlichkeit von sich.
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Mit der Begründung, dass sie die Festspielgäste stören würden, lehnte ein Gastwirt in Bad Berneck eine Gruppe Behinderter ab. Symbolfoto: pixabay/SGENET
Mit der Begründung, dass sie die Festspielgäste stören würden, lehnte ein Gastwirt in Bad Berneck eine Gruppe Behinderter ab. Symbolfoto: pixabay/SGENET

"Während derFestspielzeit ist uns das nicht so recht. Unsere Gäste sind da etwas etepetete," soll der Gastwirt aus Bad Berneck zu Betreuer Martin Schnobrich gesagt haben. Der 43-Jährige organisiert ehrenamtlich eine Online-Selbsthilfegruppe für Menschen, die an der Bewegungsstörung Dystonie leiden. Für ein Treffen mit drei Mitgliedern und deren Lebenspartnern am vorletzten Augustwochenende sollte eine Übernachtungsmöglichkeit her.

Von einigen Pensionen habe er direkt eine Absage erhalten, weil sie ausgebucht seien - "ob das stimmt, sei dahingestellt" -, andere lehnten ihn ab, weil es Probleme mit der Barrierefreiheit geben könnte - "das akzeptiere ich auch noch, aber der Satz hat mich richtig geschockt", sagte Schnobrich gegenüber inFranken.de, "andererseits erfinden viele andere wahrscheinlich Ausreden."

Wirtin: "Legen Wert auf gute Atmosphäre"

"Wir möchten während der Festspielzeit unseren Gästen gerecht werden, daher achten wir auf eine homogene Struktur", sagte die Wirtin der Pension, die nicht namentlich genannt werden möchte. Während der Festspielzeit nehme man aus diesem Grund auch keine Familien mit Kindern oder Handwerker auf. Diese würden in der Regel früher aufstehen als die Festspielgäste, die ihrerseits erst spät nachts aus Bayreuth zurückkämen - für das Personal wäre das nicht zu stemmen. "Wenn die Mehrheit andere Ansprüche hat, passt das nicht zusammen. Wir sind eine sehr kleine Pension, da legen wir Wert auf eine gute Atmosphäre." Dabei ginge es nicht um Vorurteile gegenüber Behinderten.

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Ihr Mann, mit dem sie die Pension führt, hatte nach eigenen Angaben Schnobrich beim Telefonat im April angeboten, für einen Termin ab September die Räume zu besichtigen, um zu beurteilen, ob das Gebäude mit den steilen Treppen und hohen Einstiegen in die Duschen für seine Gruppe zu bewältigen wären. Als Hotelier sehe er Behinderten gegenüber schließlich eine gewisse Fürsorgepflicht. Schnobrich habe das Angebot nicht angenommen, stattdessen hätten Personen aus seinem Bekanntenkreis fingierte Google-Bewertungen für die Pension abgegeben. Die Wirtsleute hatten deswegen schon einen Rechtsanwalt einschalten wollen.

Behindertenbeauftragter: "Nicht zu tolerieren"

Während sich die Wirtin auf ihr Hausrecht beruft, schilderte Klaus Scherer, Behindertenbeauftragter im Landratsamt Bayreuth, die Lage auf Anfrage von inFranken.de folgendermaßen: Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürften Menschen mit Behinderung bei der Erlangung von öffentlich angebotenen Dienstleistungen, wie zum Beispiel in der Hotellerie oder Gastronomie, nicht abgewiesen werden, wenn sie vielleicht nicht der Normvorstellung einzelner Gäste entsprächen. Die baulichen Defizite würden zwar "sicherlich die Aufnahme von Menschen mit Behinderung nicht beziehungsweise nur bedingt ermöglichen." Eine generelle Absage sei jedoch nicht zu tolerieren, so Scherer.

Die Selbsthilfegruppe kam letzten Endes in einem Gasthof bei Gefrees unter. "Das war völlig unkompliziert, die haben sofort zugesagt", erzählte Schnobrich. Die Wirtsleute seien sehr hilfsbereit gewesen und sogar bei einem Grillfest mit fast 100 Gästen habe sich niemand beschwert.



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