Bayreuth

Gedenken an Bombardierungsopfer

Am heutigen Volkstrauertag wird traditionell der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft gedacht. Ein ganz besonderes Ehren- und Mahnmal befindet sich am Bayreuther Stadtfriedhof: Dort wird 70 Opfern der Luftangriffe auf Bayreuth am 5., 8. und 11. April 1945 gedacht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das zerstörte Bayreuth nach den Luftangriffen: Im Vordergrund der Markt,  dahinter der Luitpoldplatz mit Bahnhofstraße und rechts die Ruine des ausgebrannten Alten Schlosses.    Foto: Archiv Bernd Mayer-Stiftung
Das zerstörte Bayreuth nach den Luftangriffen: Im Vordergrund der Markt, dahinter der Luitpoldplatz mit Bahnhofstraße und rechts die Ruine des ausgebrannten Alten Schlosses. Foto: Archiv Bernd Mayer-Stiftung
Das Ehrenmal wurde 1947 von Angehörigen der Bombenopfer errichtet. 58 der Opfer aus dem gesamten Gebiet des damaligen Deutschlands, aus Italien, Ungarn und der Ukraine, die dort ruhen, werden auf dem Ehrenmal namentlich genannt, zwölf der Bestatteten sind unbekannt.

CSU-Stadträtin Elisabeth Bauriedel befasst sich in einem an Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG) gerichteten Antrag mit dem Zustand des Ehrenmals. "Die Anlage ist ungepflegt, der Grabstein befindet sich in einem schlechten, verwitterten Zustand, so dass man die verschiedenen Inschriften kaum mehr lesen kann", beklagt sich Bauriedel im Gespräch mit dem Bayreuther Sonntag.

"Nachdem wir in der hervorragenden Ausstellung über ,Verstummte Stimmen' am Festspielhaus und im Rathaus der während des Nationalsozialismus verfolgten und umgekommenen Menschen gedacht haben, meine ich, dass es auch eine Aufgabe der Stadt ist, den Opfern, die durch die Bombenangriffe
auf Bayreuth ums Leben gekommen sind, in entsprechender Würde zu gedenken". Bauriedel stellt daher den Antrag, dass die Stadt "die notwendigen Maßnahmen ergreift, damit die Anlage insgesamt renoviert wird".

Der städtische Pressesprecher Joachim Oppold erklärte auf Nachfrage, dass für den Bauunterhalt der Sammelgrabstätte der Opfer der Bombenangriffe das Tiefbauamt der Stadt zuständig sei. Gleiches gelte für eine eventuell einmal anstehende Sanierung der Gedenkstätte. Die gärtnerische Pflege der Grabstätte erfolge durch das Stadtgartenamt.

Am 5., 8. und 11. April 1945 wurden bei den schweren Luftangriffen in Bayreuth viele öffentliche Gebäude und Industrieanlagen sowie 4.500 Wohnungen zerstört, 741 Menschen fanden den Tod.
Lange hatten die Bayreuther gehofft, sie könnten von den Zerstörungen des Krieges verschont bleiben. Am 5. April 1945 war diese Illusion jedoch vorbei. An diesem Tag flogen 39 Maschinen der US 18th Air Force den ersten großen Luftangriff, der in mehreren Wellen ausgeführt wurde. Vor allem das Gebiet um Wilhelmsplatz und Bahnhofsviertel wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, 88 Tote, 67 Verwundete und über 100 Verschüttete waren zu beklagen.

Doch dies war nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Am 8. April 1945 warfen 51 US-Maschinen von 12.06 bis 12.08 Uhr über 500 Spreng- und Brandbomben über dem Stadtgebiet ab. Diesmal waren das Kasernenviertel an der heutigen Leuschnerstraße, der Jean-Paul-Platz und der Bereich am Dammwäldchen die Hauptziele. Von der "Ludwig-Siebert-Festhalle", der ehemaligen Markgräflichen Reithalle und heutigen Stadthalle, blieben damals nur die Umfassungsmauern übrig.

Das größte Inferno brachte dann der 11. April 1945. 110 britische Maschinen warfen 240,3 Tonnen Sprengstoff und 17,8 Tonnen Brand- und Leuchtbomben über der Stadt ab. Abgesehen von den vielen Opfern wurde das gewachsene Bayreuther Stadtbild für immer zerstört. Der Luitpoldplatz und der Markt glichen einem einzigen Trümmerfeld. Um 15.07 Uhr türmte sich eine schwarze Wolke bis zu drei Kilometer hoch über der Stadt. Das Festspielhaus wurde bei dem Luftangriff kurioserweise ausdrücklich von der Zerstörung ausgeklammert.
Nur drei Tage später, am 14. April 1945, rückten die amerikanischen Soldaten in die zerstörte Stadt ein.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren