Bayreuth
Leerstand

Fränkische Kommunen kämpfen gegen den Leerstand - Hilft eine Zusammenarbeit?

Während Metropolen wie München mit Wohnraum kaum noch hinterherkommen, kämpfen viele ländliche Kommunen gegen leerstehende Häuser und Läden. Die Strategien sind unterschiedlich. Kann das Aussterben der Ortskerne noch gestoppt werden?
Artikel drucken Artikel einbetten
Während Metropolen wie München mit Wohnraum kaum noch hinterherkommen, kämpfen viele ländliche Kommunen gegen leerstehende Häuser und Läden. Foto: Nicolas Armer/dpa
Während Metropolen wie München mit Wohnraum kaum noch hinterherkommen, kämpfen viele ländliche Kommunen gegen leerstehende Häuser und Läden. Foto: Nicolas Armer/dpa

Sie klaffen wie Zahnlücken in der Fußgängerzone: dunkle, leere Fenster. Wo einst Kleidung verkauft wurde oder die Familie mit Kindern lebte, ist es nun wie ausgestorben. Leerstehende Läden und unbewohnte, teils heruntergekommene Häuser sind in vielen bayerischen Regionen ein Problem. In der nördlichen Oberpfalz zum Beispiel, bis nach Hof und Kronach in Oberfranken, aber auch in Teilen Mittelfrankens, erklärt Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag. "Die Alten bleiben da, die Jungen ziehen weg." Warum? Wenige Arbeitsplätze, kaum Ärzte, schlechte Verkehrsanbindung, selbst der Dorfladen hat dichtgemacht.

Kaum Nachmieter

Schilder, die für günstigen Gewerbegrund werben, stünden teils jahrelang da, hat Schober beobachtet. Denn wer ein Gewerbe betreibt, mache eine "knallharte Wirtschaftsberechnung: Sie gehen nur dahin, wo sie glauben, dass die Kaufkraft da ist", sagt Schober. So brächen nach und nach Gewerbetreibende weg, bis zum Handwerker, dem Metzger und dem Bäcker. Darunter wiederum leide die Attraktivität eines Ortes. Für Wohnhäuser finde sich kein Nachmieter, viele Eigentümer verkauften ihre Immobilien, weil die Erben nicht einziehen wollten. Im Kronacher Bürgerspital sollen Senioren für Leben sorgen.

Strategien gegen das Aussterben von Innenstädten

Was also tun gegen das Aussterben von Innenstädten jenseits von Metropolen wie München, Nürnberg und Augsburg? Es gibt verschiedene Strategien. Die Städte und Landkreise Hof und Bayreuth sowie der Kreis Wunsiedel haben sich jetzt zusammengetan und einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Ziel sei es, "leerstehende Immobilien wieder mit Leben zu füllen und damit den Ortskernen der Region ein neues, attraktives und lebendiges Gesicht zu geben", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Städte und Landkreise.

Konkret soll es unter anderem bald "Raumwohlstandslotsen" in den Kommunen geben. Das sind Ansprechpartner, die den Überblick über Leerstände haben und Bürger, die kaufen oder sanieren wollen, an die zuständigen Behörden weitervermitteln sollen.

Online-Immobilienportal geplant

Außerdem sind ein Online-Immobilienportal und ein digitaler Förderratgeber geplant, wie Jana-Lisa Kirsch vom Landkreis Bayreuth erklärt. "Das Immobilienportal ist nicht als Konkurrenz zu Seiten wie Immoscout gedacht, sondern kostenfrei und von Bürgern für Bürger." Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird vom bayerischen Ministerium für Wirtschaft und Landesentwicklung gefördert.

In Unterfranken arbeiten die Gemeinden Bischofsheim an der Rhön, Oberelsbach, Oberelsbach, Sandberg und Schönau an der Brend als "Kreuzbergallianz" zusammen. 2010 gründeten sie einen gleichnamigen Verein. Flächen in den Ortskernen sollen besser genutzt, Neubauten außerhalb vermieden werden. Unter anderem gibt es für die einzelnen Gemeinden nun digitale Immobilienbörsen, die auf der Website des Vereins zusammengefasst sind.

Nach wie vor gebe es allerdings schwer vermittelbare Häuser, die seit Jahren keinen Käufer finden, erklärte der Erste Bürgermeister von Bischofsheim an der Rhön, Georg Seiffert (CSU), bei einer Info-Veranstaltung vor einigen Tagen. Außerdem mangele es an Visionen, was aus leerstehenden Gebäuden gemacht werden könnte.

Zusammenarbeit der Kommunen

Trotzdem: Die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen könne den bedrohlichen Trend zumindest stoppen, glaubt Schober vom Bayerischen Gemeindetag. "Die sollen sich vernetzen und über den eigenen Kirchturm hinausschauen." Dabei komme es auch auf eine kommunale Wirtschaftsförderung an - also eine "gute Versorgung mit allem, was der Mensch braucht", erläutert Schober. Vom Breitbandausbau bis hin zur Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten. Als Erfolgsbeispiel dafür nennt er den Landkreis Cham in der Oberpfalz.

Nach Angaben des dortigen Landratsamts steigt die Einwohnerzahl dort seit 2014 wieder: von rund 125.600 zum 31. Dezember 2013 auf knapp 127.600 zum 30. Juni 2018. Seit 2010 ziehen demnach mehr Menschen in den Landkreis als ihn verlassen. Die Firmen hätten investiert und Arbeitsplätze geschaffen, so dass die Menschen in der Region blieben oder dorthin zurückkämen, teilte Landrat Franz Löffler (CSU) mit.

Der Kampf gegen den Leerstand spielt aber auch in Cham eine Rolle. Derzeit würde unter anderem ein internes "Siedlungsentwicklungs- und Leerstandmanagement-Tool" erprobt, mit dessen Hilfe Gemeinden Leerstände feststellen und vermarkten sollen. Dabei soll auch ein Exposé mit Daten über eine Immobilie erstellt werden - vom Gebäudetyp bis hin zu baurechtlichen Bedingungen.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren