Bayreuth
Interview

Fluganzug: Erfinder Richard Browning spricht über Scheitern, Lernen und Weitermachen

Der Brite Richard Browning kommt mit seiner Erfindung nach Bayreuth: Mit seinem Anzug "Daedalus" kann er fliegen.
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Richard Browningv Foto:Gravity Industries
Richard Browningv Foto:Gravity Industries
Vor gut zwei Jahren entdeckte der Brite Richard Browning den Menschheitstraum vom Fliegen neu. Statt in einer Flugmaschine zu sitzen, wollte er einen Anzug bauen, der den menschlichen Körper so verstärkt, dass man ohne weitere Gerätschaften senkrecht fliegen kann. Aus dem Stand heraus über Wiesen, Straßen, einen See.
Ingenieurtechnische Vorkenntnisse hatte der Rohstoffhändler nicht. Monatelang bastelte er mit Freunden, fiel hin, stand auf, probierte weiter. Der 39-Jährige berichtet, wie er die ersten Schritte seines Traumes mit seiner Firma "Gravity Industries" verwirklichte.

Warum wollen Sie überhaupt fliegen?
Richard Browning: Weil diese Idee, das Konzept, vertikal zu fliegen, für unmöglich gehalten wurde. Und ich mag Herausforderungen. Ich habe einen Geschwindigkeitsrekord von 51,53 km/h im vertikalen Flug aufgestellt.

Wie fühlt es sich an, senkrecht stehend über die Welt zu fliegen?
Es gibt nichts Vergleichbares auf der Welt, es ist ein noch nie da gewesenes Gefühl von Freiheit und Mobiliät. Wie ein Traum. Der Traum, den die Menschen vom Fliegen haben. Und es macht einen Riesenspaß!

Denken Sie, jeder Mensch sollte sich auf diese Weise fortbewegen können?
Im Idealfall schon, aber im Moment ist das nur ein - ziemlich lauter und ineffizienter - erster Schritt. Etwa so wie der erste motorisierte Wagen. Der Anzug ist noch im Entwicklungsstadium, wir arbeiten bereits am nächsten Prototypen.

Sind Sie bei der Entwicklung des Anzugs oft hingefallen?
Ja. Wir haben viele Dinge ausprobiert, viel gelernt durch das, was nicht geklappt hat. Bis zum ersten Sechs-Sekunden-Flug mit unsanfter Landung war ich nicht sicher, dass die Idee funktioniert. Aber von da an war klar, dass es geht. Also haben wir weiter probiert, sind weiter hingefallen ... oft hinzufallen ist definitiv die beste Art, zu lernen.Wir haben eine weite Reise hinter uns, stehen aber auch noch vor vielen Herausforderungen wie dem Übergang vom vertikalen in den horizontalen Flug, der Stabilitätskontrolle.

Sind Sie mit dem Projekt auch mal wirtschaftlich auf die Nase gefallen?
Geschäftliche Rückschläge und richtige Misserfolge hatten wir nicht wirklich. Alles, was wir versuchten, haben wir auch einigermaßen zum Laufen gebracht. Die Herausforderung jetzt ist, eine Größenordnung für das Geschäft festzulegen.

Die Massenproduktion des Anzugs wäre möglich, findet aber zumindest derzeit nicht statt. Wie verdient Ihre Firma Geld?
Wir haben Gravity Industries im März 2017 gegründet. In den ersten zwölf Monaten haben wir über eine halbe Million Dollar durch Events, die Vermarktung der Marke und den Verkauf von Fluganzügen eingenommen - und alles in Forschung und Entwicklung gesteckt. Den letzten Anzug der frühen Version haben wir für 250 000 Dollar verkauft.

Sie kommen am Donnerstag zur Digitalkonferenz DLD nach Bayreuth. Waren Sie schon mal in Deutschland?
Ich war geschäftlich schon einmal hier, in der Zeit als ich Mineralölhändler war, und als Soldat des britischen Militärs. Ich war hier zum Gleitschirmfliegen. Schöne Gegend! In Bayreuth werde ich meine Idee vorstellen und den Anzug live vorführen.

Das Interview führte Natalie Schalk.
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