Bayreuth
Förderprojekt

Filmkraut: Bayreuther starten Crowdinvesting für Filme

Nur zusehen war gestern: Drei junge Bayreuther holen auf ihrer Onlineplattform filmkraut.de Filmfans und Kinogänger mit ins Boot. Ab 50 Euro kann jeder zum Investor werden. Wie das funktioniert, erklären die Drei im Video.
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Klappe, die Erste: Die "Filmkraut"-Gründer (von rechts) Andy Sydow, Tim Menapace und Aeneas Wilkening sowie Marvin Röhm (links) fiebern dem Start ihres ersten Crowd-finanzierten Films entgegen. Foto: Barbara Herbst
Klappe, die Erste: Die "Filmkraut"-Gründer (von rechts) Andy Sydow, Tim Menapace und Aeneas Wilkening sowie Marvin Röhm (links) fiebern dem Start ihres ersten Crowd-finanzierten Films entgegen. Foto: Barbara Herbst
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Dem Schwarm sagt man nach, er besitze seine eigene Intelligenz. Ein Schwarm Menschen besitzt aber noch etwas anderes: Geld. Geld, das sich für die Finanzierung von Projekten sammeln lässt. Filme in diesem Fall. "Crowdfunding allein genügt nicht, um die Kosten für einen hochwertigen Spielfilm oder Dokumen tarstreifen zu stemmen", sagt Tim Menapace. Der Familienname ist Südtiroler Ursprungs, der 22-Jährige selbst waschechter Franke (Erlangen/Nürnberg), Kinogänger seit Kindertagen und überzeugt: Aufwändige Produktionen aus deutschen Landen lassen sich mit Hilfe der Masse finanziell bewerkstelligen. Dafür jedoch muss aus dem bloßen Crowdfunding ein Crowdinvesting werden.

Crowd trifft Kraut
Die Masse, der Schwarm - das sind in diesem Fall Gleichgesinnte, denen der Student der Medienwissenschaft der Universität Bayreuth, sein Kommilitone Aeneas Wilkening sowie
der Dritte im Bunde, der selbstständige IT-Berater Andy Sydow, die Plattform bieten für die Zelluloid-Hingucker von morgen und übermorgen. Filmkraut.de heißt das Vorhaben, mit dem das Trio seit drei Wochen online ist. "Der Name ist bewusst verdeutscht", sagt Menapace, "wir wollten uns von dieser hippen englischen Szene-Sprache absetzen. Das passt auch deshalb ganz gut, weil wir uns auf deutsche Filme konzentrieren."

Wenn möglich erfolgreiche Produktionen wie "Stromberg - Der Film". Das Paradebeispiel für einen Streifen, den im wahrsten Wortsinn die Masse wollte. Etwa eine Million Grundkapital kam damals über die Gönner aus dem Netz zusammen, der Film spielte ein Vielfaches ein. "Die Rendite für die Geber lag bei beachtlichen 17 Prozent - das nenne ich mal ein gelungenes Investment", sagt Menapace.

Ein Trickfilm zur Begrüßung
Investment ist an sich ein bisweilen trockenes Terrain. Da die Genres Film und Medien aber ein äußerst kreative Betätigungsfelder sind, präsentiert sich die Homepage der Bayreuther entsprechend verspielt: Mit einem Trickfilm heißt das Trio potenzielle Filmförderer willkommen. Das Motto: Ab 50 Euro sind Sie dabei. Das ist die Mindesteinlage.



Nach oben, sagt Tim Menapace, sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. "Alle, die eine Beteiligung zeichnen, bekommen laufend Informationen über das durch sie unterstützte Projekt: seien es Bilder vom Dreh, ein Making-of oder Informationen über die Schauspieler. Als Förderer wird man zusätzlich im Abspann genannt - auch schon mit dem Mindestbetrag." Bei entsprechend höherer Beteiligung gibt es dazu eine exklusive Set-Besichtigung.

Natürlich besteht - wie bei jeder Investition - die Gefahr des Verlusts, auch des totalen. "Wenn der fertige Film im Kino floppt, dann ist das nicht auszuschließen", bekundet Aeneas Wilkening, der sich um die kaufmännische Abwicklung kümmert und die Mitbewerber der Branche sondiert. Bei "Filmkraut" ist beim Thema Einlagensicherung ein zusätzlicher Riegel eingebaut: Sollte die benötigte Summe nicht zu Stande kommen, bekommt jeder Investor sein Geld zurück. "Dann gehen wir als Vermittler natürlich leer aus", weist der Student auf sein eigenes Risiko bei der Sache hin. Im umgekehrten Fall, einer erfolgreichen Finanzierung, wird an die Jungunternehmer eine Provision ausgeschüttet.

Die Förderung funktioniert also nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip: "Erst wenn die festgelegte Gesamtsumme X über das Crowd-Investing zusammen ist, bekommt der Produzent das Geld", erklärt Tim Menapace. Darin sieht der Medienwissenschaftsstudent noch einen weiteren Vorteil: Es ist ein Anhaltspunkt für den Macher, wie ein Projekt ankommt, und zwar schon im Vorfeld. "Bekommt er den nötigen Betrag aus der Masse nicht, dann hat er eben seine Zuschauer nicht überzeugt und dann weiß der Regisseur oder Produzent: Ich muss wohl das Konzept überdenken. Eine Art Filter also, ob der Film überhaupt markttauglich wäre." Das alles passiert, bevor die Produktion zum Desaster für alle Beteiligten an der Kinokasse wird. Die eingebaute Reißleine.

Das alles ist noch Zukunftsmusik: "Filmkraut" will mit den ersten Produktionen ab Januar 2015 an die Öffentlichkeit. Ein Ankerprojekt ist schon in die zweite Phase eingetreten - Näheres fällt unter die Verschwiegenheitspflicht, sagt Tim Menapace. "Es sind mehrere Pfeile im Köcher. Ein Streifen wird etwas Lokalkolorit besitzen, ein anderes Projekt hat echten Spielfilmcharakter. Es gibt aber auch andere Formate wie eine Doku und eine Serie."

Produzenten finden's gut
Und wie urteilen die Produzenten über die Gründer-Idee? "Die sind angetan", sagt Tim Menapace. "Wir sind eine unabhängige Förderplattform, die den Filmemachern eben nicht die Stoffe zerpflückt, wie es womöglich ein Fernsehredakteur oder Verleiher tun würde."

Andy Sydow, mit 28 Jahren der Älteste in der Riege und für die technische Umsetzung des Online-Auftritts zuständig, gibt eine erste Wasserstandsmeldung: "Es sind bereits Gönner mit Zuwendungen registriert. Wenn wir in drei Jahren einen Stamm von 3000 Förderern hätten, werten wir das als Erfolg."


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