Ein Künstler könnte sie nicht schöner malen. Die Schmetterlinge beziehungsweise Tag- und Nachtfalter der Fränkischen Schweiz sind farbenfroh schillernde Naturwunder. Die Region mit ihren Mager- und Halbmagertrockenrasen sind geradezu ein Paradies für Schmetterlinge. Dies sagen zumindest viele Hobby-Lepidoptrologen, wie Schmetterlingsforscher auch heißen. Und so wie auch Dagmar Nowak und Lothar Lindner aus Beucha in der Nähe von Leipzig genannt werden.

So mancher, der in den vergangenen Tagen abends an der Ferienwohnung der Familie Zutt in Christanz im Ahorntal vorbeigefahren ist, mag sich gewundert haben: Was ist das für ein bläuliches Licht auf dem Balkon?
Des Rätsels Lösung: Dort sitzen Dagmar Nowak und Lothar Lindner neben einem so genannten "Schwarzlicht" und einer weißen Leinwand und warten. Sie warten, bis ein Nachtfalter endlich dem Licht nicht mehr widerstehen kann. Dann warten sie darauf, bis sie das Tier mit einem durchsichtigen Plastikbecher mit Luftlöchern einfangen können. Die Schmetterlinge töten Dagmar Nowak und Lothar Lindner allerdings nicht und lassen auch die Finger von Präparieren. Sie betäuben die Schmetterlinge lediglich mit Äther, um ihre Art zu bestimmen.

"Möglichst naturschonend"


Wenn die beiden Schmetterlingsliebhaber die Tiere dann von beiden Seiten fotografiert haben, lassen sie sie wieder frei.
Für ihre Zwecke haben Dagmar Nowak und Lothar Lindner sogar eine Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberfranken. Die läuft genau so lange wie ihr Urlaub in der Fränkischen Schweiz und besagt unter anderem, dass sie die Schmetterlinge mit Hilfe von künstlichen Lichtquellen auf dem Balkon der Ferienwohnung in Christanz einfangen dürfen.

Dagmar Nowak und ihr Partner sind verpflichtet, dabei "möglichst naturschonend" vorzugehen. Sie dürfen die Tiere mit Äther zwar betäuben. Ein "Töten der Tiere ist jedoch nicht erlaubt", heißt es unter anderem in dem mehrseitigen Bescheid der oberen Naturschutzbehörde. Zudem müssen die Schmetterlinsforscher nach Abschluss ihrer Arbeiten die Artenlisten an die Regierung von Oberfranken übermitteln. "Es ist gar nicht so einfach, so einen Ausnahmegenehmigung zu bekommen", sagt der 73-jährige Lindner.
Er ist erst durch seine ein Jahr jüngere Lebensgefährtin Dagmar Nowak zum Schmetterlingsliebhaber geworden. Heute sind beide Mitglieder im Entonologischen Verein Leipzig und ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturkundemuseums Leipzig.

Die Fränkische ist ein "Paradies"


Die Insekten- und Pflanzenvielfalt in der Fränkischen Schweiz ist einzigartig, sagt Lindner. Besonders artenreich seien die Naturschutzgebiete rund um Pottenstein, oder die Wachholderheiden bei Haselbrunn.
Am Pottensteiner Hochgericht zum Beispiel gebe es seltene und stark gefährdete Falterarten, wie zum Beispiel den Kleinen Weinschwärmer. In Naturschutzgebieten dürfen die beiden Schmetterlingsforscher die Tiere allerdings nicht einfangen, fotografieren aber schon. Selten ist auch der Flockenblumen-Scheckenfalter, ein Schmetterling den Lindner und Nowak auf dem Balkon ihrer Ferienwohnung gefangen hatten.

Ebenso den "Gestreiften Grasbär", den "Rotklee-Bläuling", den Schwarzrand-Harlekin", den "Brombeerspinner" oder auch die "Weiße Tigermotte". Laut Lindner gibt es in unseren Breiten 146 Tag- und über 3500 Nachtfalterarten. Das Gros von ihnen kommt in der Fränkischen vor. Das ist ein "Paradies für Schmetterlinge", jubelt Lindner nochmals.