Bayreuth
Metzgerei-Schließung

Familienbetrieb in Oberfranken muss aufgeben: Metzgerei schließt am Samstag

Die Metzgerei Popp in Bayreuth schließt zum Monatsende. Am kommenden Samstag sind in der Fröbelstraße zum letzten Mal Wurst- und Fleischwaren erhältlich. Gegenüber inFranken.de erklärt der Inhaber die Entscheidung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Bayreuther Familienbetrieb muss dicht machen: Am Samstag hat die Metzgerei von Hans-Peter Popp (l.) zum letzten Mal geöffnet. Foto: Privat
Ein Bayreuther Familienbetrieb muss dicht machen: Am Samstag hat die Metzgerei von Hans-Peter Popp (l.) zum letzten Mal geöffnet. Foto: Privat

Bayreuther Familienbetrieb muss aufgeben - Metzgerei Popp schließt am Wochenende für immer. Die alteingesessene Metzgerei Popp schließt am Samstag (30. November 2019) ihr Ladengeschäft in der Fröbelstraße. Damit endet nach 61 Jahren die Firmengeschichte des Familienbetriebs.

Nach 61 Jahren: Bayreuther Metzgerei Popp muss schließen

Am Samstag hat die Metzgerei Popp zum letzten Mal geöffnet. Danach bleibt das Fleischerei-Fachgeschäft für immer geschlossen. Eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse zwingen Inhaber Hans-Peter Popp zur Aufgabe. "Ich habe zunächst abgewägt: Was ist wichtiger - den Betrieb aufrechtzuerhalten oder die Gesundheit?" erklärt der 58-Jährige. "Meine Gesundheit geht in dem Fall aber einfach vor."

Neben Popp sei auch einer seiner Angestellten krank geworden. Ein anderer habe gekündigt, weil ihm die Arbeit zu anstrengend gewesen sei. "Ich habe von Juni bis jetzt allein gearbeitet - täglich von 4 bis 19 Uhr. Trotz Krankheit. Jetzt ist Schluss, ich kann nicht mehr!", sagt Popp im Gespräch mit inFranken.de.

 

Seine Krankheit, der Stress, die finanzielle Belastung - diese Kombination war letztlich zu viel für den 58-Jährigen, der den Fleischereibetrieb 2012 von seinem Vater übernommen hat. Mit den Eltern hat er die Metzgerei seit 1976 gemeinsam geführt. Bis Mitte der Neunziger-Jahre lief das Ladengeschäft gut. Im Jahr 1995 dann die Zäsur, der "Knacks", wie es Popp nennt. Seitdem sei die Nachfrage seiner Kunden merklich zurückgegangen, konstatiert er.

Metzgermeister übt Kritik: "Alle wollen es immer billiger haben!"

"Die Sache mit den Metzgereien wird seitdem immer schlimmer. Von der Laufkundschaft allein kannst du nicht leben. Und die Stammkundschaft stirbt dir weg. Die Jugend kocht doch nicht mehr!", so der Vorwurf des Bayreuther Fleischermeisters. Einst treue Kunden sehe er immer öfter an der Fleischtheke eines Supermarkts.

 

Zudem seien im Lauf der Jahre immer mehr Großkunden wie Kantinen oder Altersheime als Abnehmer weggebrochen. Auch in diesem Punkt übt der Metzger deutlich Kritik. "Alle wollten es immer billiger haben!"

Hinzu kommen laut Popp bürokratische Hürden, die ein Familienbetrieb nicht so ohne weiteres bewältigen könne. "Das Finanzamt wollte, dass ich fünf neue Kassen und eine Waage kaufe - mit einem speziellen Computersystem. Die Geräte würden mich 35.000 Euro kosten. Das kann ich nicht mehr erwirtschaften - nicht einmal in einem Jahr", klagt der Metzgerei-Inhaber.

Bis zuletzt habe er versucht, den Familienbetrieb mit seinem Privatvermögen zu retten. Allein durch seinen nötigen Krankenhausaufenthalt seien ihm allerdings rund 45.000 Euro an Umsatz verloren gegangen. "Das hole ich nicht mehr auf. Die Kunden lassen ja nicht auf einmal 100 statt 20 Euro im Laden", hält Popp fest.

Nach Verkauf: Zieht eine andere Metzgerei in das Gebäude?

Das Haus, in dem das Fleischereigeschäft über Jahrzehnte Wurst- und Fleischwaren angeboten hat, hat Popp inzwischen an einen Investor verkauft. Seine Angestellten, die ihrem Chef zum Teil 20 bis 25 Jahre die Stange gehalten haben, habe er an andere Betriebe vermitteln können. Am 1. März 2020 wechselt die Immobilie den Besitzer. Möglich, dass dann erneut eine Metzgerei in das Gebäude in der Fröbelstraße Einzug hält. Popp hält sich diesbezüglich bedeckt. "Das Ganze ist traurig. Mir geht das an die Nieren."

Für ihn haben nun ohnehin andere Dinge Vorrang. Neben seiner eigenen Erkrankung muss er obendrein seinen inzwischen 87-jährigen Vater Hans pflegen, der den Bayreuther Metzgereibetrieb Ende der Fünfziger-Jahre einst übernommen hat. "Ich möchte mit meinem Vater noch ein schönes Leben führen", so Popp. Seine eigene Genesung steht natürlich ebenso im Fokus. "Ich möchte nicht mit 60 abtreten", sagt der 58-Jährige. "Das Appartement, das in drei Meter Tiefe liegt, liegt mir nicht am Herzen."

 

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.