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Bayreuth
Wiederaufnahmeverfahren

Fall Peggy: Zeugen entlasten Ulvi K.

Am ersten Verhandlungstag des Wiederaufnahmeverfahrens vor dem Landgericht Bayreuth war die zentrale Frage: Hat Peggy am Nachmittag ihres Verschwindens noch gelebt? Die Antwort wäre in mehrerer Hinsicht bedeutend.
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Uliv K. wurde als Peggys Mörder verurteilt. Jetzt wird in einem neuen Verfahren geklärt, ob er unschuldig ist. Foto: David Ebener/dpa
Uliv K. wurde als Peggys Mörder verurteilt. Jetzt wird in einem neuen Verfahren geklärt, ob er unschuldig ist. Foto: David Ebener/dpa
Hat Peggy K. am Nachmittag des 7. Mai 2001, dem Tag ihres Verschwindens, noch gelebt? Das war eine der zentralen Fragen die sich am ersten Verhandlungstag des Wiederaufnahmeverfahrens gegen Ulvi K. stellte.
Er war 2004 wegen Mordes an der kleinen Peggy K. verurteilt worden. Vor dem Landgericht Bayreuth gaben Robert W., der Peggy von seiner Tätigkeit als Schülerlotse kannte, sowie Steffen R. und Jörg D., Klassenkameraden von Peggy, an, das Mädchen am Nachmittag des 7. Mai noch gesehen zu haben.

Ein Alibi und ein roter Mercedes

Diese Aussage ist in mehrerer Hinsicht bedeutend. Zum einen würde sie, sollte sie stimmen, Ulvi K. entlasten, da er für diesen Zeitpunkt ein Alibi hat. Zum anderen ist die Aussage spannend, weil die Zeugen Steffen R. und Jörg D.
einen Tag nach Peggys Verschwinden bei der Polizei zunächst ausgesagt hatten, das Mädchen dabei beobachtet zu haben, wie es in einen roten Mercedes stieg. Später widerriefen die beiden Jungen ihre Angaben - aus Angst vor der Polizei, wie sie jetzt vor Gericht aussagten. Diese hätte sie getrennt befragt und ein Polizist habe laut Steffen R. gesagt: "Gib zu, dass du gelogen hast. Jörg hat es schon gestanden." Am Donnerstag konnten sich beide zwar nicht mehr an alle Details ihrer damaligen Aussage erinnern, bestätigten aber die Geschichte mit dem roten Auto.

Staatsanwalt Daniel Götz schlug vor, die Vernehmungsbeamten von damals zu befragen. Er wolle nicht, dass der Eindruck stehen bleibe, die Beamten hätten die Kinder unter Druck gesetzt. Aus gesundheitlichen Gründen, so der Richter, könne einer der beiden Polizisten allerdings nicht mehr befragt werden. Der andere werde für den 5. Mai geladen.

Ein weiterer Aspekt des Falles konnte mithilfe des Zeugen Christian W. beleuchtet werden. W. ist Amtsrichter und hatte im Herbst 2010 Peter H. befragt. Jenen ehemaligen V-Mann und Mitpatienten von Ulvi K., der zunächst vor der Soko Peggy II behauptet hatte, der behinderte Mann hätte ihm den Mord an Peggy gestanden, seine Aussage dann aber vor W. widerrief. W. glaubte ihm, dass Ulvi K. ihm den Mord nicht gestanden hatte.

Michael Euler, der Anwalt von Ulvi K., hatte am ersten Verhandlungstag schwere Vorwürfe gegen Polizei und Justiz erhoben. Er sprach von fehlerhaften und fragwürdigen Ermittlungen, unerlaubten Verhörmethoden und Druck auf seinen Mandant. Ulvi K. habe damals den Mord an Peggy gestanden, weil ihm von der Polizei suggeriert worden sei, dass er dann nicht ins Gefängnis müsse - ein Ort, vor dem er, so sein Anwalt, panische Angst hat. So habe ein Beamter gesagt: "Und wenn du mit dem Verschwinden etwas zu tun hast, kommst du auch nicht ins Gefängnis, weil dir geholfen werden muss."

Zweifelhafte Verhörmethoden

Mit Suggestiv-Fragen habe die Polizei seinen Mandanten in die Richtung gelenkt, in der sie ihn haben wollte und das so vehement, dass Ulvi K. Am Ende der Vernehmung "fix und fertig gewesen sei", gezittert und geheult habe. Bei der Vernehmung, so Euler, seien zweifelhafte Methoden angewandt worden. Das bestritt Staatsanwältin Sandra Staade vehement. Euler zeigte sich mit den Entwicklungen des ersten Prozesstages weitgehend zufrieden. "Ich bleibe optimistisch", sagte er auf Nachfrage. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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