Bayreuth
Getötetes Mädchen

Neuigkeiten im Fall Peggy K.: Anwältin von Ulvi K. fordert 350.000 Euro Schadensersatz

Neues zum Fall Peggy: Ulvi K. fordert 350.000 Euro Schadensersatz. Er musste 2004 ins Gefängnis. Wie sich herausstellte war sein Geständnis nur mit Manipulation ermöglicht worden. Nun kämpft seine Anwältin für Schadensersatz.
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Auf dem Friedhof erinnert ein Gedenkstein an die ermordete Peggy. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth ermittelt weiter in diesem Fall. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
Auf dem Friedhof erinnert ein Gedenkstein an die ermordete Peggy. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth ermittelt weiter in diesem Fall. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Neues Kapitel im Fall Peggy K. aus Lichtenberg: Die Anwältin von Ulvi K. verklagt den Sachverständigen, der Ulvis Geständnis beglaubigt hatte. Die Klage wurde beim Landgericht Berlin eingereicht.

Die Anwältin des Mannes, der im Jahr 2004 wegen Mordes an der neunjährigen Peggy K. aus Lichtenberg (Kreis Hof) verurteilt worden war, hat nach eigener Aussage beim Landgericht Berlin Klage gegen einen Sachverständigen eingereicht. Dies teilte Rechtsanwältin Hanna Henning am Freitag in Lichtenberg mit.

Ein Gutachten des forensischen Psychiaters aus Berlin hatte maßgeblich zur Verurteilung des heute 41-Jährigen geistig Behinderten geführt. Es werde nach der jahrelangen Unterbringung in einer Psychiatrie mindestens 350 000 Euro Schadenersatz gefordert.

Lebenslange Haft 2004 für Ulvi K. im Fall Peggy

Im Jahr 2004 hatte das Landgericht Hof Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt. 2014 wurde er in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen und im Folgejahr aus der Klinik entlassen. Auch in dem zweiten Verfahren hatte der nun beklagte Gutachter erklärt, dass er das frühere Geständnis des Angeklagten für echt halte. Für eine Stellungnahme zu der Klage war der Sachverständige am Freitag nicht zu erreichen.

Ihr Mandant sei aufgrund seiner geistigen Behinderung leicht manipulierbar, meinte Henning. Kriminalpolizisten hätten ihn dazu gedrängt, ein falsches Geständnis abzulegen. Der Sachverständige habe dies in seinem Gutachten bewusst verschwiegen.

Der Hintergrund zu Ulvi K.

Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Im Juli 2016 wurden Teile ihres Skeletts in einem Wald in Thüringen gefunden, knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt. Wie sie zu Tode kam, ist bis heute ungeklärt. Im September 2018 legte ein 41-Jähriger ein Geständnis ab, widerrief es aber später wieder. Vor wenigen Wochen wurde der Mann aus der Untersuchungshaft entlassen.

Viele Ermittlungen, mehr Beschwerden und Fehler

Der Fall Peggy und eine lange Ermittlungsgeschichte. Erst kürzlich legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde wegen der Freilassung eines Tatverdächtigen ein:

Nachdem der tatverdächtige Manuel S. an Weihnachten aus der Haft entlassen wurde, legt die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Montag (14. Januar 2019) Beschwerde beim Amtsgericht in Bayreuth gegen die Entscheidung ein.

Nach eingehender Prüfung richtet sich die Beschwerde gegen die Entscheidung des Gerichtes, den Haftbefehl von Manuel S. aufzuheben. Er soll in dem Mordfall Peggy K. tatverdächtig sein.

Die Staatsanwaltschaft in Bayreuth teilt mit, dass der Haftbefehl gegen den 41-Jährigen zu Recht ergangen ist. Es bestehe weiterhin dringender Tatverdacht. Die Verwertbarkeit der Aussagen des Beschuldigend sei zutreffend. Die Staatsanwaltschaft erklärt, dass dem Beschuldigten durchgehend die Möglichkeit eingeräumt wurde, anwaltlichen Beistand zu Rate zu ziehen.

Fall Peggy K.: Nun muss das Amtsgericht die Beschwerde prüfen

Der Tatverdacht ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft aufgrund der vorliegenden Aussagen und Beweismittel weiterhin so zu bewerten, wie bei Erlass des Haftbefehls am 10. Dezember 2018.

Wegen dieser eingereichten Beschwerde muss das Amtsgericht die Unterlagen der Staatsanwaltschaft prüfen. Sollte das Amtsgericht den Haftbefehl weiterhin aufheben, wird die Staatsanwaltschaft die Akten zur Beschwerde dem Landgericht in Bayreuth vorlegen.

Ursächlich für die Beschwerde der Staatsanwaltschaft ist die Aufhebung des Haftbefehls gegen den tatverdächtigen Manuel S: An Weihnachten (24.Dezember 2018) hat das Amtsgericht Bayreuth im Fall der ermordeten Peggy K. aus Lichtenberg den Haftbefehl gegen den 41-jährigen Tatverdächtigen aufgehoben. Der Mann wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Doch die Entscheidung könnte schnell wieder gekippt werden: Man prüfe eine Beschwerde, heißt es aus Behördenkreisen.

Lesen Sie auch:Die Chronologie des Mordfalls Peggy K.

Vorgeschichte: Der Fall Peggy - 2001 verschwand das Mädchen

Die kleine Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Im Juli 2016 wurden Teile ihres Skeletts in einem Wald bei Rodacherbrunn im thüringischen Saale-Orla-Kreis gefunden, knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt.

Der 41-Jährige hatte vor drei Monaten in einer Vernehmung zugegeben, dass er die tote Peggy im Mai 2001 mit seinem Auto in den Wald gebracht hatte. Er bestritt jedoch, das Mädchen getötet zu haben. Das leblose Kind habe er damals von einem Bekannten an einer Bushaltestelle übernommen. Er habe noch versucht, die Neunjährige zu beatmen - sie dann jedoch in eine Decke gepackt und in den Kofferraum seines Autos gelegt. Den Schulranzen und die Jacke von Peggy will der 41-Jährige Tage später bei sich zu Hause verbrannt haben.

Der 41-Jährige war zunächst wieder auf freiem Fuß

Nach der Vernehmung im September war der 41-Jährige zunächst wieder auf freien Fuß gekommen. Ermittler verdächtigten ihn dennoch, Täter oder Mittäter gewesen zu sein. Möglicherweise - so die Vermutung - sollte mit dem Mord eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden, vermuteten sie. Wesentliche Angaben des Mannes seien nicht in Einklang zu bringen gewesen mit den weiteren Ermittlungsergebnissen, hieß es vor zwei Wochen.

An den sterblichen Überresten des Mädchens entdeckten die Ermittler mikroskopisch kleine Pollen, die sie als Bestandteile von Torf identifizierten - so ergab sich ein Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag. Außerdem fanden die Beamten bei den Knochen Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", hieß es im September. Zudem platzte ein angebliches Alibi des Mannes: Entgegen seinen Angaben war er am 7. Mai 2001 in Lichtenberg unterwegs, wie Videoaufzeichnungen einer Bankfiliale zeigten.

Es gab bereits mehrere Verdächtige

Im Lauf der Jahre gab es bei den Ermittlungen bereits mehrere Verdächtige. Am meisten bekannt wurde der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Peggys Mörder verurteilte, der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde. Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Diese stellten sich später aber als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus.

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg an die Öffentlichkeit gewandt. Die elf Unterzeichner warfen den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern waren auch Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück. dvd/dpa

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