Plankenfels
Landwirtschaft

Dürre lässt Viehweiden verdorren: Bauern müssen eiserne Reserven anzapfen

Die anhaltende Dürre trifft die fränkischen Viehhalter. Weil ihre Weiden verdorren, müssen sie schon jetzt ihre wichtigen Reserven verfüttern. Wer zukaufen muss, kann vom Freistaat einen Zuschuss beantragen.
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Wintervorrat statt Frischfutter: Die Dürre zwingt den Bio-Landwirt Norbert Böhmer aus dem fränkischen Plankenfels dazu, drei Monate früher als sonst zuzufüttern.  Matthias Hoch
Wintervorrat statt Frischfutter: Die Dürre zwingt den Bio-Landwirt Norbert Böhmer aus dem fränkischen Plankenfels dazu, drei Monate früher als sonst zuzufüttern. Matthias Hoch
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Gemütlich mampfend stehen die Rinder in der Sonne und lassen sich ihr Futter schmecken. Den Simmentaler Fleckvieh scheint gar nicht aufzufallen, dass es nicht wie in den Sommermonaten üblich seine Weide abgrast. Seit zwei Wochen schon muss Norbert Böhmer seine Tiere nun zufüttern, beinahe drei Monate früher als geplant. Der Grund: die anhaltende Trockenheit und die damit einhergehende Dürre. Wenn es so weiter geht, könnte das den Bio-Landwirt aus Plankenfels (Landkreis Bayreuth) teuer zu stehen kommen.

"Ich schaue täglich gespannt auf den Wetterbericht", sagt der 49-Jährige. Seit drei Jahren bewirtschaftet er seinen Öko-Mutterkuhbetrieb mit insgesamt ungefähr 100 Tieren hauptberuflich. Wenn es nicht bald ausreichend regnet, könnte es finanziell schwierig werden. Eigentlich lässt er seine Rinder bis Ende Oktober draußen weiden, wo sie extra eiweißhaltigen Kurzrasen fressen. Die Hitze hat davon allerhöchstens noch verbrannte Reste übrig gelassen.

Also muss Böhmer an seine Vorräte ran. Auf etwa 35 Hektar Land baut er selbst an, was er braucht. 700 sogenannte Silageballen kann er in normalen Jahren produzieren, heuer waren es gerade einmal 340. Zukaufen aber ist teuer - durchschnittlich 50 Euro wird er für einen Ballen Grünsilage hinlegen müssen. "Vier solcher Ballen brauchen ich etwa am Tag". Aber selbst wenn sein Futter ausreichen sollte, wird es zumindest eng werden, genügend Rücklagen fürs kommende Jahr zu bilden. Das heißt, die Auswirkungen des aktuell extremen Sommers wird er unter Umständen erst in der nächsten Saison zu spüren bekommen.

"Ich will so autark wie möglich arbeiten", sagt er. Auch auf Kraftfutter möchte der gelernte Landmaschinentechniker verzichten. "Wir wollen aus Gras Fleisch machen", sagt er schmunzelnd. Wenn er seinen Blick dann aber wieder übers Weideland schweifen lässt, vergeht ihm das Lachen. Weil er hauptsächlich Grünland bewirtschaftet, ist er stark von der Witterung abhängig. Aber nicht nur das Wetter macht ihm zu schaffen: "Seit Jahren schon haben wir mit dem Wolf zu kämpfen." "Diese Problematik wird in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen", schätzt Böhmer.

Soforthilfen vom Freistaat

Dem Landwirtschaftsministerium ist die Problematik bekannt. Deswegen hat das Bayerische Kabinett finanzielle Hilfen für den Zukauf von Grundfuttermitteln beschlossen. Förderfähig sind Viehhalter, deren Ertragsrückgang im laufenden Jahr um mindestens dreißig Prozent zurückgegangen ist. Ob Norbert Böhmer davon Gebrauch machen wird, weiß er noch nicht. Schließlich habe er als Bio-Landwirt andere Auflagen als konventionelle Viehhalter zu erfüllen. "Ich versuche natürlich, keinen Antrag stellen zu müssen und es alleine zu schaffen."

Aufatmen können immerhin die Endverbraucher. "Kurzfristige Preissteigerungen für Rindfleisch sind nicht zu erwarten, da derzeit genügend Rindfleisch auf dem Markt ist", erklärt Dieter Heberlein vom Bayerischen Bauernverband in Oberfranken (BBV). Das liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel in Norddeutschland erste Tiere wegen Futtermangels bereits notgeschlachtet werden mussten. "Diese Notverkäufe drücken den Preis", sagt Heberlein. Geraten weitere Betriebe in Schieflage, könne der Preis zwar tatsächlich steigen. Das kann aber noch einige Monate dauern.

In der Agrarstrukturerhebung 2016 sind im Freistaat Bayern mehr als 216 000 Ökorinder erfasst worden. 40 Prozent davon waren Milchkühe. Sogenannte Mutterkühe zur reinen Fleischerzeugung gibt es in Franken aktuell noch 22 000, verteilt auf knapp 2000 Betriebe. Tendenz sinkend. Böhmer hat sich damals bewusst für die Mutterkuhhaltung entschieden. Er züchtet selbst, zerlegt selbst und vermarktet seine Produkte beinahe ausschließlich direkt.

Eine große wirtschaftliche Katastrophe für die hiesigen Rinderzüchter befürchtet BBV-Vertreter Heberlein indes nicht. "Die fränkischen Bauern verfolgen den guten Ansatz der flächengebundenen Tierhaltung", sagt er. Das heißt, dass die in der Regel nicht mehr Tiere auf ihren Höfen halten, als sie aus eigener Kraft versorgen können. Und: "In normalen Jahren bringen die bayerischen Bauern sogar soviel Heu ein, wie selbst gar nicht verbrauchen", so Heberlein. Das wird dann in andere europäische Länder exportiert.

Auch Norbert Böhmer schaut der Zukunft gelassen entgegen. Er will der hitzebedingten Widrigkeiten trotzen. Nicht nur deshalb, weil sein Hof bereits seit einigen Generationen im Familienbesitz ist oder weil er seine Rindviecher lieb gewonnen hat. Böhmer sieht sich und seine Kühe als Landschaftspfleger: "Wir sind Grasveredler", findet er.



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