Bayreuth

"Der Wertbegriff des ehrbaren Kaufmanns ist aktueller denn je"

Für Matthias Fifka, BWL-Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, sind Vertrauen und Reputation das Geschäftskapital des 21. Jahrhunderts.
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"Vertrauen ist der Anfang von allem", eine Devise, mit der vor Jahren die Deutsche Bank geworben hat. Doch gerade diese Bank hat in den vergangenen Jahren schwer an Vertrauen eingebüßt. Und so diente sie im Vortrag von Matthias Fifka am Dienstagabend eher als Negativbeispiel. Fifka, Professor für Betriebswirtschaftlehre an der Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Schwerpunkt strategisches und werteorientiertes Management, sprach beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken in Bayreuth zum Thema "Der ehrbare Kaufmann im 21. Jahrhundert".

Dieses Leitbild aus dem Mittelalter erlebe eine Renaissance, sagte Fifka. Grundlage dafür sei eine wertebasierte Haltung. Schon vor 500 Jahren habe der ehrbare Kaufmann gewusst: Wenn ich unfair agiere, dann spricht sich das schnell herum. Insofern sei der Mechanismus heute derselbe wie damals, jedoch mit einem zentralen Unterschied. "Wir wissen heute mehr, was Unternehmen tun. Ein Fehlverhalten wird sehr schnell zugänglich, vor allem über soziale Medien", sagte Fifka.

Mehr als die Hälfte kein Vertrauen

Der 45-Jährige präsentierte Zahlen über die Vertrauenswerte in Deutschland. Demnach sagen 47 Prozent der Menschen hierzulande, sie hätten Vertrauen in die Wirtschaft. "Im Umkehrschluss heißt das, mehr als die Hälfte hat kein Vertrauen. Da kann man schon von einer Vertrauenskrise sprechen."

Genauer betrachtet unterschieden sich die Werte aber deutlich. So hätten immerhin 74 Prozent Vertrauen in den Mittelstand, aber nur 30 Prozent Vertrauen in die Vorstände großer Unternehmen. Das Handwerk genieße das größte Vertrauen, dagegen sei bei den Autobauern das Vertrauen seit 2015 extrem zurückgegangen. "Wir sehen immer wieder: Vertrauen geht sehr schnell verloren, und verlorengegangenes Vertrauen kommt nur langsam zurück", sagte Fifka.

Beim "Transfer" des ehrbaren Kaufmanns in unsere Zeit müsse man allerdings gewisse Einschränkungen machen, sagte Fifka. "Es ist heute nicht mehr so klar, was richtig und was falsch ist." Aufgrund vieler Individuen in den Unternehmen, die ganz unterschiedliche Wertesysteme hätten, sei es äußerst komplex geworden, das Richtige zu tun.

"Der Fisch stinkt vom Kopf her"

Entscheidend sei aber nach wie vor eine wertebasierte Haltung, die von Unternehmern und Managern den Mitarbeitern vorgelebt werde. "Wenn an der Spitze des Unternehmens nicht ehrbar gehandelt wird, dann wird es weiter unten auch nicht geschehen", sagte Fifka. "Der Fisch stinkt vom Kopf her."

Fifka riet den Unternehmen, Werte festzuschreiben. Sie müssten allerdings "greifbar und im Tagesgeschäft anwendbar sein". So könnten Regeln auch Orientierung geben.

Das Geschäftskapital im 21. Jahrhundert seien Vertrauen und Reputation. "Es dauert 20 Jahre, eine Reputation aufzubauen und nur fünf Minuten, um sie zu ruinieren", zitierte Fifka abschließend US-Großinvestor Warren Buffett. IHK-Präsidentin Sonja Weigand sagte, die Herausforderung bestehe u.a. darin, den Mitarbeitern durch Werte im Unternehmen Orientierung zu geben und die richtige Richtung zu weisen.

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