Bayreuth
Einlasskontrollen

Schwerer Rassismus-Vorwurf gegen Club in Oberfranken – Afroamerikaner fassungslos

Nach einem Vorfall im Mia Klub in Bayreuth erhebt ein Afroamerikaner einen schweren Rassismus-Vorwurf gegen die Diskothek. Mit Freunden wollte der dunkelhäutige Mann den Club besuchen. Die beiden schwarzen Männer seien allerdings an der Tür abgewiesen worden, während ihr weißer Freund reingelassen worden sei.
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Afroamerikaner Therde Stimphile und sein afrikanischer Freund wurden am Eingang der Bayreuther Diskothek Mia abgewiesen, der weiße Freund durfte später in den Club. Foto: privat
Afroamerikaner Therde Stimphile und sein afrikanischer Freund wurden am Eingang der Bayreuther Diskothek Mia abgewiesen, der weiße Freund durfte später in den Club. Foto: privat

  • Mia Klub Bayreuth: Afroamerikaner fühlt sich von Security diskriminiert
  • Türsteher ließ schwarze Männer nicht in Diskothek, weißer Freund durfte rein
  • Geschäftsführerin will sich zu Rassismus-Vorwurf nicht äußern

Der Afroamerikaner Therde Stimphile bezeichnet auf Facebook die Einlasskontrollen im Bayreuther Nachtclub Mia als rassistisch. inFranken.de hat mit seiner Frau Suraja und ihm gesprochen.

Bayreuth: Nach Pub-Besuch wollen vier Freunde in Mia Klub

In der Nacht auf Sonntag (11. August 2019) ist Therde Stimphile mit drei Freunden in der Bayreuther Innenstadt unterwegs - "Männerabend", wie er uns sagt. Zuerst sind die Freunde (Stimphile, ein Afrikaner sowie zwei Syrer) in einem Irish Pub. Gegen 1 Uhr morgens beschließen sie, von der Bar in den Club zu wechseln.

Türsteher liefert fragwürdige Begründung

Vor dem Mia Klub dann die Enttäuschung: kein Einlass. Es handle sich um eine Studentenparty, kein Einlass ohne Studentenausweis, sei den vier Freunden an der Tür gesagt worden. Eigentlich wollen sie schon gehen, bis sie bemerken, dass niemand sonst gebeten wird, einen Studentenausweis vorzuzeigen, schreibt Stimphile auf Facebook.

Erneut suchen sie das Gespräch mit den Türstehern, um den Grund zu erfahren. "Keiner von uns dunkelhäutigen Männern erhielt eine Antwort", erklärt Stimphile. Später habe er herausgefunden, dass einem der beiden Syrer, der hellhäutig ist, der Einlass erlaubt wurde. Erst vor wenigen Tagen sorgte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit grenzwertigen Aussagen für Aufsehen.

Keine reine Studentenparty in Diskothek

Im Nachhinein recherchiert seine Frau Suraja, was der tatsächliche Anlass der Party war: "Meine Lieblingslieder" war das Motto des Abends. Reine Studentenparty? Fehlanzeige.

Auch andere Gründe, ihn nicht reinzulassen, fallen Therde Stimphile nicht ein: "Wir waren gut angezogen", berichtet er. Seine Frau erzählt, dass Therde das Nachleben aus Amerika kennt und dort sehr auf den Dresscode und das Verhalten geachtet wird. Da er weder polizeibekannt noch sonst in der Vergangenheit auffällig war, versteht sie nicht, warum er nicht in den Club durfte.

Frustriert und alleingelassen: Therde wünscht sich mehr Unterstützung

Nicht nur seine Frau macht das geschilderte Verhalten der Securitys an diesem Abend fassungslos. "Ich bin wirklich frustriert. Niemand schreitet ein und ich fühle mich alleingelassen", sagt Therde. Seit zwei Jahren lebt die Familie in Deutschland. Ihm gefalle das Land sehr gut, er finde es nur schade, dass ihm ein paar wenige Leute das Leben schwer machen.

Geschäftsführerin lehnt Stellungnahme ab

Suraja Stimphile versuchte nach dem Vorfall, die Geschäftsführerin des Nachtclubs zu kontaktieren. "Hätte sie auf meine Nachricht reagiert, wäre ich nicht an die Öffentlichkeit gegangen". Sie habe die Nachricht allerdings gelesen und nicht darauf geantwortet.

Erst nachdem der Sachverhalt bereits an die Öffentlichkeit gedrungen war, habe sie sich zurückgemeldet, wollte aber dennoch keine Stellungnahme abgeben. Gegenüber inFranken.de erklärt die Geschäftsführerin ebenfalls, dass sie sich zu dem Vorfall nicht äußern möchte.

Mehrere Male Opfer von Rassismus geworden

Der erste Vorfall dieser Art sei dies übrigens nicht gewesen, erzählt Therde. Insgesamt viermal habe er schon Ähnliches erlebt. Seine Frau erzählt vom Kulmbacher Bierfest, auf dem ihr Mann mit Lederhose und Hemd erschienen ist. "Daran sieht man doch, dass er sich integrieren will", sagt sie. Auf dem Fest sei er dann mehrfach angepöbelt worden. Er dürfe solche Kleidung nicht tragen.

Auch in den sozialen Netzwerken berichten immer mehr Betroffene von Rassismus im Alltag. Unter dem Hashtag #metwo finden sich auf Twitter zahlreiche Geschichten von Menschen, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert fühlen.

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