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"Bayreuth ist reif für den Unverpackt-Laden" - Eröffnung im Frühjahr 2020 ist wahrscheinlich

Im Juni 2019 hat sich die Verbrauchergemeinschaft Hamsterbacke e.V. gegründet, seit 1. November ist nun der Mietvertrag für die Räumlichkeiten am Hohenzollernring 67 unterschrieben, in denen der Unverpackt-Laden in Bayreuth schon 2020 eröffnet werden soll.
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2020 bekommt Bayreuth seinen ersten Unverpackt-Laden, vielleicht sogar schon im Frühjahr. Foto: Julia Grieshammer
2020 bekommt Bayreuth seinen ersten Unverpackt-Laden, vielleicht sogar schon im Frühjahr. Foto: Julia Grieshammer

Die Renovierungsarbeiten laufen auf Hochtouren: Wände werden momentan verputzt, eine Türe zum Flur und Innenhof wird unter Tapetenschichten freigelegt, Wände wurden eingerissen und neue eingezogen. Die Vorbereitungen auf die Eröffnung des Bayreuther Unverpacktladen der Initiative Hamsterbacke e.V. laufen auf Hochtouren.

Bayreuth: Arbeitskreise beraten über Ladenkonzept

In den Arbeitskreisen wird über zu beschaffende Regale, das Abwiege- und Kassensystem und über Auslassbehältnisse für die zu verkaufenden Waren beraten. Hygienevorschriften wurden eingeholt und größtenteils schon erfüllt. Heike Paintmayer und ihr Mann sind seit der Gründung dabei, werkeln und schuften jedes Wochenende hier, zusammen mit anderen freiwilligen Helfern, um den Laden baldmöglichst bezugsfertig zu machen. Zudem ist Heike in den Arbeitskreisen Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und Laden tätig.

Junge Initiative erfasst alle Gesellschaftsschichten

Die Idee zu der Verbrauchergemeinschaft kam ursprünglich aus der Studentenschaft, teilweise in Überschneidung mit Aktiven im Transitionhaus und dem Forum 1.5. Das Forum ist eine Plattform für Initiativen, Wissenschaftler und all jene, die sich in der Region für eine klimagerechte Zukunft einsetzen wollen. Beim ersten Treffen der Hamsterbacke waren hauptsächlich junge Leute anwesend, erinnert sich Heike Paintmayer. Beim zweiten Treffen waren es dann viel mehr Leute in der Mitte ihres Lebens und auch Rentner. Die würden das auch noch so kennen, eine Welt ohne viel Verpackung, und seien daher sehr interessiert an dem Konzept.

"Wachsendes Interesse in allen Bevölkerungsschichten"

"Wir bemerken ein wachsendes Interesse in allen Bevölkerungsschichten, im privaten Umfeld sowie hier im Laden. Es bleiben oft Leute vor den Fenstern stehen oder kommen sogar herein, um uns zu fragen, was genau hier entsteht. Bayreuth ist reif für den Unverpackt-Laden", meint Heike. Die Lage des neuen Ladens am Hohenzollernring sei daher auch ideal aufgrund der hohen Sichtbarkeit und der Innenstadtnähe. Bei der Gründung im Sommer hatte die Hamsterbacke 93 Mitglieder, mittlerweile sind es zwischen 450 und 500.

Wie funktioniert die Verbrauchergemeinschaft?

Der Zusammenschluss zu einer Verbrauchergemeinschaft bringt viele Vorteile: Wenn Haushalte und Einzelpersonen sich zusammentun und gemeinsam als Kooperative bestellen, können Mindestbestellmengen von regionalen Erzeugern erreicht werden. Somit fallen Zwischenhändler weg. Dadurch soll auch eine fairere Preisgestaltung sowohl für Erzeuger als auch Verbraucher ermöglicht werden.

Ehrenamtliche Arbeitskreise für Laden notwendig

Diese Kooperativen werden meist ehrenamtlich organisiert, Aufgaben werden auf Mitglieder verteilt. So auch bei der Hamsterbacke: Es gibt verschiedene Arbeitskreise, die ehrenamtlich für unterschiedliche Bereiche wie Laden, Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen, IT oder Bildung zuständig sind.

Einkaufen auch für Nicht-Mitglieder möglich - allerdings teurer

Der Hamsterbacke e.V. will durch die monatlichen Beträge der Mitglieder die laufenden Kosten des Ladens decken. Einkaufen im Laden kann man auch, ohne Mitglied der Kooperative zu sein, Mitglieder zahlen jedoch reduzierte Preise, da sie durch ihre Beiträge das Projekt tragen und den Laden möglich machen.

Für nur 5 Euro im Monat Mitglieder werden

Fünf Euro pro Monat kostet eine Mitgliedschaft für eine Person, jede weitere Person eines Haushalts zahlt drei Euro. Zusätzlich ist eine sogenannte "Einlage" zu zahlen, die man bei Austritt aus dem Verein wiederbekommt. Zwischen 50 und 400 Euro sollte sie betragen, nach eigenem Ermessen. Wir wollen grundsätzlich, dass jeder bei uns mitmachen kann", erläutert Heike. Bisher haben einzelne Mitglieder schonmal Geld vorgestreckt, um mit der Renovierung beginnen zu können. Mittlerweile sind aber auch die ersten Monatsbeiträge eingetroffen. Trotzdem soll sichergestellt werden, dass jede*r im Falle eines Austritts ihre/seine Einlage zurückbekommen kann: Erwirtschaftete Überschüsse werden in einen "Topf" eingezahlt.

Laden soll nur sich selbst finanzieren: Initiative ist nicht gewinnorientiert

Gewinnorientiert ist die Hamsterbacke aber trotzdem nicht: "Wir wollen keine Gewinne machen, es soll sich einfach nur selbst tragen", so Heike. Zwei 450€-Kräfte sollen nach Eröffnung des Ladens eingestellt werden, aber dennoch werden wohl auch einige freiwillige Helfer im Laden tätig sein.

Konzept: Regional und umweltfreundlich produziert

Welche Produkte im Laden erhältlich sein werden, hänge vor allem davon ab, mit welchen Produzenten zusammengearbeitet wird. Die Waren sollen nicht nur unverpackt verkaufbar, sondern auch ökologisch und möglichst regional produziert sein. Der Arbeitskreis "Produzentinnen" ist dafür zuständig, in Frage kommende Landwirt*innen zu kontaktieren, sich deren Betriebe persönlich anzusehen und mit ihnen Preise auszuhandeln. Oft kämen aber auch Erzeuger*innen selbst auf die Hamsterbacke zu.

Diese Produkte bietet der alternative Markt

Anfangen will der Laden mit trockenen und gut lagerbaren Produkten, Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Mehl, Hülsenfrüchte, Öle und Getreideflocken, auch Kerne und regionales Gemüse soll es geben. Hierbei wird das Angebot natürlich saisonal variieren. Etwas später sollen auch Milchprodukte hinzukommen. Beim Thema Fleisch ist man sich noch nicht einig, da man einerseits Fleischkonsum kritisch gegenüberstehe, aber auch weil sich hier Transport, Lagerung und verpackungsloser Verkauf etwas schwieriger gestalten. Auch Produkte wie Kaffee und Reis wird es geben, die zwar natürlich nicht regional produziert werden können, allerdings wird man auch hier auf möglichst kurze Transportwege, faire Arbeitsbedingungen und ökologischen Anbau achten. Produkte des täglichen Bedarfs wie Seife, Putzmittel und Zahnbürsten aus regionaler, nachhaltiger Produktion werden ebenfalls im Sortiment sein.

Mehr als ein Unverpacktladen

Der Hamsterbacke geht es aber um mehr als Produkte verpackungsfrei zu verkaufen: Darum, Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu stiften für Nahrungsmittel und deren Produktionsbedingungen. Der Laden soll daher auch einen Treff- und Informationspunkt darstellen, an dem Produzenten und Verbrauchern, aber auch Kunden und Mitarbeiter der Hamsterbacke untereinander in Kontakt treten können. Dafür ist auch - zumindest im Sommer - ein kleines Café im gemütlichen Innenhof geplant. Im Winter sollen vor dem großen Schaufenster einige wenige Tische und Stühle stehen.

Arbeitskreis Bildung will an Schulen ökologisches Bewusstsein schaffen

Zudem gibt es den Arbeitskreis "Bildung", der dafür zuständig ist, an Schulen Bewusstsein für ein ökologisch und sozial verträgliches Einkaufs- und Ernährungsverhalten zu schaffen. Dafür besucht der AK Schulen, stellt den Verein Hamsterbacke vor. Es werden Unterrichtsbausteine zum Thema Nahrungsmittelproduktion erarbeitet, die entweder von Lehrern selbst oder Aktiven des Vereins in den Schulen umgesetzt werden sollen.

Helfende Hände willkommen

Momentan zählt die Hamsterbacke circa 30 aktive Mitglieder, die sich in den Arbeitskreisen engagieren. Dazu kommen Freiwillige, die bei den Renovierungsarbeiten helfen. Bei allen Aktivitäten sind neue Gesichter gerne gesehen, man muss keine speziellen Kenntnisse mitbringen. Renoviert wird jeden Freitag und Samstag, meist ganztags. Hierfür muss man auch nicht in einem der Arbeitskreise aktiv sein, sondern kann unverbindlich vorbeikommen und anpacken. Wer in einem - oder mehreren - der Arbeitskreise direkt aktiv werden möchte, kann die einzelnen E-Mail-Adressen auf der Homepage der Hamsterbacke finden.

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