Bayreuth
Kneipenszene

"Zwischen modern und voll oldschool"

Oliver Hauffe, Betreiber von "Lamperie" und "Lamperium", spricht im Interview über Bayreuths Kneipen- und Partyszene, seine Läden und wie alles begann.
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Oliver Hauffe, Betreiber von "Lamperie" und "Lamperium" zapft ein Pale-Ale in seinem Biergarten. Foto: Markus Klein
Oliver Hauffe, Betreiber von "Lamperie" und "Lamperium" zapft ein Pale-Ale in seinem Biergarten. Foto: Markus Klein

Ein grauer Vormittag in Bayreuth. 17 Grad, trotz August. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen, um einen Biergarten zu besuchen. Doch bei Oliver Hauffes urbaraiderischem "Sers. Tringst scho a Bier, gell?" setzt man sich zur Not auch an einen nassen Tisch.
Mit dem Vogelsgarten in der Friedrichstraße und der dazugehörigen "Lamperie" hat der 32 Jahre alte Bayreuther Gastronom seine Selbständigkeit vor sechs Jahren begonnen, die Wetterabhängigkeit war für ihn oft ein Grund zur Sorge. Doch mittlerweile konnte Hauffe ein großes Stammpublikum für sich gewinnen, vor zwei Jahren eröffnete er mit dem "Lamperium" in der Badstraße seine zweite Kneipe. In beiden Locations finden auch regelmäßig Partys statt. Im Interview spricht er darüber, was sich in der Wagnerstadt seit seiner Jugend getan hat, über das schwere Pflaster Bayreuth für Gastronomen und Veranstalter, über zukünftige Projekte und darüber, was man in seinen Läden beim ersten Besuch ausprobieren sollte.

Du bist in Bayreuth geboren. Wie hast du die Kneipen- und Partyszene in deiner Jugend erlebt? Und was hat sich mittlerweile getan?

Oliver Hauffe: "Eine gute Kneipenszene gab es in Bayreuth schon immer. Damals aber nicht unbedingt so fachlich kompetent wie heute. Da hat sich auf jeden Fall was getan, auch von der Qualität der Drinks. Die Partyszene ... es gab halt "Hurricane-Sound" und die "Soundselectors" mit Reggae- und Dancehall-Partys im "Komm" (kommunales Jugendzentrum) und so, da sind wir im Freundeskreis ja quasi zu jeder Veranstaltung hingegangen. Schade, dass es die nicht mehr gibt. Die Partyszene war früher schwieriger zugänglich, aber meiner Meinung nach interessanter, weil es einfach mehr kleinere Partyveranstalter gab, die verschiedenste Räumlichkeiten gemietet haben und ein breites Spektrum angeboten haben. Heute hat man ja quasi nur noch zwei, drei Clubs. Gut, die Rock- und Indie-Parties wie die "Second-Rage-Reihe" waren schon immer sehr gut besucht, aber da bin ich nicht so hingegangen. Ja und Hip-Hop haben wir ja früher selber gemacht, ne. Hip-Hop war für uns immer so das Hauptding."

Zusammen mit fünf Freunden hat Oliver Hauffe von 2002 bis 2006 unter dem Namen "Hupfkuchn" rund 20 Hip-Hop-Partys in Bayreuth veranstaltet.

Oliver Hauffe: "Wir kamen auf die Idee, selbst Veranstaltungen zu machen, weil es im Hip-Hop-Bereich einfach nichts gab in Bayreuth. Um gute Acts zu sehen, waren wir viel auf Festivals wie dem "Splash" und dem "Hip Hop Kemp" und sind ansonsten oft mit dem Zug nach Nürnberg, München und Stuttgart gefahren. Irgendwann kamen wir auf die Idee, das einfach selber zu machen. Ab und zu mal mit Erfolg. Manchmal standen wir aber auch am frühen morgen da und mussten die Künstler überreden, mit der Gage runterzugehen (lacht). Es war witzig, im jungen Erwachsenenalter so was selbst zu machen und das prägt einen natürlich auch über das ganze Leben hinaus. Deshalb mach ich das Ganze ja immer noch; hauptberuflich mittlerweile."

Wie kam es dazu?

"Ich habe meine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in Bayreuth gemacht und kam dann nach Stuttgart zu einer Veranstaltungsagentur. Von dort bin ich weiter nach Kitzbühel. Après-Ski. Dann hat es mich wieder in die Heimat gezogen. Allein wegen des guten Bieres (lacht).
Hier habe ich erstmal keine Stelle gefunden. Also habe ich mich (wieder) entschlossen, selbst etwas zu probieren. Ich wollte eigentlich eine kleine Szenebar machen und da nebenbei ein paar Partys veranstalten. Dafür wollte ich eigentlich einen Keller. Nach einem Jahr Suche wurde mir der Vogelsgarten mit der "Lamperie" angeboten. Naja, dann hatte ich eben einen Biergarten. Damals war das allerdings eher eine riesige Müllhalde auf 60 Tonnen Sand. Ich hab mir dann gedacht: OK, ich riskiers trotzdem! Also Sand raus, Kies rein und Biergarten machen. Mittlerweile haben wir - glaube ich - den angesagtesten Innenstadtbiergarten in Bayreuth. Mit 400 Plätzen.

Zum zweiten Laden kam ich, weil ich noch ein Wintergeschäft haben wollte. Das "Lamperium" habe ich ursprünglich als Keller-Club geplant. Aber die Stadt hat sich bei der Lizenzvergabe quer gestellt. Ich hab auch einen Anwalt eingeschaltet. Der hat gesagt, man müsste das einklagen und könnte schon Recht bekommen, aber das würde mindestens zwei Jahre dauern. Da habe ich mir gedacht: Scheiße! Wenn du diesen Laden in dieser guten Lage willst - und es gab auch viele Interessenten dafür - dann musst du gleich was starten. Also habe ich den Plan umgeschmissen und eine Bar reingemacht.

Haha, ja, das klingt jetzt so leicht; aber mach mal in so nem riesigen Laden (300 Quadratmeter) ne Bar - in Bayreuth! Naja, ich habe dann eben die Zapfhahn-Idee eingebaut. Was ja absolut einzigartig ist.

An einem großen Tisch im "Lamperium" kann man sein Bier selbst zapfen. Ein Bildschirm zeigt an, wie viel die Gruppe bisher getrunken hat.

Drum herum haben wir geschaut, dass wir mit Couchen, Lampen und Tischen ein bisschen Gemütlichkeit und Wohnzimmeratmosphäre schaffen, wo man entspannen und gute Cocktails trinken kann. Bei den Getränken steigern wir uns auch jedes Jahr und machen viel selbst. Die selbstgemachten Schnäpse wie der Gletscher-Hausschnaps laufen so gut, dass wir sogar überlegen, in die Produktion zu gehen."

Und Partys machst du inzwischen auch.

"Ja, im Lamperium haben wir jetzt schon viele geile Party gehabt. Wir bedienen da viele Geschmäcker. Bei den Semester-Opening-Partys ist zum Beispiel vom Elektronischen über Hip Hop bis hin zu Partymusik alles geboten. Im Oktober sind wir auch wieder beim Kneipenfestival vertreten.Es gibt Elektro-Partys, straighten Oldschool-Hip-Hop und auch eine rockige Party. Dann haben wir noch die reguläre Party-Reihe zweimal im Monat. Da hockt der DJ mit seinen Turntables gemütlich auf der Couch. Es gibt auch eine Spendenbox für Wünsche im jeweiligen Bereich, der gespielt wird. Wir haben zum Beispiel Blues/ Swing, was Rockiges und was Elektronisch. In diesem Jahr starten wir auch mit der Piano-Bar: Da kommt ein Piano rein mit Musikern aus Bayreuth, die klassische Barmusik spielen und dazu gibt es nur klassische Cocktails wie Old-Fashioned und Sours. Spielen wird zum Beispiel der Steffen Kraft von "Waste".
Im Biergarten machen wir mit der "Kommune" im Sommer zweimal ein riesiges Elektro-Festival; mit den DJs, die "Chicks & Beats" (Partyreihe in Bayreuth) machen. Generell will ich die lokalen Acts unterstützen, die man zum Teil ja auch von früher kennt. Nicht nur, weil sie billiger sind (lacht).

Wie war es so für dich, in Bayreuth als Gastronom anzufangen? Hast du manchmal auch den Drang gehabt, alles hinzuschmeißen?

"Bayreuth ist ein schweres Pflaster. Das Publikum ist skeptisch und braucht lange, bis es sich mit einer neuen Idee anfreundet. Ich hatte am Anfang schon viel Glück. Die kleine Kneipe ("Lamperie") mit einem Charakter zwischen modern und voll oldschool war ein Hype-Faktor. Sowas braucht es am Anfang, und dann muss man sich eine Weile etablieren, bevor man was Neues ausprobiert. Aber es kommen immer mehr Leute in die Stadt und dadurch auch immer mehr Chancen. Mit dem Biergarten hatte ich am Anfang viel zu kämpfen. Wir sind seit 35 Jahren der einzige Pächter, der fünf Jahre durchgehalten hat. Weil im Winter einfach nichts rüberkommt. Und nicht nur da: Schau her, wir haben August und es ist arschkalt.
Das Lamperium ist zwar noch nah an der Innenstadt, aber Laufkundschaft gibt's da keine. Man muss erstmal was aufbauen. Klar gab es Zeiten, wo ich dachte, ich schmeiß alles hin. Aber was hätte ich machen können? Ich hab ja Kredite abzuzahlen (lacht). Naja, das Geld ist relativ. Man braucht's, wenn man was organisieren will. Aber ich spar auch nicht. Wenn Geld da ist dann mach ich was Neues damit und leb vor mich hin. Wenn ich diese Leidenschaft nicht hätte, dann hätte ich es schon aufgegeben. Und alles hat sich gebessert, seit wir ein so geniales Team sind. Ich habe sieben Festangestellte und mit den studentischen Aushilfen sind wir insgesamt so 50 Leute. Es gibt nichts Schwierigeres, als ein gutes Team zusammenzustellen.Mittlerweile sind wir soweit."

Was würdest du Besuchern empfehlen, die deine Läden zum ersten Mal besuchen?

"In der nächsten Biergartensaison auf jeden Fall unser eigenes Bier probieren! Daran arbeiten wir gerade zusammen mit der Maisel-Brauerei. Und ohne einen selbst gemachten Flammkuchen würde ich auch nicht heim gehen. Die machen wir im Holzofen, auf Buchenholz. Einmalig. In der "Lamperie" würde ich mich beim Personal beraten lassen und einen guten Rum oder Whiskey trinken. Im "Lamperium" sollte man sich mal mit einer Gruppe an den Zapftisch setzen.Und: Probiert die neue Cocktailkarte. Da habe ich jetzt auch einfach mal die Eier und sage: Wir haben die beste in Bayreuth.

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