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Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth: Die Chefin führt Regie

Als Festspielchefin von Bayreuth sitzt Katharina Wagner fest im Sattel. Als Regisseurin wartet sie noch auf den großen Durchbruch. Vielleicht gelingt der ja in diesem Jahr bei ihrem eigenen Festival?
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Besucher warten am 25.07.2014 bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele auf dem Grünen Hügel in Bayreuth (Bayern) bei einer unplanmäßigen Unterbrechung wegen eines technischen Defekts vor dem Festspielhaus. Foto: Tobias Hase/dpa
Besucher warten am 25.07.2014 bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele auf dem Grünen Hügel in Bayreuth (Bayern) bei einer unplanmäßigen Unterbrechung wegen eines technischen Defekts vor dem Festspielhaus. Foto: Tobias Hase/dpa
Ohne all die Aufgeregtheiten und Gerüchte vor dem Festivalstart wären die Bayreuther Festspiele fast langweilig. Das Repertoire ist schließlich eng: Richard Wagners zehn letzte Opern werden gegeben, sonst nichts. Die Aufführungsstätte - das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel - lässt auch wenig Extravaganzen zu. Und die Gästeliste zur Eröffnung birgt ebenfalls keine großen Überraschungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, wie meistens.

Aber rund um den Grünen Hügel brodelt vom Frühsommer an verlässlich die Gerüchteküche, wird über Streit geraunt, über Skandale. Über ein angebliches Hügelverbot für Co-Chefin Eva Wagner-Pasquier, die die Festspielleitung von September an komplett ihrer Halbschwester Katharina überlässt, ist zumindest kurz vorher nichts mehr zu hören.

Dabei sind eigentlich auch die Fakten in diesem Jahr spannend
genug: Festivalchefin Katharina Wagner selbst wird nämlich die Eröffnungspremiere "Tristan und Isolde" am 25. Juli inszenieren.

Im Jahr 2007 hat sie als Regisseurin am Grünen Hügel debütiert, damals leitete ihr Vater Wolfgang noch die Festspiele. Ihre Version der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" wurde heftig ausgebuht und von den Kritikern meist als "so lala" bewertet. Einige weitere Regiearbeiten hat die 37-Jährige zwar schon vorzuweisen - doch der ganz große Durchbruch als Regisseurin ist ihr noch nicht gelungen. Wer weiß, vielleicht klappt es ja mit Uropas "Tristan und Isolde"?

Ihr zur Seite steht jedenfalls ein enger Vertrauter am Pult des Festspielorchesters: Christian Thielemann gilt schon seit einigen Jahren als wichtigster Dirigent des Hauses, doch nun hat er einen imposanten Titel dazubekommen. Er darf sich Musikdirektor der Bayreuther Festspiele nennen. Die Gesellschafter haben ihn mit einem entsprechenden Vertrag ausgestattet. Er wird im künstlerischen Bereich - etwa bei der Sängerbesetzung - womöglich Aufgaben übernehmen, die bisher Wagner-Pasquier innehatte.

"Es geht jetzt nicht um einen Orchester- oder Choraufpasser oder gar um einen Musikdirektor, der keine anderen Dirigenten ranlässt, was ja die große Befürchtung dann immer ist", sagte Thielemann kürzlich dem Radiosender BR Klassik. "So eine Position ist dazu da, um das Handwerk ein bisschen zu vermitteln."

Das bedeute nicht, dass er sich in Produktionen einmische, in denen er nicht selbst dirigiere. Aber er gebe gerne seine Erfahrungen weiter: "Bayreuth ist mir einfach ein Herzensanliegen geworden."

Dabei ist die Konstellation der diesjährigen Bayreuth-Dirigenten durchaus heikel: Kirill Petrenko wird noch einmal die Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" dirigieren, ehe er diese Aufgabe für 2016 abgibt. Petrenko ist kürzlich von den Berliner Philharmonikern zum künftigen Chef gewählt worden, ein prestigeträchtiger Posten, bei dem eigentlich Thielemann einigen längere Zeit als Favorit galt.

Und dann meldete sich der als äußerst schweigsam geltende Petrenko ausgerechnet in Sachen Bayreuth sehr deutlich zu Wort - als nämlich die Gerüchte um Wagner-Pasquier publik wurden und Lance Ryan seine Rolle als Siegfried verlor. Tenor des gebürtigen Russen Petrenko: Er vermisse die Menschlichkeit in Bayreuth. Zudem kritisierte er die verkürzte Probenzeit.

Die Verstimmung Petrenkos war aus jeder Zeile seines Statements zu lesen. Und Thielemann? Dementiert jeden Streit und jeden Konflikt: "Es gibt weder einen Krach zwischen Sängerinnen und Sängern noch zwischen Dirigenten. Wir sitzen gemeinsam in der Kantine."

Dubios bleibt auch die Umbesetzung der weiblichen Titelpartie in "Tristan und Isolde" nur etwa ein Monat vor der Premiere. Anja Kampe gab ihre Rolle als Isolde zurück, Evelyn Herlitzius springt ein.

Über Gründe für Kampes Schritt habe man Stillschweigen vereinbart, betont ein Festivalsprecher. Das lässt natürlich wieder Raum für Spekulationen und Gerüchte - ganz so, wie man es kennt in Bayreuth, kurz vor dem ersten Akt.

Von Kathrin Zeilmann, dpa
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