Bayreuth
Massiver Stellenabbau

Nordbayerischer Kurier entlässt 50 Mitarbeiter

Im Medienhaus "Nordbayerischer Kurier" mit Sitz in Bayreuth sollen bis Mitte nächsten Jahres mehr als 50 der 225 Arbeitsplätze abgebaut werden.
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Foto: Falk Zimmermann
Foto: Falk Zimmermann
Im Medienhaus "Nordbayerischer Kurier" mit Sitz in Bayreuth sollen bis Mitte kommenden Jahres mehr als 50 der 225 Arbeitsplätze abgebaut werden. Dies teilten die Gewerkschaft Verdi und der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) am Donnerstag mit. Betroffen seien Redaktion, Verwaltung, Außenstellen und die Druckvorstufe. Wie aus Betriebsratskreisen zu erfahren war, sollen der Kundenservice sowie Buchhaltung und Personalabteilung mit je neun Mitarbeitern in Bayreuth ganz dichtgemacht werden. Ebenso der Medienvertrieb mit sieben Beschäftigten.


Auch Redaktion soll verkleinert werden

Auch die Redaktion des Nordbayerischen Kuriers, die durch Fluktuation im Laufe des Jahres 2016 bereits zehn von 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verloren hatte, soll weiter verkleinert werden. Konkrete Zahlen hätten die Manager der Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) jedoch noch nicht genannt.


Geschäftsführer muss gehen

Der bisherige Geschäftsführer Michael Rümmele, derzeit im Krankenstand, wurde am Donnerstag von allen Aufgaben entbunden. Sein Nachfolger ist Bodo Kurz, er wird bereits im Impressum geführt.
Der seit längerem wegen angeblich mangelnder Rentabilität kolportierte Verkauf der Druckerei der Nordbayerischer Kurier Zeitungsverlag GmbH scheint dagegen erst einmal vom Tisch zu sein. Der Druckerei werden für die nächsten vier Jahre gute Perspektiven vorausgesagt.


Verkauf im Sommer an die Frankenpost in Hof

Der "Nordbayerische Kurier" war im Sommer mehrheitlich an die Frankenpost in Hof verkauft worden, die zur Südwestdeutschen Medien-Holding (SWMH) in Stuttgart und zur Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), der Medienbeteiligungsgesellschaft der SPD, gehört. Unter dem Dach der SWMH erscheint unter anderem die "Süddeutsche Zeitung".

Der Vorsitzende des Bayerischen Journalisten-Verbands, Michael Busch, reagierte verärgert auf den geplanten Stellenabbau: "Es ist bei den Verlegern leider schon schlechter Brauch geworden, ihre Mitarbeiter gerade in der Adventszeit mit derartigen Hiobsbotschaften zu konfrontieren. Das zeugt von wenig Empathie gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern." Es sei ein typisches Verhalten der Verleger, dass sie im Personalabbau den einzigen Weg sehen, um die Rendite zu erhöhen. Dabei habe sich diese Methode als weitgehend erfolglos erwiesen. Opfer dieser Mentalität seien die Kolleginnen und Kollegen, "die für die Qualität ihrer Zeitung mit viel Motivation und Überstunden gekämpft haben und nun auf der Straße stehen".


Kurzfristige Information

Der zuständige ver.di-Bezirkssekretär Bernd Bauer (Würzburg) beklagte, dass der Betriebsrat des Nordbayerischen Kuriers nur eine Stunde vor der offiziellen Information der Mitarbeiter unterrichtet worden sei. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz sei "der Betriebsrat rechtzeitig und umfassend vom Arbeitgeber zu unterrichten". Entgegen dieser gesetzlichen Verpflichtung sei der Betriebsrat jedoch vor vollendete Tatsachen gestellt worden. "Diese Vorgehensweise wird die folgenden Verhandlungen zu Sozialplan, Interessenausgleich und Sozialtarifvertrag schwer belasten", sagte der Gewerkschaftssekretär.
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