Bayreuth
Tagung DLD

Innovationstreffen DLD in Bayreuth: Spiderman und rasende Drohnen

Bei der Innovationskonferenz DLD Campus an der Uni Bayreuth ging es um Zukunftsvisionen, die heute schon real sind - auch dank fränkischer Technologien.
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Fotos: Ronald Rinklef
Fotos: Ronald Rinklef
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Ein Student bleibt neugierig am Stand an der Wiese vorm Audimax der Uni stehen. Bssssssssssm - rauscht eine Drohne vorbei. Laut. Schnell! "Die beschleunigen in zwei Sekunden auf 140 bis 160 km/h", erklärt Andreas Graf. Er vertritt die "Dronemasters", eine Truppe kreativer Bastler, die Drohnen bauen, mit denen Rennen geflogen werden. Das Projekt wurde am Mittwoch bei der Konferenz DLD Campus vorgestellt.


Bayreuth im Zentrum der Zukunft

DLD steht für Digital, Life, Design (in etwa: Digital, Leben, Gestalt/ung) und Wissenschaftler, Entscheidungsträger und Wirtschaftsgrößen aus verschiedenen Ländern sprachen darüber, wie aus Ideen Unternehmen werden und wie digitale Innovationen die Welt verändern. Etwa 550 Teilnehmer hörten im Audimax zu, diskutierten und netzwerkten, denn bei DLD geht es vor allem darum, Unternehmergeist aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen.


Virtueller Temporausch

Draußen auf der Wiese wurde unterdessen die Praxis erprobt. "Möchtest du mal schauen?", fragte Dronemaster Andreas Grafe Johannes, den Studenten. Beide setzten eine so genannte FPV-Brille auf. Dank Kamera sieht der Brillenträger die Welt aus Sicht des Flugobjektes. Der Drohnenpilot startete - "Heilige Scheiße!", entfuhr es Johannes. Er schwankte ein wenig, musste sich breitbeinig hinstellen, um bei 150 Sachen auf der virtuellen Brille nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
Martin Rudat, ein anderes Mitglied der Dronemasters erklärte: "Die gemütlichen Kameradrohnen sind ja schon in. Aber bald entdecken die Leute, was für einen Spaß Race-Drohnen machen!"


Professor Spiderman

Es gab noch weitere greifbare Beispiele für Innovationen. Während auf dem Podium Adidas-Designer Sam Handy mit dem Bayreuther Professor für Biomaterialien diskutierte, ließen die Zuhörer Schuhe von Hand zu Hand gehen, bogen die Sohle, schnupperten daran. Der Sportartikelhersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach experimentiert mit neuen Materialien. Zum Beispiel Recyclingschuhe aus Plastikmüll, der aus dem Meer gefischt wurde. Oder Schuhen aus künstlichen Spinnenfäden.
Thomas Scheibel hat das Geheimnis der Spinnfäden gelüftet, deshalb wird der Professor manchmal Spiderman genannt. Eine achtbeinige Kollegin aus Australien, die ihn bei seiner Forschung unterstützt, brachte er mit auf die Bühne, um die faszinierenden Eigenschaften der Spinnenweben zu demonstrieren. Diese werden beim künstlichen Biotech-Material kopiert: Spinnen essen ihre Fäden. Beim DLD wurde aufgepasst, dass keiner in den Spinnenseidenschuh beißt - essbar wäre er. Außerdem ist Spinnenseide steril und fördert die Wundheilung. Es ist das ideale Material für die Medizin, Rohstoff in einer Zukunft, in der Organe aus dem 3D-Drucker kommen. Scheibel stellte seine Vision in den Raum: "Warum kein Herz drucken?"


Die Strategie der USA

Stefan Winners, Vorstand bei Hubert Burda Media sprach darüber, wie die USA gezielt und strategisch ihre "Digital Hotspots" wie das Silicon Valley, Boston und New York gebaut haben. "Wenn Apple nur ankündigt, in autonomes Fahren investieren zu wollen, ist an der Börse der Cash größer als die Bewertung des gesamten VW-Konzerns."


Die Zukunftsthemen Frankens

Die Zukunft des Automobils beschäftigt aber auch fränkische Unternehmen: Für die Kunststofffirma Rehau im Landkreis Hof ist ein wichtiges Thema, leichte Materialien zu entwickeln, die Aluminium oder Stahl im Auto ersetzen können. Geschäftsführungsmitglied Martin Wippermann erklärte die Chancen, die der fränkische Betrieb durch bei den künftigen E-Autos sieht.
"Wenn es um E-Commerce geht, ist Oberfranken bereits stark in Forschung und Praxis", sagte Ralf Männlein, Chef des Burgkunstadter E-Commerce-Dienstleisters Empriecom. Universität Bayreuth und Partner aus der Wirtschaft planen in Burgkunstadt einen "Wissenschaftscampus E-Commerce" aufzubauen. Vom Online-Shop-Auftritt über die Bestellung bis hin zur Auslieferung können fränkische Unternehmen an den Innovationen teilhaben. Es ist nur eines der Beispiele.
Die Tagung machte das Feld der digitalen Zukunft in vielen Bereichen greifbar. Vom digitalen Museum Biotopia zum Schutz der Arten unseres Planeten bis zum ersten offiziell anerkannten Cyborg Neil Harbisson, der sich eine Antenne in den Schädel implantieren ließ, mit der er Farben hören kann. Sein Auftritt ließ alles möglich erscheinen (Interview mit Neil Harbisson hier).
Danach probierte draußen, auf der Wiese am Drohnenparcours, ein anderer Student die FPV-Brille, ließ den Geschwindigkeitsrausch kurz auf sein Gehirn wirken und lugte unter der Brille hervor. "Cool! Aber gibt's das auch in 3D?"
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